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Zverev im Aufwind: Mr. Hyde ist weg, Dr. Jekyll da

30.01.2020 16:14
Alexander Zverev hat ausgerechnet bei den Australian Open zu seiner Topform gefunden
© Zhu Wei via www.imago-images.de
Alexander Zverev hat ausgerechnet bei den Australian Open zu seiner Topform gefunden

Alexander Zverev fehlen noch zwei Siege, um als dritter Deutscher bei einem Grand Slam zu gewinnen. Doch sein Halbfinalgegner Dominic Thiem ist selbst in blendender Form - und im Finale wartet bereits Novak Djokovic.

Vergangene Woche hat ihn noch keiner ernst genommen. Als Alexander Zverev nach seinem Auftaktmatch bei den Australian Open das verblüffende Versprechen abgab, er werde im Falle seines Turniersieges in Melbourne sein gesamtes Preisgeld für die Opfer der Buschfeuer spenden, war dies den australischen Zeitungen genau kein Wort wert. Zverev? Der gerade beim ATP Cup eine kleine Horrorshow geboten hatte? Pfff.

Ja, "kann man leicht sagen nach der ersten Runde, richtig?", gestand selbst Zverev mit einem Lächeln, nachdem er ins Halbfinale am Freitag (9:30 Uhr) gegen seinen Freund Dominic Thiem aus Österreich eingezogen war. Er hat ja selbst nicht erwartet, dass sein Versprechen ihn nochmal einholen würde, aber nun: Nehmen sie ihn ernst. Und er meint es ernst. Das "German Gun" (The Age) ist auf einmal in aller Munde.

Zverev hat sich die Aufmerksamkeit verdient. 4,12 Millionen Australische Dollar (ca. 2,55 Millionen Euro) sind eine gewaltige Summe - "auch für mich", hat er nun nochmal erklären müssen, und dann auch, warum er das Geld am Sonntag trotzdem hergeben würde: Seine Eltern hätten ihn so erzogen, er habe gelernt, dass "Geld die Welt verändern kann", und es gebe hier in Australien nun mal viele Menschen, die es wirklich nötiger hätten als er.

"Es es nur gut für unseren Sport, wenn neue Champions nachkommen"

Dass er nun vermehrt darüber reden muss, mag auch für Zverev überraschend kommen nach dem Desaster beim ATP Cup, mit drei Niederlagen in drei Matches und 31 Doppelfehlern in 31 Aufschlagspielen. "Aber ich hatte dort nicht nur mit meinem Aufschlag Probleme. Ich hatte Probleme mit allem: mit meiner Vorhand, mit meiner Rückhand, meinem Stopp, meinem Slice, meinem Return und dem Aufstehen am Morgen." Und nun? Mr. Hyde ist weg, Dr. Jekyll da.

"Dies ist ein Grand Slam. Hier solltest du dein bestes Tennis spielen, und das tue ich gerade", betont der 22 Jahre alte Hamburger. "Es ist beeindruckend, wie er bislang spielt in diesem Turnier, wie er sein Spiel aufbaut, wie er sein Spiel auf dieses Niveau gehoben hat", sagte Titelverteidiger und Rekordsieger Novak Djokovic (Serbien) nach seinem Sieg im ersten Halbfinale über einen angeschlagenen Roder Federer (Schweiz) über Zverev. Djokovic hat mit seinem möglichen Finalgegner beim ATP Cup trainiert, er weiß, wovon er spricht. Und er freut sich über die Entwicklung: "Es es nur gut für unseren Sport, wenn neue Champions nachkommen."

Doch erst mal muss Zverev ein nicht gerade einfaches Halbfinale überstehen. Bis zum grandiosen Sieg gegen Rafael Nadal (Spanien) flog auch Thiem unter dem Radar. Dass er im Halbfinale nun auf Zverev trifft, findet der 26 Jahre alte Weltranglistenfünfte "lustig": Es sei, bemerkte er amüsiert, "das erste Mal, dass ich in einem Grand-Slam-Halbfinale gegen einen jüngeren spielen muss." Thiem hat schon viermal in einem Halbfinale gestanden - seit 2016 bei den French Open in Paris, zweimal stand er im Finale, 2018 und 2019, beide Male unterlag er Nadal.

Auf die Partie mit Zverev freut sich der Österreicher: "Wir haben keine Geheimnisse voreinander. Wir haben eine nette Rivalität." Lässt sich leicht sagen, wenn man von acht Duellen sechs gewonnen hat. Thiem sagt auch, er freue sich für Zverev, dass dieser nun im Halbfinale stehe, "er hat seinen Durchbruch bei einem Grand Slam geschafft." Und in Australien kennen sie nun mindestens 4,12 Millionen Gründe, warum sie den Deutschen endlich ernst nehmen sollten.

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