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Schrecksekunde für Dreßen: "Kurz auf dem Oarsch g'hockt"

23.01.2020 14:03
Thomas Dreßen freut sich auf die Streif
© Eibner-Pressefoto via www.imago-images.de
Thomas Dreßen freut sich auf die Streif

Schrecksekunde für Thomas Dreßen beim zweiten Abfahrtstraining in Kitzbühel: Der Streif-Sieger von 2018 hatte bei der Testfahrt für den Klassiker am Samstag mit Materialproblemen zu kämpfen und verhinderte gleich zweimal einen möglichen Sturz.

In Kitzbühel herrschte "Kaiserwetter", doch Thomas Dreßen blickte äußerst finster drein. "Ich bin richtig sauer", sagte der 26-Jährige nach der letzten Testfahrt vor dem Super-G am Freitag und der Abfahrt am Samstag (jeweils 11:30 Uhr), und das war kein Wunder.

Es hatte nicht viel gefehlt, und Dreßen hätte sich in die Galerie der vielen "Opfer" der Streif eingereiht, nur unter Einsatz seines ganzen skifahrerischen Könnens verhinderte er beim zweiten Abfahrtstraining auf der berühmt-berüchtigten Piste einen schweren Sturz.

In der Karussellkurve sei er "kurz auf dem Oarsch g'hockt", sagte der Wahl-Österreicher, auch in der Ausfahrt Steilhang war es "ein Kampf, dass ich überhaupt auf der Strecke bleibe. Zum Glück weiß ich in der Situation, was ich technisch zu tun habe, dass ich es halbwegs im Griff habe." Im Ziel sei er "richtig sauer" gewesen. Dreßens Rückstand auf den Tagesbesten Johan Clarey aus Frankreich: 3,93 Sekunden; Platz 48.

"Ich bin schlecht gefahren und hatte keinen Grip, das ist keine gute Kombination", sagte der 26 Jahre alte Mittenwalder. Seinem Servicemann machte er keinen Vorwurf, als Ursache der Probleme vermutete er einen Stein, der seinen Siegerski von Lake Louise so sehr beschädigt habe, dass dieser "Schlangenlinien" fuhr: "Das ist das Worst-Case-Szenario, wenn du in Kitzbühel fährst und kriegst keinen Grip."

Noch größere Probleme hatte der österreichische Mitfavorit Vincent Kriechmayr, der bei seinem spektakulären Sturz an der Hausbergkante unverletzt blieb. Bester Deutscher war wie am Vortag Andreas Sander (+0,81) auf Rang fünf.

Dreßen kennt die Kitz-Nachwirkungen

Vor zwei Jahren raste der Mittenwalder am Hahnenkamm sensationell aus dem Nichts auf den Abfahrtsthron - verteidigen konnte er seinen Titel seither nicht. Wegen seiner schweren Knieverletzung stand Dreßen 2019 nur als Zuschauer "mit einem schlechten Gefühl" im Zielraum.

Jetzt, bei der Rückkehr, habe er sich "an das zurückerinnert, auf was es ankommt, was ich gut gemacht habe, was besser geht", sagte er, "wenn du es schon mal gewonnen hast, weißt du, was du da runter zu tun hast."

Zumindest, wenn die Latten an seinen Füßen mitspielen. "Wenn du der Chef über deine Ski bist, hast du's schon im Griff - bis zu einem gewissen Grad", sagte Dreßen. So war es vor zwei Jahren.

Seit diesem Triumph habe sich sein Leben "komplett" verändert. Der Ruhm habe ihm viele Türen geöffnet, aber er habe auch Schattenseiten. Früher habe er in seinem Wohnort Scharnstein in Oberösterreich unbehelligt mit seinem Hund spazieren gehen können, "mittlerweile werden Fotos gemacht, ob ich den Haufen von meinem Hund wegräume. Das ist kein Spaß."

Ein Kitzbühelsieger, das hat Dreßen lernen müssen, ist eine Person des öffentlichen Interesses. Ein Weltmeister hat irgendwann ein Ex vor seinem Titel stehen, wenn der Nächste die Goldmedaille um den Hals gehängt bekommt.

Kitzbühelsieger bleibt man ein Leben lang, wie Olympiasieger. Im Kino oder beim Essen mit der Freundin vermisst Dreßen hier und da die Privatsphäre. Da will er "nicht angesudert", also angebettelt werden.

Nach seiner Knieverletzung hat die Aufmerksamkeit für Dreßen nur kurz etwas nachgelassen, mit der spektakulären Rückkehr hat er sie wieder befeuert. Dass er so schnell wieder in die Weltspitze fahren würde, habe er nicht erwartet, sagte er.

Josef Ferstl (+1,96), im Vorjahr Super-G-Sieger auf der Streif, fand seine Fahrt auf Platz 22 "okay". Um seine anhaltenden Materialprobleme in den Griff zu bekommen, will der 31-Jährige, der im Ziel von seinen Kindern und Frau Vroni empfangen wurde, beim Super-G am Freitag seine Siegerski von 2019 fahren.

Als "Topfavorit" für Samstag machte Dreßen den Schweizer Beat Feuz aus. Der zweimalige Saisonsieger aus der Schweiz hat auf der Streif allerdings noch nicht gewonnen.

Dominik Paris (Italien), Triumphator von 2013, 2017 und 2019, fällt nach seinem Kreuzbandriss vom Dienstag aus. Dreßen betonte, er setze sich nicht den Sieg zum Ziel - "nur, dass ich g'scheit Skifahre".

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