Heute Live
Olympische Spiele
Olympische Spiele

Sechs Monate bis Tokio: Top vorbereitet, aber mit Sorgen

22.01.2020 12:59
Die Ringe sind bereits in Tokio angekommen
© Rodrigo Reyes Marin via www.imago-images.de
Die Ringe sind bereits in Tokio angekommen

Wenn Thomas Bach an Tokio denkt, gerät er ins Schwärmen. Noch nie habe er "eine Olympia-Stadt gesehen, die zu diesem Zeitpunkt so gut vorbereitet war" wie die Hauptstadt Japans, sagt der IOC-Präsident. Sechs Monate vor der Eröffnungsfeier der Sommerspiele der 32. Olympiade am 24. Juli hat die Millionenmetropole ihre Hausaufgaben erledigt, Baustellen gibt es fast nur noch im übertragenen Sinn.

Die Vorfreude auf die zweiten Olympischen Spiele in Tokio nach 1964 wird jedoch überschattet: Der russische Dopingskandal dürfte kaum bis zu den Wettbewerben aufgearbeitet sein, die Meinungsverschiedenheiten zwischen aufmüpfigen Athleten und Funktionären häufen sich - und die Hitze bereitet die größten Sorgen. Eine Bestandsaufnahme auf der Zielgeraden Richtung Olympia:

  • Der Dopingskandal:

Die Entscheidung über die Teilnahme einer russischen Mannschaft in Tokio liegt beim CAS. Der Internationale Sportgerichtshof mit Sitz in Lausanne, so wünscht es sich nicht nur Thomas Bach, soll das Urteil "schnell" fällen und "keinerlei Spielraum für Interpretationen lassen". Vor Mai dürfte das allerdings nicht passieren und so droht den Spielen von Tokio das gleiche Schicksal der Spiele von Rio: 2016 zog sich die Hängepartie bis nach der Eröffnungsfeier.

Am 9. Dezember hatte die Welt-Anti-Doping-Agentur WADA Russland wegen manipulierter Daten aus dem Moskauer Kontrolllabor für vier Jahre gesperrt. Sollte der CAS die Sperre bestätigen, darf das Riesenreich als Nation nicht an den Olympischen Spielen in Tokio teilnehmen, russische Sportler können allerdings als "neutrale Athleten" starten, wenn sie nachgewiesen haben, dass sie nicht Teil des Dopingsystems waren.

  • Die Hitze:

Athleten und Besucher müssen sich während der Spiele in Tokio auf extreme Hitze von bis zu 40 Grad und hohe Luftfeuchtigkeit gefasst machen. Führende Mediziner des Landes warnen vor Gefahren und verweisen darauf, dass die ersten Spiele 1964 extra deshalb in den Herbst verlegt worden waren. "Der heiße Sommer in Tokio ist nicht für Outdoor-Sportarten geeignet", erklärte Kimiyuki Nagashima, Vorstandsmitglied des japanischen Mediziner-Verbandes.

Nach den verheerenden TV-Bildern von der Leichtathletik-WM 2019 in Katar mit taumelnden Athleten reagierte das IOC und verlegte die Geher- und Marathonwettbewerbe 800 Kilometer nach Norden ins kühlere Sapporo. Zudem wurden Startzeiten etwa im Triathlon und im Vielseitigkeitsreiten vorverlegt.

Tokios Gouverneurin Yuriko Koike reagierte erbost, wollte sich ihre Stadt doch mit den TV-Bildern vom Marathon und Gehen der Welt im neuen Glanze präsentieren.

  • Die Athleten:

Die Top-Athleten begehren weltweit auf, fordern von der olympischen Familie mehr Mitbestimmung und wollen finanziell stärker an den Milliarden-Umsätzen des IOC beteiligt werden. Hier gilt vor allem der Verein Athleten Deutschland als Vorreiter, der sich als hartnäckige Opposition zu den IOC-Oberen positioniert hat und international anderen Athletenvereinigungen als Vorbild dient.

Beim Werberecht hat der Verein Lockerungen schon durchgesetzt, auch die neuen Richtlinien des IOC zur Regel 50 der Olympischen Charta bezüglich des Verbots von politischen Protesten während der Spiele stieß auf Kritik. Der Verweis des IOC auf die Wahrung der politischen Neutralität des Sports reiche nicht aus, "um ein Verbot von politischen Protesten zu rechtfertigen", argumentierte der Verein Athleten Deutschland.