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"Der beste Golfer aller Zeiten"

Ein Bad Boy, der keiner war: Golf-Legende Nicklaus wird 80

21.01.2020 08:15
Jack Nicklaus ist der erfolgreichste Golfer der Geschichte
© Paul Hennessy via www.imago-images.de
Jack Nicklaus ist der erfolgreichste Golfer der Geschichte

Jack Nicklaus wird am Dienstag 80: Mit 18 Major-Triumphen ist der "Golden Bear" im Golfsport unerreicht. Einschüchterung war sein Erfolgsrezept, Nicklaus liebte dieses Psychospiel.

Nein! Jack Nicklaus war auf dem Golfplatz kein Bösewicht, kein bad boy. Jack Nicklaus hatte Respekt vor seinen Konkurrenten, er benahm sich - und wurde geliebt. Was sich aber auf dem Fairway in seinem Inneren abspielte, war eine andere Geschichte.

Ging es um den Sieg, schüchterte Nicklaus ein, verbreitete Angst. "Ich habe das gewusst und geliebt", sagt er. Und hatte Erfolg. 18 Major-Triumphe holte der "Golden Bear", keiner gewann mehr. Am Dienstag wird die Golf-Legende 80.

Selbst Tiger Woods, der Nicklaus mit 15 Siegen bei den vier großen Turnieren eines Jahres am nächsten kommt, verneigt sich vor dem großen Jack. "Er ist der beste Golfer aller Zeiten und eine der größten Persönlichkeiten", schwärmt Woods.

Nicklaus war einer ohne Fehl und Tadel. Ein Vorzeige-Amerikaner. Sportlich top, privat ohne Skandale. Mit seiner Ehefrau Barbara ist er fast 60 Jahre verheiratet. "Sie", betont er, "ist das wertvollste Geschenk meines Lebens". Fünf Kinder hat das Paar und mehr als 20 Enkelkinder.

Eiskalt im Kampf mit den Rivalen

Alles richtig gemacht also. Vor allem auf dem Platz. Da war Jack Nicklaus wie ein Bluthund. Wenn er den Erfolg witterte, biss er zu. Die Rivalen spürten ihn im Nacken. J.C. Snead, Neffe des legendären Sam Snead und selbst zweimal Zweiter bei Majors, schildert es so: "Wenn du gegen ihn um den Sieg gespielt hast, wusste er genau, dass er dich schlagen wird. Du wusstest auch selbst, dass er dich schlagen wird. Und er wusste, dass Du es weißt."

Noch lange nach seiner Karriere freute sich Nicklaus diebisch über diese Psychospielchen. "Ja, ich war mir darüber im Klaren und habe es genossen. Ich wusste, wenn ich jetzt keinen dummen Fehler mache, werde ich wahrscheinlich wieder gewinnen", sagte er. 115 Turniererfolge hatte er am Ende auf seinem Konto.

Der letzte Sieg auf der US-Tour war noch einmal ein Glanzlicht. Im Alter von 46 Jahren holte sich Nicklaus in Augusta seinen sechsten Titel und ist seitdem ältester Masters-Champion der Geschichte.

Anfangs ein Exot unter Athleten

Dabei fiel er zu Beginn seiner Laufbahn vor allem durch sein Äußeres auf. Der Kugelblitz, ein Gegenpol zum athletischen Arnold Palmer und zum drahtigen Gary Player, wurde anfänglich respektlos "Fat Jack" (dicker Jack) gerufen.

Nicklaus vernahm es und fragte seinen Arzt. "Er meinte, ich solle mir keine Sorgen machen. Wenn ich irgendwann nach einem Turnier müde sein sollte, dann wäre der Zeitpunkt gekommen abzunehmen."

Das geschah 1969 nach dem Ryder Cup in Großbritannien. "Da habe ich Barbara im Flugzeug gesagt, dass ich zum ersten Mal erschöpft bin und nach unserer Heimkehr eine Diät mache." Gewicht ging verloren, der Erfolg blieb. Stolz macht ihn "meine lange Karriere und meine Fähigkeit, mich über die ganze Zeit anzupassen".

Für die Mehrheit ist Jack Nicklaus das Beste, was der Golfsport hervorgebracht hat. Eigentlich glaubt er es auch. Nur weigert er sich, es auszusprechen. Nicklaus drückt es auf seine Art aus: "Ich glaube es so sehr, wie es jemand glauben kann, ohne es zu sagen. Ich glaube, ich werde es wohl nie sagen können." Ganz Gentleman eben.

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