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"Wie ein 140 kg schwerer Dreispringer"

Zion vor NBA-Debüt: Der Einmalige unter den Auserwählten

20.01.2020 09:50
Zion Williamson wird in dieser Woche sein NBA-Debüt geben
© Jevone Moore/Icon Sportswire via www.imago-images.
Zion Williamson wird in dieser Woche sein NBA-Debüt geben

Mit einem halben Jahr Verspätung wird Rookie Zion Williamson in dieser Woche sein lang ersehntes NBA-Debüt geben. Viele sagen dem Supertalent eine goldene Zukunft voraus. Ausgerechnet Zions größte Stärke könnte seine Karriere jedoch folgenschwer beeinflussen.

Die reguläre Saison der NBA ist mit ihrem auf 1230 Spiele aufgeblähten Terminkalender selbst für eingefleischte Fans eine zähe Angelegenheit. Dass trotzdem Tag für Tag viele Millionen Zuschauer einschalten, hat die beste Basketballliga der Welt ihren Stars zu verdanken.

Spektakuläre Dunkings von LeBron James, No-Look-Pässe von Luka Doncic und die 40-, 50-, manchmal gar 60-Punkte-Spiele von James Harden sorgen täglich für millionenfach geklickte Highlightclips auf Youtube, Instagram und Twitter.

Mit Rookie Zion Williamson betritt nun im Trikot der New Orleans Pelicans ein neuer Star die große Basketballbühne. Ein Star, der auffallend anders ist als alle seine Vorgänger.

"Macht Dinge, die niemand sonst macht"

Der Hype um den jungen Forward erreicht selbst für NBA-Verhältnisse außergewöhnliche Dimensionen. Mit knapp 4,5 Millionen Followern auf Instagram, einem mit 75 Mio. US-Dollar dotierten Ausrüstervertrag und zahlreichen Sponsoren-Deals mit den größten Firmen der Welt (Gatorade, Panini, NBA2K, etc.) ist Zion Williamson schon vor seinem ersten NBA-Spiel zu einer eigenen Marke geworden.

Wenige zweifeln daran, dass der Teenager auch der besten Basketballliga der Welt seinen Stempel aufdrücken wird. Mit seinen 1,98 m und 129 kg (!) bringt Williamson einmalige körperliche Voraussetzungen mit. "Aus physischer Sicht macht er Dinge, die niemand sonst macht", schwärmt Pelicans-GM David Griffin gegenüber "ESPN" von den Fähigkeiten seines Schützlings.

Das Besondere an Williamson: Obwohl der 19-Jährige dieses enorme Gewicht auf die Waage bringt, wird er zu den schnellsten und sprunggewaltigsten Spielern der Liga zählen. "Für einen großen Spieler ist er nicht schnell. Er ist sogar für einen schnellen Spieler schnell", sagt Griffin.

Zion setzt neue Maßstäbe: "140 kg schwerer Dreispringer"

Schon 2017 staunten die Sport-Wissenschaftler des renommierten "Peak Performance Projects" (P3) über diese "Laune der Natur" (Griffin). Sie untersuchten damals die Sprungkraft von Zion, der aus dem Stand 33 Inches (knapp 84 Zentimeter) hoch sprang und damit einen der besten je gemessenen Werte erreichte. Dabei war der Teenager aber über 30 kg schwerer als die anderen Probanden. 

"Niemand mit seiner Statur kommt so hoch", sagt der Projektleiter Eric Leidersdorf noch heute. P3-Gründer Marcus Elliot erklärt gar: "Zion hat die größte Kraft, die wir je bei einem Athleten gemessen haben - und da war er noch in der High School."

Der Vergleich mit anderen Top-Athleten verbietet sich tatsächlich, denn Williamson ist schlicht einzigartig. "Er ist ein 140 kg schwerer Dreispringer. Es ist verrückt", sagt mit Griffin jemand, der außergewöhnliche Spieler wie Shaquille O'Neal, Charles Barkley oder LeBron James hautnah erlebte.

Wie lange spielt der Körper mit?

Doch wie so oft gibt es auch bei Zion Williamson die Kehrseite der Medaille. Niemand weiß, wie sein Körper die Belastung auffängt, die entsteht, wenn rund 130 kg mehrmals pro Minute abspringen und wieder landen.

Ein erstes Warnsignal gab es bereits Anfang 2019, als Williamson seinen Schuh während eines Spiels regelrecht zerfetzte und sich verletzte. In der Vorbereitung auf die aktuelle NBA-Saison folgte der nächste Rückschlag. Williamson verdrehte sich das Knie und zog sich eine vergleichsweise leichte Blessur zu. Trotzdem zögerten die Pelicans das Debüt ihres neuen Superstars bis in den Januar hinaus. 

Der Klub arbeitete mit Williamson in den letzten Monaten an seinem Gang, stellte seine ganze Bewegungsmechanik auf den Prüfstand. Die verantwortlichen Sportmediziner wussten: Nur wenn bei dieser "Hochleistungsmaschine" ein Rädchen perfekt ins andere greift, bleibt sie von schweren, Karriere gefährdenden Verletzungen verschont. Ob die Maßnahmen fruchten weiß niemand.

Williamson als Jackpot für die Pelicans

Der Risiken waren sich die New Orleans Pelicans schon vor dem Draft bewusst. Trotzdem zogen sie Zion Williamson an Position eins. Weil der Youngster das Risiko wert ist.

Obwohl die "Pels" noch kein einziges Spiel mit Williamson bestritten haben, hat sich die Verpflichtung des 19-Jährigen für den Klub schon ausgezahlt. Zwar gehört die Franchise zu den so genannten "Small Market Teams" ohne große Fan-Basis, trotzdem sicherte die NBA den Pelicans 20 Spiele zu, die landesweit übertragen werden. Ohne Zion wären es höchstens die Hälfte gewesen.

Allein seit Oktober 2019 generierte der Rookie laut Google-Trends mehr Suchanfragen als die Superstars Giannis Antetokounmpo und Luka Doncic – und selbstverständlich mehr als die gesamte Pelicans-Mannschaft zusammen. Dank Zion ist eine "unbedeutende" Franchise plötzlich für einen Großteil der Basketballfans interessant geworden. Ein Segen für den Klub.

Die Anziehungskraft des neuen Superstars geht weit über die Grenzen Louisianas hinaus. Schon jetzt reißen sich die Fans der anderen Mannschaften um die Eintrittskarten für das Gastspiel der Pelicans in ihrer Stadt. Niemand will die Chance verpassen, das Naturphänomen aus nächster Nähe zu begutachten. Sie tun gut daran, sich zu beeilen, denn das Abenteuer NBA könnte für Zion Williamson im schlimmsten Fall viel zu früh vorbei sein.

Christian Schenzel

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