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Der Kleinste ist der Größte: Kastening wie Speedy Gonzales

17.01.2020 11:23
Timo Kastening spielt sein erstes großes Turnier
© Marco Wolf via www.imago-images.de
Timo Kastening spielt sein erstes großes Turnier

Der Kleinste war gegen Weißrussland der Größte: Timo Kastening ist der Senkrechtstarter im deutschen Team. Der Rechtsaußen wird gern übersehen, "klaut" gern - und liebt Kaffee.

Timo Kastening belohnte sich für den Gala-Auftritt gegen Weißrussland auf seine Weise. Die Uhr ging schon streng auf Mitternacht zu, da gönnte sich der Shootingstar der deutschen Handballer seinen geliebten Doppio Espresso. Denn "Kaffee", sagte Kastening mit einem verschmitzten Lächeln, "geht immer".

Doch am Donnerstagabend dauerte es länger als gewöhnlich, bis der EM-Debütant zu seinem geliebten Heißgetränk kam. Nach dem deutschen 31:23-Erfolg zum Hauptrundenauftakt war der pfeilschnelle Rechtsaußen in den Katakomben der Wiener Stadthalle der gefragteste Mann. Sechs freche Tore bei sechs Versuchen und eine richtig kernige Vorstellung schürten selbst bei der internationalen Presse das Interesse.

"Das war ein perfekter Tag", sagte Kastening mit leuchtenden Augen: "Ich freue mich, dass ich Spielzeit bekomme und die auch nutzen kann. Es macht super Spaß, hier zu sein, ich versuche das alles aufzusaugen." So wieselflink und gedankenschnell er zuvor auf dem Spielfeld agiert hatte, so unaufgeregt und unverstellt beantwortete er die vielen Fragen in der Mixed Zone.

"Das ist eine tolle Geschichte. Es ist das erste Turnier für ihn, und man merkt es gar nicht. Nervosität ist da Fehlanzeige", sagte Bundestrainer Christian Prokop. Mit seinen blitzschnellen Tempogegenstößen erinnert Kastening an Speedy Gonzales, am Donnerstagabend begeisterte er wieder Millionen TV-Zuschauer. Reihenweise stibitzte Kastening den Weißrussen die Bälle und versenkte sie anschließend sicher.

Großes Lob von Kapitän Gensheimer

Selbst für Kapitän Uwe Gensheimer ist der mit einer Körpergröße von 1,80 m kleinste Spieler im DHB-Team ein Phänomen. "Der Timo schleicht sich da unten immer von 1,50 m irgendwo raus und klaut dann den Ball. Der macht es überragend", sagte Gensheimer und lachte.

Kastening wird gern übersehen - davon kann auch Coach Prokop ein Lied singen. In einer Auszeit des ersten EM-Spiels gegen die Niederlande (34:23) hatte er vor laufenden Kameras nach Kastenings Namen gefragt, sein "Wie heißt du?" sorgte für viele Lacher und ist im Internet inzwischen Kult.

Kastening hat sich bei der EM wortwörtlich einen Namen gemacht, seine starken EM-Darbietungen kommen nicht von ungefähr. Der Rechtsaußen der TSV Hannover-Burgdorf (10 Länderspiele, 31 Tore) bereitet sich akribisch auf die Spiele vor, trägt am Handgelenk einen Tape-Verband, auf dem er sich vor den Partien die Spielzüge des Gegners notiert, um besser Bälle klauen zu können.

Kastening will "erstmal schön auf dem Teppich bleiben"

Kastening erlebt in diesen Tagen sein persönliches EM-Märchen. Für einige überraschend statt des Nationalmannschafts-Dauerbrenners Patrick Groetzki nominiert, ist der Team-Neuling vor dem Kroatien-Showdown am Samstag (20.30 Uhr/ZDF) nicht mehr wegzudenken. "Respekt vor Timo. Er ist ein bisschen verrückt, aber er tut uns allen gut", sagte Rückraumspieler Julius Kühn.

Im Hauptrundenspielort Wien fühlt sich Koffein-Junkie Kastening pudelwohl. "Den guten Kaffee gibt es gefühlt hier überall", sagte der 24-Jährige. Die ausgeprägte Vorliebe für Koffein kommt nicht von ungefähr. "Da ich auf unseren Auswärtsfahrten immer viel mit unseren Kroaten und Slowenen abhänge, nehme ich meistens einen Doppio Espresso", erzählt Kastening: "Dazu eine kalte Cola, null-zwei aus der Glasflasche. Herrlich."

Ob es am Samstag die nächste Kastening-Show zu sehen gibt? "Ich hätte nichts dagegen", sagte er, "aber erstmal schön auf dem Teppich bleiben".

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