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Deutschland mit klarer Leistungssteigerung in Wien

Befreiungsschlag!? DHB-Team fegt Weißrussen von der Platte

16.01.2020 22:02
Timo Kastening war am Donnerstagabend mit sechs Treffern Spieler des Spiels
© 54 / Felix Koenig via www.imago-images.de
Timo Kastening war am Donnerstagabend mit sechs Treffern Spieler des Spiels

Bundestrainer Christian Prokop lächelte und schnaufte sichtbar erleichtert durch, seine Spieler feierten ihren Befreiuungsschlag singend und hüpfend gemeinsam mit den vielen deutschen Fans auf der Tribüne der Wiener Stadthalle: Die deutschen Handballer haben ihren großen Worten beeindruckende Taten folgen lassen und ihren Traum vom EM-Halbfinale am Leben erhalten.

Das 31:23 (18:11) zum Hauptrundenstart gegen Weißrussland war der dringend benötigte Sieg im ersten von vier "Endspielen" auf dem Weg in die Medaillenrunde. Beste Werfer waren Rechtsaußen Timo Kastening (6 Tore), Rückraum-Shooter Julius Kühn (4) und Philipp Weber (4).

"Ich bin komplett zufrieden, das war eine deutliche Leistungssteigerung in allen Mannschaftsteilen", sagte Prokop bei der "ARD": "Die Jungs haben das fantastisch gelöst." Kühn bedankte sich bei den Zuschauern: "Sie haben eine Höllenstimmung gemacht und uns geholfen, die Emotionen auf die Platte zu bringen." Der zuletzt so glücklose Wolff gab zu, dass er nach seinen Leistungen in Trondheim "an der Ehre gepackt" war: "Das war nicht das, was wir von unseren Torhütern erwarten dürfen."

Wieselflinker Kastening überzeugt rechtsaußen

Auf der rechten Außenbahn setzte sich gegen Weißrussland der Kleinste ganz groß in Szene. Wie ein Windhund jagte Timo Kastening das Spielfeld rauf und runter, viel zu schnell für seine behäbigen Gegenspieler, fast nach Belieben traf der wieselflinke Blondschopf ins weißrussische Tor. Völlig verdient wurde er zum "Man of the Match", zu besten Spieler der Partie, gewählt. In der Kabine wollte Mannschafts-DJ Kastening zur Feier des Tages "auf jeden Fall ein Ballermann-Lied" auflegen.

Die nächste Hürde ist am Samstag Ex-Weltmeister Kroatien, und dessen Superstar Domagoj Duvnjak in Diensten des THW Kiel weiß sehr genau, was ihn und seine Mannschaft erwartet. "Deutschland wird ein sehr schweres Spiel für uns. Sie haben eine überragende Mannschaft - eine Weltklassemannschaft. Es kann alles passieren."

Mehr dazu: Deutschlands überzeugender Sieg gegen Weißrussland zum Nachlesen im Live-Ticker

Verlieren verboten - so lautete das Motto der deutschen Mannschaft vor der Partie gegen Weißrussland. Mit einer Niederlage wäre der Rückstand auf einen der ersten beiden Tabellenplätze in der Gruppe 1 wohl schon aussichtslos geworden, das galt es unbedingt zu vermeiden. Die Partie war deshalb eine Art Schicksalsspiel für Bundestrainer Christian Prokop und sein Team.

Und die Spieler lieferten, die 5.500 Zuschauer in der Wiener Stadthalle rieben sich verwundert die Augen. Fast alles klappte im Spiel dieser deutschen Mannschaft, die sich mehr schlecht als recht durch die Vorrunde gequält und die zweite Turnierphase nur mit viel Mühe erreicht hatte. "Wir wissen alle, dass wir mehr können", hatte Kapitän Uwe Gensheimer im Vorfeld versichert: "Wir haben ja nicht verlernt, Handball zu spielen."

Das bestätigte die deutsche Mannschaft gegen offensichtlich ein wenig überraschte Weißrussen auf eindrucksvolle Art und Weise. Aus einer sicheren Abwehr heraus, hinter der ein zuletzt viel gescholtener Andreas Wolff den Gegnern fast Angst einzuflößen schien, ergaben sich sichere und kompakte Kombinationen im Angriff und gelungene Kombinationen. Mitte der zweiten Halbzeit schlichen sich dann aber auch wieder einige Unkonzentriertheiten ein, die es gegen Kroatien unbedingt abzustellen gilt.

Die deutsche Abwehr hält

Deutschland behielt aber dann auch den Überblick, als die Weißrussen kurz nach der Pause besser ins Spiel kamen und den Rückstand auf fünf Treffer verkürzten: Julius Kühn, Patrick Zieker und Timo Kastening bauten den Vorsprung mit drei Toren innerhalb von 90 Sekunden wieder auf 22:14 aus. Fast keine Rolle spielte der ansonsten so gefährliche weißrussische Kreisläufer Artsem Karasek, den die deutsche Abwehr mit Patrick Wiencek und Hendrik Pekeler, später mit dem Innenblock Paul Drux und Johannes Golla sicher im Griff hatte.

"Die Abwehr steht und wir haben gefühlt so viele Gegenstoßtore gemacht wie in der gesamten Vorrunde. Dann ist Handball sehr einfach", sagte DHB-Vizepräsident Bob Hanning während der Halbzeit in der "ARD". Tatsächlich dürften sich die Weißrussen, die als eines der offensivstärksten EM-Teams in die zweite Turnierphase gegangen waren, permanent unter Stress gefühlt haben. Auch nach der Pause wurden sie bei fast jeder Aktion von einem deutschen Spieler genervt. Auch Bundestrainer Prokop ruderte an der Seitenlinie immer wieder mit den Armen und fieberte bei jeder Aktion wie gewohnt mit.

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