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Biathlon-Frauen im Tief: "Es klafft eine Lücke"

16.01.2020 13:10
Denise Herrmann ist zur Zeit die beste deutsche Biathletin
© FrankHoermann/SVEN SIMON via www.imago-images.de
Denise Herrmann ist zur Zeit die beste deutsche Biathletin

Die deutschen Biathletinnen kommen vier Wochen vor der WM nicht richtig in die Gänge. Erst drei Läuferinnen haben die Norm erfüllt - es wird eng.

Laura Dahlmeier brachte es auf den Punkt. "Wenn man bei der WM eine Medaille gewinnen will, darf die WM-Norm keine Hürde sein", sagte die "ZDF"-Expertin beim Biathlon-Weltcup in Ruhpolding. Für viele deutsche Biathletinnen ist im Jahr eins nach Dahlmeier aber schon diese Hürde zu hoch.

Einen Monat vor der WM in Antholz (13. bis 23. Februar) haben gerade einmal drei (!) DSV-Läuferinnen die Kriterien erfüllt. Aktuell könnte der erfolgsverwöhnte Deutsche Skiverband (DSV) beim Saisonhöhepunkt nicht einmal eine Staffel stellen. Die eingeplante Medaille ist angesichts der Probleme derzeit wenig realistisch.

"Wir müssen in Richtung WM noch aufholen und einen Schritt nach vorne machen", räumte Disziplintrainer Kristian Mehringer am Donnerstag ein. Noch hält der DSV an der Norm fest, "aber natürlich machen wir uns Gedanken, wen wir aufstellen", sagte Mehringer mit Blick auf die WM-Staffel. Nach dem Weltcup in Pokljuka (23. bis 26. Januar) werde man festlegen, "wen wir für die WM vorschlagen. Dann muss die DSV-Führung entscheiden."

Es wird einige Härtefälle geben. Bisher sind nur Denise Herrmann, Vanessa Hinz und Franziska Preuß für Antholz qualifiziert. Die bislang im Weltcup eingesetzten Maren Hammerschmidt, Karolin Horchler, die am Freitag in Ruhpolding in der Staffel laufen wird, Janina Hettich, Anna Weidel, Franziska Hildebrand und Marion Deigentesch sind von der geforderten Top-8-Platzierung oder von zwei Top-15-Plätzen meilenweit entfernt.

Herrmann muss sich im Schießen noch steigern

Für das Trainerteam ein Dilemma - und die Zeit wird knapp. Bis zur WM findet in Ruhpolding am Sonntag nur noch der Verfolger sowie bei der Generalprobe in Pokljuka das Einzelrennen und der Massenstart statt. Und für das Rennen der besten Athletinnen im Weltcup sind Hammerschmidt und Co. nicht qualifiziert.

Es gebe derzeit nur "zwei, drei Läuferinnen, die vorne reinlaufen können. Dahinter klafft eine Lücke", betont Dahlmeier. Dass Bernd Eisenbichler, Sportlicher Leiter der deutschen Biathleten, vor der Saison den Anspruch formuliert hatte, "eine Führungsnation zu sein", findet die ehemalige Biathlon-Königin grundsätzlich gut. Aber, so Dahlmeier, "eine Führungsnation sind wir nicht wirklich".

Zumal auch die Arrivierten schwächeln. Herrmann, die nach Dahlmeiers Rücktritt die neue Frontfrau werden sollte, ist in ihren Schießleistungen nicht konstant genug. In Oberhof hatte sie als Zweite im Sprint noch für die bisher einzige Podestplatzierung des Winters gesorgt, in Ruhpolding wurde sie über 7,5 km nur enttäuschende 19.

Hinz freute sich am Mittwoch zwar über Rang acht. Doch trotz einer fehlerfreien Leistung reichte es für sie läuferisch nicht nach ganz oben. Preuß ist gesundheitlich zu anfällig.

Man werde weiter daran arbeiten, betonte Mehringer, "dass wir ums Podium mitlaufen. Bei jedem ist eine kleine Steigerung drin." Der Druck ist hoch.

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