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"Voll fokussiert": Digital-Abstinenzler Prokop im Tunnel

15.01.2020 12:53
Christian Prokop hat mit dem DHB-Team noch einiges vor
© Simon Hofmann, getty
Christian Prokop hat mit dem DHB-Team noch einiges vor

Christian Prokop erlebt momentan sein drittes großes Turnier als Bundestrainer. Die bevorstehende EM-Hauptrunde ist auch für ihn eine Art Reifeprüfung.

Christian Prokop befindet sich vor der EM-Hauptrunde im Tunnel. Kein Instagram, kein Facebook, keine Ablenkung von außen - den sozialen Netzwerken hat der Bundestrainer der deutschen Handballer seit geraumer Zeit abgeschworen.

"Bei der EM 2018 war das anders und da hat es mich interessiert, was da so im Internet los ist", sagte Prokop kürzlich in einem Interview: "Ein Lob liest jeder gerne, die Kritik wollte ich verfolgen. Aber am Ende konnte ich mich davon nicht freimachen."

Die digitale Abstinenz des DHB-Coaches ist momentan sicherlich nicht von Nachteil. Denn nach der schwachen Vorrunde des deutschen Teams mehren sich wieder die kritische Stimmen. An einzelnen Spielern, an ganzen Mannschaftsteilen - und am Trainer.

"Man sieht, dass wir Defizite haben, und diese sind nicht unerklärbar", sagte Prokop vor der am Donnerstag (20:30 Uhr) gegen Weißrussland beginnenden Hauptrunde: "Wir haben einige Absagen und müssen im Angriff unter Stresssituationen neue Lösungen finden, neue Leute in Verantwortung bringen."

Prokop, der beim DHB noch einen Vertrag bis 2022 besitzt, hat Recht mit seiner Einschätzung der Lage, und doch wird in der Szene längst auch wieder über ihn debattiert. Seine Auswechslungen und seine Ansprache während der Spiele werden kritisch beäugt. Über den Fauxpas im Auftaktspiel, als Prokop in einer Auszeit im Eifer des Gefechts den Vornamen seines Rechtsaußen Timo Kastening ("Wie heißt du?") vergaß, konnte beileibe nicht jeder schmunzeln.

DHB-Vize Hanning glaubt an das Team

"Ich erlebe ihn konzentriert und voll fokussiert", sagte DHB-Vizepräsident Bob Hanning dem "SID" am Mittwoch: "Er ist zuversichtlich und glaubt an das Team." Ob mit dem Beginn der Hauptrunde auch der Druck für Prokop steige? "Das hat nichts mit dem Trainer zu tun, wir müssen als Mannschaft gewinnen und für Deutschland erfolgreich sein", sagte Hanning.

Prokops Stand als Bundestrainer ist seit jeher kein leichter. Selbst die rauschhafte Heim-WM mit Platz vier vor einem Jahr konnte die Erinnerungen an sein Premierenturnier 2018 in Kroatien nicht gänzlich verwischen. Jene EM vor zwei Jahren, als Prokop nach einer wenig überzeugenden ersten Turnierphase heftiger Gegenwind entgegenbließ. Drei Hauptrundenspiele später hing Prokops Zukunft beim Deutschen Handballbund (DHB) nach Platz neun wochenlang am seidenen Faden. Erst eine Kampfabstimmung in der Verbandsspitze sicherte dem gebürtigen Köthener letztlich den Job.

Fakt ist: Mit Beginn der Hauptrunde wird auch Prokop wieder mehr in den Fokus rücken. Aller Verletzungen und sonstiger Widrigkeiten zum Trotz wird der Erfolg des 41-Jährigen am Ende am Ergebnis gemessen werden. Auch und gerade von der Verbandsspitze.

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