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Frankfurts Form, Personal, Transfers und Co.

Eintracht im Check: Aufholjagd oder Abstiegskampf?

14.01.2020 16:12
Adi Hütter will mit Eintracht Frankfurt das Feld von hinten aufrollen
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Adi Hütter will mit Eintracht Frankfurt das Feld von hinten aufrollen

Obwohl Eintracht Frankfurt im Sommer den Verlust zahlreicher Leistungsträger kompensieren musste, legten die Hessen einen guten Saisonstart hin. Doch nach dem fulminanten 5:1-Sieg gegen den FC Bayern war plötzlich der Wurm drin. Am Ende der Hinrunde trennten die abgestürzten Adler nur noch drei Zähler vom Relegationsplatz. Entsprechend groß ist der Druck für Trainer Adi Hütter. Gibt's Hoffnung auf baldige Besserung? sport.de macht den Rückrunden-Check.

Eintracht Frankfurt im Rückrundencheck: Testspiele/Form

Im sonnigen Florida fand das diesjährige Winter-Trainingslager der Eintracht statt. In den USA wollten die Frankfurter zu sich selbst zurückfinden. Laut SGE-Coach Hütter befindet sich die Mannschaft dabei auf einem guten Weg.

"Ein ganz neues Gesicht konnte man bis jetzt noch nicht sehen, trotz allem habe ich bislang ein paar gute Ansätze gesehen. Wir wollten ein bisschen was auffrischen, was Spielanlage und Grundordnung betrifft - und was das angeht, bin ich zufrieden", so der Österreicher.

Was er meint: In der Rückrunde will Hütter vermehrt auf eine Viererkette setzen. Das im vergangenen Kalenderjahr so erfolgreiche 3-5-2-System koste seine Spieler zu viel Energie und mache die Eintracht zu anfällig in der Defensive, sagte der 49-Jährige dem "kicker": "Und wenn du mit 60, 70 Prozent anläufst und attackierst, spielt dich jede Mannschaft aus."

Im einzigen Test gegen Hertha BSC (1:2) präsentierten sich Adler ordentlich - nicht mehr, aber auch nicht weniger. So bleibt die wahre Form des Teams ein Mysterium.

Eintracht Frankfurt im Rückrundencheck: Personal

Getrübt wurde das Florida-Fazit durch die Verletzungen von Daichi Kamada (Bänderriss im Sprunggelenk) und Gelson Fernandes (Sehnenriss im Hüftbeuger).

"Das sind Spieler, die nicht wenig, sondern viel gespielt haben. Da müssen wir uns Gedanken machen", monierte Hütter, der aktuell auf ein halbes Dutzend Profis verzichten muss.

Immerhin ist Keeper Kevin Trapp nach seiner Schulterverletzung zurück im Training. Auch der immer wieder angeschlagene Bas Dost ist endlich beschwerdefrei - und angriffslustig.

"Es geht jetzt für mich los. Ich habe jetzt keine Ausrede mehr. Ich bin fit und ich werde jetzt liefern", kündigte der Niederländer an.

Eintracht Frankfurt im Rückrundencheck: Transfers

Eigentlich hätte Sportvorstand Fredi Bobic gerne auf Wintertransfers verzichtet, doch die Verletzungsmisere lässt dem Ex-Profi wohl keine andere Wahl, als nochmal auf dem Spielermarkt zuzuschlagen.

Bislang hat sich im aufgeblähten SGE-Kader wenig getan. Einzig Verteidiger Simon Falette, der von Hütter zuletzt ohnehin nicht mehr berücksichtigt wurde, verließ den Verein Richtung Türkei. Für den Sommer wurde zudem der Wechsel des deutschen U21-Nationalstürmers Ragnar Ache festgezurrt.

Um der Dreifachbelastung auch 2020 gerecht zu werden, benötigt das Team jedoch Soforthilfen. In nahezu allen Mannschaftsteilen drückt der Schuh.


Mehr dazu: Hütter über Neuzugänge: "Behalten den Markt immer im Auge"


In der Gerüchteküche machen prominente Namen die Runde: Für die Innenverteidigung werden Daniele Rugani (Juventus Turin) und Ex-Adler Jesús Vallejo (Real Madrid, derzeit verliehen an die Wolverhampton Wanderers) gehandelt, im Sturm ist Ligue-2-Torjäger Tino Kadewere (AC Le Havre) angeblich ein Thema. Spekulationen um eine Rückkehr von Ante Rebic schob Bobic einen Riegel vor.

Unterdessen könnte Angreifer André Silva den Klub nach nicht einmal sechs Monaten bereits wieder verlassen. Der selten überzeugende Portugiese ist beim englischen Erstligisten Tottenham Hotspur als Ersatz für den verletzten Harry Kane im Gespräch.

Eintracht Frankfurt im Rückrundencheck: Das macht Sorgen

Nach sieben Niederlagen aus den letzten neun Pflichtspielen steht die Eintracht nur noch drei Punkte vor dem Relegationsplatz. "Wir haben in den letzten Monaten viel Kredit verspielt", gestand Trainer Hütter.

Hoffnung auf schnelle Besserung macht der Spielplan allerdings nicht: Zum Rückrundenauftakt muss Frankfurt erst auswärts in Hoffenheim ran, ehe Tabellenführer RB Leipzig in der Commerzbank-Arena zu Gast ist.

Das prall gefüllte Lazarett der SGE ist eine zusätzliche Hypothek. Wichtige Akteure fehlen, Hütter muss improvisieren. Ob ihm das im neuen Jahr besser gelingt als im Horror-Monat Dezember, als das Team von Spiel zu Spiel konfuser wirkte, werden die kommenden Wochen zeigen.

Eintracht Frankfurt im Rückrundencheck: Das macht Hoffnung

Trotz der Verletzungsmisere steckt weiterhin viel Qualität im Kader. Bleiben Leistungsträger wie Martin Hinteregger, Filip Kostic und Goncalo Paciencia fit und in Form, kann Frankfurt eine Aufholjagd starten. Für den Abstiegskampf ist diese Mannschaft (eigentlich) zu gut.

Ein positiver Faktor ist das ruhige Klima im und um den Verein. Der sportliche Aufschwung der Eintracht, speziell die rauschenden Europa-League-Nächte, mag die Rhein-Main-Region euphorisiert haben, im Umfeld herrscht dennoch weiter eine wohltuend realistische Erwartungshaltung. Auch deshalb genießt Trainer Hütter volle Rückendeckung.

Der Österreicher selbst geht mit gutem Beispiel voran, lebt Bescheidenheit, aber auch Optimismus vor. "Ich bin von unserem Team zu 100 Prozent überzeugt. Es hat schon gezeigt, dass es guten Fußball spielen kann", stellte der 49-Jährige unlängst klar.

Eintracht Frankfurt im Rückrundencheck: Prognose

Die freien Tage haben den zuvor überspielt wirkenden Eintracht-Profis fraglos gutgetan. "Ganz aus den Köpfen" seien die enorme "Belastung, aber auch die Niederlagen" der Hinserie jedoch noch nicht, bekannte Sebastian Rode im "kicker".

Greift die längst überfällige Systemumstellung, steigen die Chancen der SGE, künftig wieder kompakter aufzutreten und die Gegentorflut einzudämmen. In diesem Falle wäre eine Platzierung in der oberen Tabellenhälfte absolut machbar.

Um das Bundesliga-Feld von hinten aufzurollen und noch ins Rennen um die internationalen Plätze einzugreifen, müsste Frankfurt indes eine nahezu perfekte Rückrunde spielen - ohne Neuzugänge für Hütter eine Herkulesaufgabe.

Heiko Lütkehus

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