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Geiger plötzlich der Gejagte: "Kann sein, dass es reicht"

13.01.2020 11:48
Karl Geiger hat das Gelbe Trikot erobert
© Sammy Minkoff via www.imago-images.de
Karl Geiger hat das Gelbe Trikot erobert

Karl Geiger springt in der Form seines Lebens. Nach dem Doppelsieg in Italien kann das Ziel nur Gesamtweltcup heißen.

Auf die Eistonne hatte Karl Geiger nach seinem sensationellen Doppelsieg dann doch keine Lust. Zwar wollte der neue Träger des Gelben Trikots die Form seines Lebens konservieren, aber eben nicht mit allen Mitteln. "Dafür müsste man wohl in die Kühltruhe - und ich glaube nicht, dass mir das gut tut", sagte der Skisprung-Vizeweltmeister und grinste. Also hieß es nach dem Wahnsinns-Wochenende in Italien: Zurück nach Oberstdorf und ab zum Training.

Das darf Geiger immerhin mit ganz besonderer Motivation angehen: Erstmals in seiner Karriere ist der 26-Jährige im Gesamtweltcup der Gejagte, 120 Punkte liegt er nach seinen Siegen in Val di Fiemme bereits vor Ex-Weltmeister Stefan Kraft aus Österreich. In einer Saison ohne Olympia oder Nordisch-WM kann Geiger doch noch in die Geschichtsbücher fliegen.

"Das wäre natürlich genial. Aber die Saison ist noch lang, wir haben nicht mal die Hälfte. Ich werde weiter Vollgas geben - und dann kann es sein, dass es reicht", sagte Geiger im BR-Fernsehen. Es wäre ein seltenes Kunststück: Der Bayer wäre erst der vierte deutsche Gewinner der großen Kristallkugel nach Jens Weißflog (1983/84), Martin Schmitt (1998/99 und 1999/00) und Severin Freund (2014/15).

Für Geiger spricht derzeit vor allem die Konstanz. Als einziger Springer landete er bislang in jedem Wettkampf in den Top Ten - egal ob bei Wind oder Schnee, auf großer oder kleiner Schanze. "Karl ist momentan wirklich stabil. Bei ihm hat man schon im Sommer das Potenzial gesehen. Und mit so einer Form kann man eben auch gewinnen", sagte Bundestrainer Stefan Horngacher in Italien.

Geigers schlechtestes Ergebnis der Saison ist der achte Rang von Innsbruck, der ihn den möglichen Triumph bei der Vierschanzentournee kostete. Den Ärger hat er inzwischen in Ehrgeiz umgewandelt. "Ich habe gelernt: Man kann noch so gut vorbereitet sein - die Vierschanzentournee gewinnt man nicht, sie lässt einen gewinnen. Ich werde nächstes Jahr wieder alles geben. Es wäre wunderschön, wenn die Trophäe mal wieder nach Deutschland kommt", sagte Geiger in Val di Fiemme.

Zunächst gilt es aber, das Gelbe Trikot zu verteidigen. Erst 13 Wettkämpfe sind absolviert, noch 17 stehen an. Schon am kommenden Wochenende geht es mit dem Heimspiel in Horngachers Wahlheimat Titisee-Neustadt weiter. Im Schwarzwald hat Geiger bislang erst drei Einzelspringen absolviert, die Ränge 23 und 29 (2013) sowie 14 (2017) lassen noch Luft nach oben.

Beflügeln dürfte ihn allerdings das neue Kleidungsstück. "Ich fühl mich sehr wohl im Gelben Trikot", sagte Geiger, der in Italien gleich zwei der begehrten Souvenirs im Gepäck verstauen durfte - und die Sammlung in den kommenden Wochen gerne ausbauen würde. "Ob Gelb meine Lieblingsfarbe ist, weiß ich zwar nicht genau", meinte Geiger: "Am Trikot aber auf jeden Fall."

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