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Zum 50. Geburtstag des Olympiasiegers von Atlanta

Neues Leben: Andreas Wecker tickt jetzt anders

01.01.2020 11:25
Olympiasieger Andreas Wecker wird 50
© AFP/SID/ERIC FEFERBERG
Olympiasieger Andreas Wecker wird 50

Seine olympische Goldmedaille hat Andreas Wecker längst verkauft, andere Sporttrophäen versteigert. Und mit dem Erlös die finanzielle Basis für eine neue Existenz gelegt, die von tiefer Zufriedenheit geprägt ist. Der einstmals so begnadete wie unberechenbare Kunstturner, 1996 in Atlanta Olympiasieger am Reck, wird am Donnerstag 50 Jahre alt. Und tickt mittlerweile völlig anders.

Fast zehn Jahre lang produzierte der 1,60 m kleine Topathlet auf dem Turnpodium Siege in Serie. Eine Produktion ganz anderer Art hat sein Leben und das seiner Familie radikal umgekrempelt. Seit 2008 leitet er in Bend/Oregon das Unternehmen "Andreas Seed Oils", in dem gesundheitsfördernde Pflanzenkeimöle gepresst und verkauft werden.

Morbus Crohn als Zeichen von ganz oben?

Noch in Deutschland war bei Wecker zwei Jahre zuvor die gefährliche Darmkrankheit Morbus Crohn diagnostiziert worden, für den christlich geprägten Patienten ein göttliches Zeichen: "Ich hatte als Turner mit viel zu viel Tabletten und Schmerzmitteln meinen Körper ruiniert. Erst das Öl, dessen Inhalt aus der Saat von Gott kommt, hat mich dann geheilt."

Die vollständige Genesung dauerte fünf Jahre. Aber schon 2011 hatte sich Wecker auch durch das Verscherbeln seiner goldenen, silbernen und bronzenen Sportplaketten längst als Klein-Unternehmer in den Staaten etabliert. Als es finanziell doch noch einmal eng wurde, mussten halt die Eheringe zu Geld gemacht werden.

Dass die allermeisten Schulmediziner Morbus Crohn für unheilbar halten, ficht den erfolgreichen Geschäftsmann nicht an. "Ich kann nur sagen, dass bei mir alle Symptome verschwunden sind", berichtet Wecker, der sich mit Ehefrau Antje und Tochter Marie-Sophie in der Hochwüste von Oregon einen guten Namen erarbeitet hat.

Scheidungskrieg und Suizidversuch - Wecker stoppte den Absturz

Ganz anders als vor dem Wechsel in die USA in Deutschland, wo Wecker nach dem Ende seiner Sportkarriere 2000 immer häufiger in negative Schlagzeilen geriet. Scheidungskrieg mit seiner ersten Ehefrau, Streit um den Unterhalt für seine erste Tochter, Überschuldung, Umgang mit dubiosen Esoterikern, sogar ein Suizidversuch - da verblasste der sportliche Ruhm von Monat zu Monat.

Der Besinnung auf den Glauben stoppte diese Rutschfahrt auf der schiefen Bahn. Wecker: "Als Olympiasieger bist du auf dem Gipfel dessen angekommen, was du als Sportler erreichen kannst. Aber wenn du dich auf Gott einlässt, geht es immer noch weiter, kommt immer noch mehr."

Die privaten Verbindungen nach Deutschland sind eher locker. Dennoch hat sich Wecker gefreut, als Fabian Hambüchen 20 Jahre nach Weckers Goldtriumph zweiter deutscher Turn-Olympiasieger am Königsgerät wurde.

Einen Erfolg dieser Größenordnung hatte Wecker einst dem damals zehnjährigen Hambüchen sogar höchstpersönlich prophezeit: "Da hat er mich bei einer Turngala mit einem Doppelsalto am Reck verblüfft, und ich habe ihm gesagt, dass er ein ganz Großer werden kann." Er sollte Recht behalten.

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