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Lindvik siegt in Garmisch, Geiger distanziert Kobayashi

"Unglaublich!" Geiger träumt weiter vom Tourneesieg

01.01.2020 16:18
Karl Geiger landete in Garmisch auf Platz zwei
© Eibner-Pressefoto/EXPA/Feichter via www.imago-imag
Karl Geiger landete in Garmisch auf Platz zwei

Im Überschwang der Glücksgefühle riskierte Karl Geiger auf dem Siegerpodest einen ersten scheuen Blick auf den funkelnden Goldadler. "Der sieht wirklich sehr schön aus", sagte Geiger nach seinem grandiosen zweiten Platz beim Neujahrsspringen in Garmisch-Partenkirchen, der ihn weiter vom Sensationssieg bei der Vierschanzentournee und vom Gewinn der acht Kilogramm schweren Trophäe träumen lässt: "Aber noch heißt es: Gucken, nicht anfassen."

Drei Tage nach seinem zweiten Platz beim Heimspiel in Oberstdorf flog "Karle" auch beim zweiten von vier Wettbewerben auf das Podest, musste sich nur dem norwegischen Überraschungs-Gewinner Marius Lindvik geschlagen geben. "Natürlich hätte ich gerne noch eine Stufe höher auf dem Podest gestanden", sagte Geiger. Das war aber nicht mehr als ein Wermutstropfen.

Viel wichtiger: Vor 21.000 restlos begeisterten Zuschauern knackte der Allgäuer seinen großen Rivalen Ryoyu Kobayashi, der hinter dem Polen Dawid Kubacki nur Vierter wurde und dessen Siegesserie nach fünf Tournee-Tageserfolgen in Serie endete.

Nur noch 6,3 Punkte - umgerechnet dreieinhalb Meter - liegt Geiger hinter dem Gesamtführenden aus Japan zurück. In Innsbruck am Samstag und im Finale in Bischofshofen am Montag ist das ganz große Ding, der erste deutsche Tournee-Gesamtsieg seit Sven Hannawald 2002, drin.

"Man kann nur den Hut ziehen"

"Es hilft mir im Moment sehr, von Sprung zu Sprung zu denken", sagte Geiger. Mit dem, was möglich ist, will er sich nicht zu sehr befassen: "Ich muss schauen, dass ich bei meinen Sprüngen bleibe. Und der Rest wird sich in den kommenden Tagen entwickeln. Es freut mich riesig, dass ich noch im Rennen bin."

In Garmisch konterte der 26-Jährige mit einem Traumflug auf 141,5 m im zweiten Durchgang den Angriff von Kobayashi, der 141,0 m vorgelegt hatte, und brachte damit das Stadion zum Kochen. "Unglaublich, das war ein perfekter Start ins neue Jahr", sagte der Vizeweltmeister: "Der Flug hat sich supergut angefühlt, war cool. Ich hatte nach Kobayashis Sprung gehört, dass es laut war, dass er also weit war. Also dachte ich mir, jetzt klopfe ich auch einen raus."

Bundestrainer Stefan Horngacher sprach seinem Top-Adler ein dickes Lob aus: "Man kann nur den Hut ziehen, wie der Karl im Moment mit dem Druck umgeht."

Lindvik stellt Schanzenrekord ein

Kobayashi gab sich von Geigers Angriff auf seine Gesamtführung gewohnt unbeeindruckt. "Das interessiert mich nicht, ich konzentriere mich auf meine Sprünge", sagte der Japaner.

In einem hochklassigen Wettbewerb rettete Außenseiter Lindvik, der im ersten Durchgang mit 143,5 m den genau zehn Jahre alten Schanzenrekord des Schweizers Simon Ammann eingestellt hatte, seinen Vorsprung ins Ziel. Der 21-Jährige siegte mit 289,8 Punkten und umgerechnet zweieinhalb Metern Vorsprung vor Geiger (285,0) und dem Polen Dawid Kubacki (284,0).

Geiger nahm dem weiterhin Gesamtführenden Kobayashi (282,1) 2,9 Punkte ab, liegt als Zweiter nun nur noch 6,3 Punkte - umgerechnet dreieinhalb Meter - zurück. In Innsbruck am Samstag und im Finale in Bischofshofen am Montag ist noch alles drin, der erste deutsche Tournee-Triumph seit Sven Hannawald im Jahr 2002 ist kein unrealistisches Szenario.


Mehr dazu: Die Gesamtwertung der Vierschanzentournee


"So wie heute will ich in Innsbruck weitermachen. Es hilft mir im Moment sehr, von Sprung zu Sprung zu denken," sagte Geiger, dem Bundestrainer Stefan Horngacher ein dickes Lob aussprach: "Man kann nur den Hut ziehen, wie der Karl im Moment mit dem Druck umgeht."

In einem vor allem im ersten Durchgang vom wechselnden Wind beeinflussten Springen kam Dreifach-Weltmeister Markus Eisenbichler mit einem starken zweiten Sprung auf Platz zehn (266,1/129,0+134,5). Eisenbichler, im Vorjahr in Garmisch wie in der Tournee-Gesamtwertung Zweiter, bestätigte damit seinen Aufwärtstrend. "Es ein bisserl mehr drin, ich bin trotzdem recht zufrieden", sagte "Eisei". Zweitbester Deutscher war Constantin Schmid, der als Siebter (271,5/134,5+134,5) sein bestes Weltcupergebnis einstellte.

Sport-Promis unter den Zuschauern

Nach einer kurzen und knackigen Silvesterfeier am Lagerfeuer beim Teamhotel am Rießersee war Geiger am ersten Mittag des neuen Jahres hellwach. Vor ausverkauftem Haus - unter den Zuschauern waren das zurückgetretene Partenkirchner Slalom-Ass Felix Neureuther und Tennisspielerin Sabine Lisicki - brachte sich Geiger trotz tückischen Rückenwindes mit einem Sprung auf 132,0 m als Dritter in Angriffsposition.

Dass Lindvik nach seinem frühen Wahnsinnssatz bei deutlich besseren Verhältnissen auf dem Weg zu seinem ersten Weltcupsieg kaum aufzuhalten sein würde, war da schon absehbar. Geiger und Kobayashi lieferten sich dahinter ihr Privatduell - und der Deutsche zeigte Zähne.

Kobayashi verpasste es, Skisprung-Geschichte zu schreiben: Der 23-Jährige hätte als als Erster sechs Tournee-Springen in Serie gewinnen können. Somit war Lindvik der erste Tournee-Tagessieger seit fast drei Jahren und elf Springen, der nicht Kobayashi oder Kamil Stoch hieß. Der letzten Gewinner abseits der beiden Dominatoren war der Norweger Daniel Andre Tande am 4. Januar 2017 in Innsbruck gewesen.

Österreichs Topstar Stefan Kraft, als Tournee-Vierter nach Garmisch gereist, büßte Punkte ein und kam nur auf Platz 13. Sein Teamkollege Gregor Schlierenzauer, wie Kraft von einem Virus geschwächt, schied nach Oberstdorf ein weiteres Mal im ersten Durchgang aus.