Anzeige

Nach Werbeverbot mittels Trinkflaschen

Bekommen ARD und ZDF keine Interviews mit Ski-Stars mehr?

28.12.2019 10:53
Vincent Kriechmayrs Interview-Boykott löste heftige Diskussionen aus
© Matthew Stockman, getty
Vincent Kriechmayrs Interview-Boykott löste heftige Diskussionen aus

Vincent Kriechmayr hat in Gröden ein Exempel statuiert und dem deutschen Fernsehen kein Sieger-Interview gegeben. Wegen eines Werbeverbots könnten ARD und ZDF nach Ski-Alpin-Rennen künftig häufiger ohne Interviewpartner dastehen.

Es war ein deutliches Zeichen, das Vincent Kriechmayr nach dem vernebelten Super-G in Gröden setzte: Nachdem der Österreicher erfuhr, dass er die Trinkflasche seines Sponsors nicht mit zum Interview im deutschen Fernsehen nehmen dürfe, machte der 28-Jährige einen großen Bogen um die ZDF-Reporter.

Kriechmayr sagte über das Verbot alles, indem er nichts sagte. Das Echo im Nachgang war und ist bis heute noch groß. "Ich werde mich sicher nicht daran halten", sagte beispielsweise Dominik Paris, der eine Woche später die in Bormio nachgeholte Abfahrt von Gröden gewann.

Auch der beste deutsche Abfahrer, Thomas Dreßen, kann dem Verbot nichts abgewinnen, allein, weil die Begründung der Sendeanstalten falsch sei: "Das ist keine Schleichwerbung, das ist bewusste Werbung. Wir haben als Skifahrer nur begrenzte Werbemöglichkeiten. Laut unseren Verträgen sind wir verpflichtet, die Flaschen zum Interview mitzunehmen."

Dreßen umgeht Verbot elegant

Der Kitzbühel-Sieger von 2018 hielt sich zwar an das Verbot, stellte gegenüber dem "Kurier" jedoch klar: "Den TV-Anstalten muss klar sein, dass es ohne Sponsoren keinen Sport geben würde." Statt einer Trinkflasche in der Hand trug der Bayer während des Interviews einen Schal seines Sponsors und umging das Verbot so durchaus elegant.

Mit Daniel Yule stellte sich auch ein Schweizer Kollege hinter Kriechmayr. Der Athletensprecher äußerte gegenüber dem "Blick" weitere Bedenken: "Wenn jetzt alle Rennfahrer einfach so hinnehmen, dass man keine mit Werbung bedeckten Trinkflaschen zum Interview mitnehmen darf, verbietet uns das Fernsehen vielleicht in einem nächsten Schritt den Kopfsponsor. Und irgendwann dürfen wir die Ski dann auch nicht mehr in die Kamera halten."

Neureuther zieht Vergleich zum Bier bei Fußball-Meisterfeiern

Der Manager seines Landsmanns Beat Feuz, Giusep Fry, rät seinem Schützling hingegen von einem Boykott ab. Seiner Ansicht nach würden damit nicht die TV-Anstalten, sondern der Kopfsponsor und Ski-Ausrüster bestraft, "die den Athleten wesentlich mehr Geld zahlen als der Geldgeber auf der Trinkflasche." Feuz, Führender im Abfahrtsweltcup, hielt sich selbst wesentlich bedeckter: "Ob ich zur ARD gehe oder nicht, werden wir sehen, wenn es wirklich soweit ist..."

Felix Neureuther, der nach seinem Karriereende mittlerweile als Experte für die ARD arbeitet, zeigte Verständnis für seine ehemaligen Kollegen und zog einen Vergleich zu einer anderen Sportart: "Die Fußballer dürfen sich ja auch live im deutschen Fernsehen bei der Meisterfeier Bier über den Kopf lösen. Deshalb finde ich es extrem schade, wenn ein Skirennfahrer beim Interview keine Trinkflasche mehr in der Hand halten darf."

Indirekt widerspricht der 13-fache Weltcupsieger damit der Regel seines Arbeitgebers. Nur eines ist sicher: Mit den Klassikern von Bormio, Wengen, Kitzbühel und Garmisch-Partenkirchen stehen nun vier Speed-Wochenenden innerhalb von vier Wochen an, in denen das Thema präsent bleiben wird.

Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige