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Irrer Stunt der Showcrew

Schwerelosigkeit! Red Bull setzt neue Maßstäbe

21.11.2019 16:57
Ein irrer Stunt der Showcrew: Red Bulls Boxenstopp in der Schwerelosigkeit
© MST
Ein irrer Stunt der Showcrew: Red Bulls Boxenstopp in der Schwerelosigkeit

Red Bull hat nach dem Grand Prix von Brasilien jede Menge Stoff zu vermarkten - und das nicht nur wegen des Doppelsiegs von Max Verstappen und Toro-Rosso-Pilot Pierre Gasly. Ganz nebenbei hat das österreichisch-britische Team in Sao Paulo einen neuen Weltrekord aufgestellt - und auch einen, der quasi nicht von dieser Welt ist.

Denn die Showcrew von Red Bull stieg kürzlich im wahrsten Sinn des Wortes in neue Sphären auf, als ein Boxenstopp in der Schwerelosigkeit absolviert wurde! Zwar hat das McLaren-Team mit David Coulthard 1999 schon einmal so einen "Zero-G"-Parabelflug absolviert; der damalige McLaren-Titelsponsor West "übte" dabei aber keinen Boxenstopp.

Die 16 Mann umfassende Showcrew (plus zehn Kameraleute) unterzog sich vor dem irren PR-Stunt einem einwöchigen Crashkurs bei der russischen Weltraumagentur Roskosmus in der "Sternenstadt" Swjosdny Gorodok. Der Parabelflug selbst fand dann in einer Iljuschin Il-76 MDK statt, die normalerweise dazu verwendet wird, Kosmonauten für den Zustand der Schwerelosigkeit zu trainieren.

Und das geht so: Die Maschine steigt zunächst in eine Höhe von rund 10.000 Meter auf und geht dann in einen Sturzflug über. Anschließend steigt sie im 45-Grad-Winkel wieder auf und geht wieder in einen Sturzflug über. Während der jeweils 22-sekündigen Sturzflug-Phasen entsteht für alle Objekte im Inneren des Flugzeugs der Zustand der Schwerelosigkeit.

Crew begeistert von verrückter Aktion

"Ich dachte, mir explodiert der Kopf", berichtet Mark Willis, der Koordinator des Showteams. "Es hat zwei, drei Parabeln gedauert, bis ich verstand, was da passiert. Zuerst konnte ich nicht klar denken. Mein Gehirn konnte das, was da passiert, einfach nicht verarbeiten. Das ist sicher das Verrückteste, was wir je gemacht haben - aber auch das Tollste, weil es einfach nichts Vergleichbares gibt."

Dabei hat Red Bulls Showteam schon so einige verrückte Stunts hinter sich. Vor ein paar Jahren ist Max Verstappen zum Beispiel die legendäre Skipiste in Kitzbühel bergauf gefahren. Ein anderer Showrun fand auf einem Salzsee in Argentinien statt. Nicht zu vergessen die irre Nummer, als David Coulthard auf einem Hochhaus in Miami Burnouts gedreht hat.

"Du realisierst erst, wie sehr du von der Schwerkraft abhängig bist, wenn sie weg ist", lacht Joe Robinson, einer der Mechaniker des Showteams. "Es ist eine echte Herausforderung, das Denken umstellen zu müssen. Brillant! Ich hätte einen Monat lang da oben bleiben können und es wieder und wieder tun. Das ist sicher die coolste Demo, die wir je gemacht haben!"

Nur sieben Sekunden zur Sicherung des Teams

Die Herausforderung für die Crew war immens. Während der 22-sekündigen Sturzflug-Phasen konnte jeweils nur 15 Sekunden lang gefilmt werden - in der restlichen Zeit mussten Mensch und Material blitzschnell gesichert werden. Denn es ist kein schönes Gefühl, wenn die Schwerelosigkeit plötzlich endet und ein Formel-1-Auto auf einen draufknallt ...

Die Zeit, die die Red-Bull-Jungs für den "überirdischen" Reifenwechsel gebraucht haben, ist nicht bekannt. Jene der irdischen Kollegen beim Grand Prix von Brasilien hingegen schon: Nur 1,82 Sekunden dauerte Verstappens Boxenstopp in Sao Paulo - neuer Weltrekord! Davor war dieser bei 1,88 Sekunden gelegen, gehalten ebenfalls von Red Bull (Hockenheim 2019).

Auf einem Video des Boxenstopps, das die Formel 1 im Internet veröffentlicht hat, kann man die erstaunliche Choreographie der 19 Mitarbeiter in Zeitlupe beobachten. Beeindruckend: Die Schlagschrauber sind noch nicht einmal abgezogen, als das Auto schon wieder abgesenkt wird - und die Räder drehen sich sofort in dem Moment, als sie den Boden berühren!

1,82 Sekunden: Boxenstopp-Kunst in Perfektion

1,82 Sekunden wären mit einem "Lollipop"-Mann, wie er früher in der Formel 1 üblich war, unmöglich. Heute funktioniert die Boxenstopp-Technologie so: Sobald die Schrauben fest sitzen, wird ein Signal an die Wagenheber gesendet (auch wenn der Schlagschrauber noch angesetzt ist), die das Auto automatisch absenken. Ist das Auto am Boden, geht das nächste Signal zur Ampel und zeigt Grün.

Ein System, das Teams wie Red Bull und Williams in den vergangenen Jahren perfektioniert haben. Ganz außen vor ist der Faktor Mensch aber nicht. Erstens muss der Fahrer, damit der Ablauf perfekt sitzt, seine Standposition genau treffen. Und sollte doch mal was schiefgehen, steht immer mindestens ein Beobachter parat, der die Fahrtfreigabe manuell abbrechen kann.

Das ist nicht nur wichtig, wenn zum Beispiel ein Schlagschrauber noch klemmt, wenn die Schrauben bereits festgezogen sind. Sondern kann auch bei einem sogenannten "unsafe Release" eine Rolle spielen. Das ist bei Red Bull in Brasilien nicht passiert. Verstappen wurde aber Opfer davon, als er von der Williams-Crew und Robert Kubica übersehen wurde ...

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