Anzeige

Dopfer spürt "das Feuer" und will noch einmal angreifen

21.11.2019 12:17
Fritz Dopfer gewann vor vier Jahren WM-Silber im Slalom
© Alexander Hassenstein, getty
Fritz Dopfer gewann vor vier Jahren WM-Silber im Slalom

Vor vier Jahren gewann Fritz Dopfer WM-Silber im Slalom, es folgte eine lange Leidenszeit. Jetzt will es der 32-Jährige noch einmal wissen.

Fritz Dopfer macht keinen Hehl daraus, dass ihm Felix Neureuther fehlt. "Der Felix ist ein riesengroßer Verlust, man merkt schon, dass er abgeht, dass da eine große Lücke entstanden ist", sagt Dopfer über den zurückgetretenen Freund, den er nicht nur als Vor-Fahrer vermisst.

Nach Neureuthers Abschied sei er in seiner Trainingsgruppe mit 32 Jahren der Routinier, sagt Dopfer, "der zweitälteste ist Jahrgang 1994, das ist schon krass".

Dass Dopfer im Frühjahr ernsthaft daran dachte, die Slalom-Ski wie Neureuther in die Ecke zu stellen, lag aber nicht allein am Alter. Seit er im November 2016 einen Schien- und Wadenbeinbruch erlitten hat, jagt er vergeblich seiner alten Form hinterher, die ihm neun Podestplätze im Weltcup und 2015 WM-Silber einbrachte.

Bei 16 Starts im vergangenen Winter kam er nur viermal in die Punkte und nie in die Top 20. "Es hat nichts mehr funktioniert", sagt er.

Nach dem Saisonende sei das Thema Rücktritt bei ihm deshalb "sehr präsent" gewesen, meint Dopfer. Pläne für die Zeit danach hat er längst in der Schublade, der Garmischer hat einen Master in BWL und einen in Immobilienmanagement. Doch die Liebe zum Skisport ließ ihn nicht los. Noch nicht.

"In mir brennt schon noch das Feuer, ich will es mir nochmal beweisen", sagt Dopfer vor dem ersten Slalom der Saison am Sonntag im finnischen Levi. Aber kann er's noch?

Bei der Zoll-WM Ende März schlug er Slalom-Shootingstar Clement Noel und gewann Gold, doch beim Weltcup-Riesenslalom in Sölden im Oktober verpasste er als 40. das Finale. "Mittelfristig möchte ich wieder unter die Top 30", sagt er.

Wolfgang Maier muss schmunzeln, als er das hört. "Sein Ziel muss die Weltspitze sein", sagt der DSV-Alpindirektor, "da gehört er hin." Dass Dopfer weitermacht, hat auch mit einem Gespräch mit Maier zu tun, in dem er dessen Vertrauen "zu 110 Prozent" gespürt hat.

Dopfer "kein einfacher Athlet"

Maier nennt dies aufgrund des Vermögens und der Verdienste Dopfers selbstverständlich. "Fritz ist ein extrem guter und wertvoller Sportler", sagt er, "er bringt sehr viel mit, war über Jahre Vorbild und ein guter Gegenspieler zum Felix."

Allerdings sei Dopfer aufgrund seiner Persönlichkeitsstruktur "kein einfacher Athlet". Dopfer gilt als harter, aber bisweilen verkopfter Arbeiter. Er hat nichts von der Leichtigkeit eines Neureuther.

"Er steht sich manchmal selbst im Weg", sagt Maier. Dem ewigen Grübler Dopfer fehlt mitunter die nötige Risikobereitschaft - nicht nur auf der Piste. Er ist keiner, der neue Wege geht.

Dass Dopfer in der Lehrgangsgruppe Ib mit Jüngeren trainiert, ist keine Zurückstufung. Er wollte nach der Umstrukturierung des Betreuerteams vielmehr weiter mit seinem langjährigen Coach Albert Doppelhofer trainieren.

"Er gehört in die LG Ia", sagt Maier, "zu den Besten der Welt. Für mich gibt's da keine Diskussion." Doch zwingen will er ihn nicht - Dopfer darf beweisen, dass es auch anders geht.

Und er ist dazu wild entschlossen. "Körperlich habe ich es noch drauf", betont er, nach Jahren mit Beschwerden zwickt endlich mal nichts mehr.

Doch Dopfer weiß auch: "Als Alter kannst du keine Abkürzungen nehmen aufgrund deiner Erfahrung - sonst fahren dir die Jungen um die Ohren."

Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige