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Bundesliga

"Problem ist, dass wir noch 23 Spiele haben"

Kramer: "Ich gucke fast jeden Tag auf die Tabelle"

21.11.2019 11:23
Christoph Kramer und die Gladbacher sind die Überraschung der Saison
© Lars Baron, getty
Christoph Kramer und die Gladbacher sind die Überraschung der Saison

Mit Borussia Mönchengladbach führt Ex-Nationalspieler Christoph Kramer die Bundesliga-Tabelle nach elf Spieltagen überraschend an. Als Favorit auf den Titel sieht er die Fohlen trotzdem nicht. 

Herr Kramer, Sie haben vor der Saison gesagt, Sie trauen sich keine Prognose zu. Wenn Sie es doch gewagt hätten - wer wäre ihr Tabellenführer gewesen?

Christoph Kramer (Borussia Mönchengladbach): "Bayern, Dortmund, vielleicht Leipzig. Weil die bessere Kader haben."

Wo hätten Sie Borussia Mönchengladbach gesehen?

Vom Kader her können wir uns streiten, ob wir den viert- oder achtbesten haben. Da ist auch Tagesform dabei. Aber irgendwo da gehören wir hin, was schon ein Riesenkompliment ist. Alles andere ist eine krasse Überraschung.

Das heißt: Die Mannschaft leistet mehr, als sie eigentlich kann?

Man kann immer davon reden, wenn man etwas Außergewöhnliches schafft, dass man dann überperformt. Man muss aber auch sagen, dass wir die Punkte ja auch nicht mit Glück geholt haben. Die anderen nehmen sich irgendwie alle die Punkte weg. Trotzdem hat das keine so krasse Aussagekraft, obwohl wir jetzt vier Punkte Vorsprung haben, was unfassbar gut ist. Aber wir müssen realistisch bleiben: Bis Platz neun kann es sehr schnell gehen. Wir gucken uns gerne die Tabelle an. Wir sind auch gerne euphorisch.

Sie hatten jetzt Gelegenheit, alles mal zwei Wochen sacken zu lassen. Inwiefern kamen Sie da ins Nachdenken?

Gar nicht. Man guckt sich etwas lieber die Tabelle an - ich gucke fast jeden Tag auf die Tabelle und denke: Sieht geil aus. Freut mich. Aber, so banal und blöd sich das anhört: Wir müssen gucken, dass wir von Spiel zu Spiel unsere Aufgabe lösen.

Im Borussia-Museum sind Sie einer von acht Audio-Guides. Sind Sie schon mal durchgelaufen und haben sich selbst zugehört?

Ja. Ich wurde gefragt und habe gesagt: Gerne, weil das ja auch eine Ehre ist. Vielleicht, weil ich eine sehr angenehme Stimme habe - zumindest von innen hört sie sich angenehm an. Es ist immer ein bisschen komisch, sich selbst zu hören.

Bei der Eröffnung sah man Sie an der Seite einiger Legenden schlendern. Was haben Ihnen Günter Netzer oder Jupp Heynckes von früheren Triumphen erzählt?

Für mich war das eine Riesenehre. So eine Eröffnung zeigt noch mal, wie unfassbar groß der Verein ist, was er für eine Strahlkraft hat. Für viele ältere Fans ist Gladbach ein unfassbar großer Verein. Ein toller Verein mit tollen Erfolgen - aber auch die Gegenwart ist sehr gut.

Gibt es auch ein Ausstellungsstück vom letzten Gladbacher Weltmeister?

Klar, mein Trikot vom WM-Finale.

Was muss passieren, damit die Mannschaft von 2019 in Gänze Aufnahme findet?

Tja. Das einzige Problem ist jetzt, dass wir noch 23 Spiele zu spielen haben. Sonst ist kein Problem da - aber das ist halt sehr groß.

Was ist Ihr Gefühl? Ist ein ganz großes Ding drin?

Alles ist so schnelllebig. Es passiert so viel in so kurzer Zeit, jetzt kann man schon wieder Adventskalender kaufen. Man muss sich im Fußball ganz krass alles immer wieder erarbeiten. Man soll träumen, die Fans sollen Schalen ausschneiden. Aber ich glaube, jeder weiß, dass das eine Überraschung ist.

So eine Mannschaft wird über Jahre entwickelt. Ist der jetzige Stand Ergebnis einer kontinuierlichen Entwicklung oder gab es zuletzt einen Schub durch neues Personal und den Trainerwechsel?

Im heutigen Fußball ist der Trainer die wichtigste Instanz eines Vereins. Aber dass wir jetzt den Kader zwischen vier und acht haben, ist schon ein ganz, ganz krasses Lob für den Verein und die Arbeit der letzten zehn Jahre. Wenn wir zehn Jahre zurückblicken, ist das eine Arbeit, die man gar nicht hoch genug loben kann. Die ist sensationell gut. Alle Zugänge sind überdurchschnittlich gut eingeschlagen, und auch als Typen sind sie total sauber und angenehm.

Bei Borussia Dortmund wechselt die Stimmung mehrmals pro Woche. Bei den Bayern hat es gebrannt. Auf Schalke war die vergangene Saison sehr unruhig. Warum ist das in Mönchengladbach anders?

Man hebt hier nicht ab im Erfolgsfall, man wirft im Fall einer Niederlagenserie nicht alles um. Man hat einen klaren Plan und eine klare Vision, das spürt man einfach. Das zeichnet einen Verein im heutigen Fußball aus. Die Wellenbewegungen, dass heute alles cool und morgen katastrophal und übermorgen wieder cool ist, darf man nicht mitmachen. Das macht das Arbeiten für alle Beteiligten einfacher.

Können Sie skizzieren, welche Philosophie Marco Rose verfolgt? Taktisch - und menschlich?

Wir gehen sehr hoch drauf, wir probieren, dass es ein Stück weit Entertainment ist. Wir spielen mit großer Energie, Leidenschaft und Hingabe. Menschlich ist er wirklich herausragend.

Ihr letztes Länderspiel ist dreieinhalb Jahre her. Wie schauen Sie auf Ihre Zeit in der Nationalmannschaft?

Wenn ich jetzt gucke, sind das schöne, alte Erinnerungen, die mich unheimlich mit Stolz erfüllen. Das ist dann schon wie ein altes Foto-Album. Aber es geht so schnell. Irgendwas abzuhaken, wäre Quatsch. Wenn sie mich 2013 gefragt hätten, ob ich 2014 Weltmeister werde, wäre das unrealistischer gewesen, als wenn sie mich jetzt fragen, ob ich 2020 Europameister werde.

Der DFB kämpft mit sinkenden Zuschauerzahlen. Woran kann das liegen?

Jeder guckt Fußball. Und jeder guckt dreimal die Woche Fußball. Dann sind die Fans vielleicht ganz froh, wenn sie mal ein Wochenende mit der Familie haben oder unter der Woche mehr Zeit.

Ist das eine Gefahr? Der Fußball-Overkill?

Immer wenn in Gladbach das Licht angeht, wird das Ding voll sein. Und wenn das jeden Tag ist, wird das immer noch so sein. Aber wenn jetzt die Europa League 2 kommt und all so ein Quatsch, dann wird es irgendwann unübersichtlich und zu viel. Weil die, die das Sagen haben, FIFA, UEFA, in erster Wirtschaftsunternehmen sind, bei denen es um Vermarktung und Geld geht - und es darum mehr Spiele gibt. Ob das jetzt jemand guckt oder nicht: Hauptsache, man hat es vernünftig vermarktet.

Es gibt ja kaum etwas, das nicht zum Riesenevent hochgejazzt wird.

Das liegt auch daran, dass man jetzt 120 Prozent mehr Journalisten hat als früher. Man hat alles mehr als früher. Irgendwer hat schon Zeit und fährt da hin. Es ist ja so: Wenn man sich den Staff einer Fußball-Mannschaft anschaut, hat man nicht mehr vier, sondern 30 Leute. Und die müssen ja auch was tun für ihr Geld. Es ist sehr viel Geld im Markt Fußball, sonst in der Gesellschaft nirgendwo mehr, hat man das Gefühl, aber im Fußball ganz viel.

Haben Sie nicht Angst, dass vieles entwertet wird? Haben Sie beim Thema Katar nicht auch mal mit dem Kopf geschüttelt?

Ja, auch so eine Fußball-WM mit so vielen Mannschaften. Ich finde das nicht so cool. Aber wir werden es nicht ändern können. Ich finde, dass es weniger Fußballromantik ist, dass es nichts Besonderes mehr ist. Dass dann eine WM erst ab dem Viertelfinale so richtig anfängt, das ist nicht so cool in meinen Augen. Aber ich kann es eh nicht ändern.

Wer kann das ändern?

Diejenigen, die das können, werden dieses Interview nicht hören. Die werden auch nicht auf mich und auf keinen hören - sonst hätten sie es schon geändert.

Haben Sie noch Ziele oder unerfüllte Träume?

Ich habe mir noch nie Ziele gesetzt. Viele machen das, und vielen hilft das auch. Mir bringt das nichts. Ich bin in einem Mannschaftssport, da passiert so viel. Wenn mir irgendwer irgendwas von meiner Karriere gesagt hätte, als ich 18 war, hätte ich wahrscheinlich nichts geglaubt.

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