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PotAS-Analyse: Ruderer empört - Badminton-Verband erfreut

20.11.2019 14:07
Der deutsche Ruderverband landet bei der PotAS-Analyse auf den letzten Plätzen
© Lars Baron, getty
Der deutsche Ruderverband landet bei der PotAS-Analyse auf den letzten Plätzen

Die überraschenden Ergebnisse der PotAS-Analyse haben den deutschen Sport auf den Kopf gestellt. Die Ruderer sind empört, der Badminton-Verband ist erfreut.

Herzstück der Reform oder Papiertiger? Die überraschenden Ergebnisse der Potenzialanalyse PotAS haben im deutschen Sport hohe Wellen geschlagen. Die Evaluierung der 26 deutschen Sommersportarten hat die Diskussion um die Sinnhaftigkeit der Spitzensportreform wieder angeheizt.

"Ich habe den Eindruck, dass PotAS vorrangig das Produzieren von Papier und Formalismen positiv bewertet", sagte Ruder-Präsident Siegfried Kaidel verärgert. Seinen DRV traf es besonders hart, der Verband landete bei der Beurteilung der Struktur (PotAS-Wert: 61,69) und bei der Frage nach dem Kaderpotenzial (67,09) auf dem letzten bzw. viertletzten Platz.

Auch bei der Evaluierung der 103 Disziplinen in den Verbänden schnitt der Ruderverband auffallend schlecht ab, lag mit seinen fünf Disziplinen am Ende des Feldes. "Im U19-Bereich ist der DRV der weltweit erfolgreichste Ruderverband und PotAS wirft ein fehlendes Nachwuchskonzept vor", beschwerte sich Kaidel.

Deutscher Badminton-Verband hat "sehr gute Strukturen"

Angeführt werden beide PotAS-Kategorien überraschend vom Deutschen Badminton-Verband (DBV), der noch nie eine Olympia-Medaille gewonnen hat. "Eine Flasche haben wir nicht geöffnet", sagte Sportdirektor Martin Kranitz dem "SID": "Das machen wir erst, wenn wir nach den Olympischen Spielen 2020 in Tokio noch immer zum ersten Drittel gehören - oder unsere erste Medaille gewonnen haben."

Der Badminton-Verband habe "sehr gute Strukturen", lobte PotAS-Chef Urs Granacher. Das betreffe den Nachwuchs, das Führungspersonal, die Trainer-Aus- und Fortbildung, das Athleten- und Gesundheitsmanagement. "Aber sie haben auch ein Problem", räumte Granacher ein: "Mit China gibt es ein Land, das über Jahre hinweg die Szene beherrscht und die Medaillen gewinnt."

Das Kriterium "Erfolg" wurde bei der Analyse noch nicht berücksichtigt. Die bisherige Evaluation betraf nur die Aspekte "Struktur" und "Kaderpotenzial", die Erfolge sollen erst nach Tokio eingepflegt werden. Dann sind alle Daten vorhanden, die über die zukünftige Förderung der Sportarten ab 2021 in Deutschland entscheiden.

Verbände beantworteten 132 Fragen

Das Potenzialanalysesystem PotAS startete im Mai 2017 und hat bereits alle olympischen Wintersportverbände und Disziplinen unter die Lupe genommen. Es ist Kernelement der Förderreform im Leistungssport, an deren Ende ein effizienterer Einsatz der Mittel stehen soll. Vor allem wegen der Reform hat der deutsche Sport vom Bund in den letzten drei Jahren rund 100 Millionen Euro mehr erhalten.

Für die Verbände war die Beantwortung der 132 Fragen viel Arbeit. Der Aufwand sei sehr hoch gewesen, bestätigte Dirk Schimmelpfennig, im Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) Vorstand für den Bereich Leistungssport. "Es ist auch der Wunsch da, dass wir die Ergebnisse jetzt in Qualität umsetzen", meinte Schimmelpfennig.

Trotz anhaltender Kritik will das Bundesinnenministerium (BMI) als Auftraggeber an PotAS festhalten. Eine systematische Untersuchung der Verbände nach allgemeingültigen Kriterien sei auf dem Weg zu einem erfolgreichen Fördersystem unverzichtbar, meinte BMI-Staatssekretär Markus Kerber.

Kerber will möglichst wenig dem Zufall überlassen und führte zur Erklärung den Carlo-Thränhardt-Effekt an. Der Hochspringer und Lebemann habe in den 80er Jahren vor einem Wettkampf schon mal eine Zigarette geraucht und gewonnen. Kerber: "Aber das war eine Ausnahme. Man kann nicht immer auf den Thränhardt-Effekt setzen."

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