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BVB-Abschied "keine einfache Entscheidung"

Exklusiv: Bartra schwärmt von Tuchel und Guardiola

20.11.2019 08:41
Der einstige BVB-Verteidiger Marc Bartra spielt mittlerweile für Real Betis in Spanien
© LaLiga
Der einstige BVB-Verteidiger Marc Bartra spielt mittlerweile für Real Betis in Spanien

Marc Bartra hat anderthalb Jahre in der Bundesliga für Borussia Dortmund gespielt, ehe er im Winter 2018 in seine Heimat Spanien zurückkehrte. Im exklusiven Interview mit unserem Partner LaLiga erinnert sich der Verteidiger an seine Anfänge beim BVB, aber auch an die großen Einflüsse seiner einstigen Trainer Thomas Tuchel und Pep Guardiola.

Sie kommen gebürtig aus Tarragona, sind aber zunächst in die Jugendakademie von Espanyol Barcelona gegangen bevor Sie mit elf Jahren in die Talenteschmiede La Masia des FC Barcelona gingen. Wie war es, in La Masia aufzuwachsen und mit so vielen Top-Spielern zusammenzuspielen?

Marc Bartra: Es war richtig gut. Ich ging zusammen mit meinem Bruder zu Barca als ich zehn Jahre alt war, also in einem sehr jungen Alter. Ich kann mich an wundervolle Jahre erinnern, musste aber damals auch viel Verantwortung tragen. Im Unterbewusstsein existiert immer diese gewisse Anspannung, gut trainieren und sich verbessern zu müssen. Schließlich ist der Wettkampf mit den Teamkollegen aus Katalonien, Spanien und sogar ganz Europa enorm. Das ist auch gut für eine stetige Entwicklung, dennoch stehst du schon früh unter Druck. Das ist nicht immer einfach.

Erinnern Sie sich noch daran, wie Sie damals zu den Stars in der ersten Mannschaft aufgeschaut haben? Gab es dort Spieler, die für Sie herausstachen?

Ja, als ich in die erste Mannschaft kam, waren das noch eher meine Idole als meine Kollegen. Ich erinnere mich daran, an meinem ersten Trainingstag in der Umkleide zu sitzen. Ich war 17 und es fühlte sich an, als wären die alle in einer Art Blase. Ich sagte zu mir: 'Ich bin hier um den Spielern zu trainieren, denen ich schon so viele Jahre im Fernsehen zugeschaut habe.' Das war eine wundervolle Zeit, wir gewannen mit Barca viele Titel. Über die Jahre habe ich mich auch verbessert und ich wusste: Wenn ich den Durchbruch in der ersten Mannschaft schaffe, dann mit Hilfe der vielen Eigengewächse, die damals rund 80 Prozent des Teams ausmachten. Spieler wie Carles Puyol, Victor Valdes, Xavi, Iniesta, Messi, Sergio Busquets, Pedro.

Wie war Ihr Verhältnis zu Pep? Sie kamen zwar schon früher in die erste Mannschaft, Ihren Durchbruch haben Sie aber erst unter Guardiola geschafft.

Es war von Beginn an sehr gut. Er war der Coach und er war da, um Titel zu gewinnen. Er hat mir viele Ratschläge gegeben, damit ich mich verbessere. Eine seiner ersten Fragen ging über mein Studium, er war sehr interessiert und gab mir Selbstvertrauen. Ich werde ihm für immer dankbar sein, weil er mir zu meinem Debüt verholfen hat. Er ist ein Trainer, der jede Phase des Spiels beherrscht. Er weiß, was du auf jeder einzelnen Position zu tun hast, er hat mir sehr geholfen. Ich war einfach ein Junge, der mit weit aufgerissenen Augen alles aufgesogen hat, was er uns zeigte.

Sprechen wir ein bisschen über Ihre Zeit in Deutschland. Wie war Ihre Erfahrung in der Bundesliga und wo sind die Unterschiede zum Fußball in Spanien?

Tatsächlich ist der Spielstil recht unterschiedlich. Es ist aber auch so, dass es in vielerlei Hinsicht für mich ähnlich war. Das lag an Thomas Tuchels Stil, er war derjenige, der mich von dem Wechsel überzeugt hat. Der Alltag, sowohl beruflich als auch privat, ist dort sehr unterschiedlich, weshalb ich mein erstes Jahr auch am höchsten bewerten würde. Ich stand praktisch in jedem Spiel in der Startelf. Ich habe so viele Minuten gespielt, dass ich mich fußballerisch und persönlich stark verbessert habe. Die Kultur, die Sprache und die Art, Dinge zu regeln, sind ganz anders.

Ich konnte aber sofort Fuß fassen. Wir haben den DFB-Pokal in meiner ersten Saison gewonnen, nachdem Borussia Dortmund zuvor eine längere Zeit ohne Titel blieb. Deshalb habe ich so gute Erinnerungen. Die Bundesliga ist definitiv eine Liga, die dich härter macht.

Sprechen Sie Deutsch? Konnten Sie etwas von der Sprache während Ihrer Zeit in Deutschland lernen?

Ja, ein bisschen. Vor allem kann ich es verstehen. Ich war dort fast zwei Jahre. Beigebracht wurden mir hauptsächlich Fußballbegriffe. Zu Beginn wollte ich auch nur die Dinge über Fußball lernen. Mit der Zeit lernte ich aber auch Begriffe aus dem Alltag. Wichtig war für mich, dass meine Kollegen mich auf dem Spielfeld verstehen konnten. Der Rest kam mit der Zeit. 

Nicht wenige Spieler aus Spanien gehen nach Deutschland, um sich zu entwickeln. Carvajal und Hakimi sind gute Beispiele. Warum wählen viele die Bundesliga und nicht andere europäische Ligen?

Ich denke, es kommt auf das Team an und auf die Art zu spielen. Als Spieler hat man oft die Möglichkeit zu wählen. Damals wusste ich, dass ich den Ort verlasse, an dem ich mein ganzes Leben lang war. Allerdings ging ich an einen Ort, der schnell dein neues Zuhause wird. Die Fans sind weltberühmt, wenn du dir die Spiele dort ansiehst, bekommst du Gänsehaut. Ich wollte ein Teil davon sein. Ich war sehr froh über den Wechsel, erst recht als ich das erste Mal mit dem Trainer Thomas Tuchel gesprochen und erfahren hatte, welches Vertrauen er in mich setzt.

Die Liga ist deshalb interessant, weil der Wettbewerb so hoch ist. Vielleicht ist es deshalb so anders. Auch die Geschwindigkeit ist in Deutschland sehr hoch. Gegen keine Mannschaft kannst du dich entspannt zurücklehnen. Die 90 Minuten sind voller Intensität und Zweikämpfe.

Am 11. April 2017 wurde der Mannschaftsbus von drei Explosionen erschüttert. Sie mussten die Konsequenzen hautnah miterleben, entgingen dem Anschlag aber glücklicherweise. Einmal haben Sie diese Erfahrung als die längste und härteste 15 Minuten Ihres Lebens beschrieben. Denken Sie noch heute darüber nach, welche Auswirkungen dieses Erlebnis auf Ihr heutiges Leben hat?

Tatsächlich habe ich das Ganze als etwas Positives aufgenommen, da ja auch weitaus Schlimmeres hätte passieren können. Es war der härteste Moment meines Lebens. Ich versuche immer, dieses Erlebnis von der guten Zeit dort zu trennen. Letztlich bin ich dadurch auch zu der Person geworden, die ich jetzt bin. Ich glaube, ich bin noch derselbe, nur noch stärker. Ich gebe nie auf und denke, dass man aus jeder Situation das Beste machen muss, um sich zu entwickeln. Als Person und nicht nur als Fußballer.

Einige Monate später sind Sie nach Spanien zurückgekehrt und zu Real Betis gewechselt. War diese Erfahrung ein Grund für die Rückkehr oder wollten Sie einfach wieder zurück in die heimische Liga?

Es war bei bestem Willen keine einfache Entscheidung. In meiner zweiten Saison haben wir einen guten Start hingelegt, viele Spiele gewonnen und waren unter Peter Bosz auf Platz eins. Ich war ein Schlüsselspieler, als wir dann aber viele Verletzte bekamen, musste ich als Außenverteidiger ran. Wir begannen, Punkte liegen zu lassen. Dann wurde der Trainer gewechselt und ich war weniger involviert. Gleichzeitig wurde ich für Länderspiele mit Spanien nominiert und da war ja auch noch die WM im Sommer.

Wenn ich etwas dort gelernt habe, dann wie wichtig es ist, keine Zeit zu verlieren. Schließlich kam die Möglichkeit auf, zu Betis zu gehen und nach Spanien zurückzukehren. Betis hat sich sehr um mich bemüht und eine große und tolle Fan-Basis. Ich wusste, dass es eine gute Gelegenheit war, dort wieder anzufangen wo ich in Deutschland aufgehört hatte. Meine ersten Monate in Sevilla gehören zu den besten und wichtigsten in meiner Profi-Karriere. Vor allem aufgrund des Vertrauens, das Quique Setien und die Fans in mich legten. Wir konnten viele Partien gewinnen und ich bekam eine Menge Spielzeit, sodass ich auch in der Nationalmannschaft bleiben konnte. Dann bekam ich auch noch meine zweite Tochter, diese fünf Monate waren also sehr erfolgreich.

Es hat am Ende zwar nicht dazu gereicht, mit zur WM zu fahren, es war jedoch sehr knapp. Ich bin seit dem ersten Tag bei Betis, in der Stadt, mit meinen Teamkollegen und LaLiga glücklich. Ich denke, es ist die beste Liga, in der die besten Spieler der Welt zusammenkommen. Das Niveau ist in den letzten Jahren rasant gestiegen, der Wettbewerb ist unglaublich. Ich genieße es.

Wie ist es, mit dem neuen Betis-Coach Rubi zu arbeiten?

Rubi ist ein Trainer, der Ballbesitz bevorzugt und auf eine geschlossene Mannschaft setzt. Er ist jemand, der jeden Aspekt des Spiels beherrscht. Ungeachtet dessen ist bislang nicht jedes Match nach Wunsch gelaufen. Ich denke jedoch, dass wir zu einem Team werden, das mit und ohne Ball zu spielen weiß. 

Um Joaquin, Mr. Betis, kommen wir nicht umhin. Er ist eine absolute Ikone, für Betis wie für LaLiga. Ein Entertainer, Comedian, einfach alles. Wie ist es, mit ihm in einem Team zu sein?

Er ist unser Anführer, wenn es um Humor und Freude geht. Aber auch fußballerisch. Er ist sozusagen das Thermometer in der Umkleidekabine. Wenn wir eine positive Spritze brauchen, ist er zur Stelle. Er schafft es, dass wir uns besser fühlen. Wenn er muss, ist er aber auch derjenige, der den ersten Schritt macht und ernst ist. Das hilft in jeglicher Hinsicht. Er ist ein Spieler mit einem großen Erfahrungsschatz, ist mittlerweile um die 38 Jahre alt. Das ist unglaublich. 

Würden Sie sagen, er ist die einzigartigste Persönlichkeit, mit der Sie je zusammengespielt haben?

Nun ja, ich habe mit so vielen großen Persönlichkeiten gespielt. Ich erinnere mich an Dani Alves, zum Beispiel. Aber Joaquin ist ein witziger Typ. Er ist einer dieser Spieler, die du gerne in Erinnerung hast, weil er so einen großen Einfluss auf das Team hat.

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