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Kein "Herzrasen": Flensburg besiegt Lemgo

14.11.2019 21:07
Pflichtsieg für die SG Flensburg-Handewitt
© Martin Rose, getty
Pflichtsieg für die SG Flensburg-Handewitt

Der deutsche Handball-Meister SG Flensburg-Handewitt hat mit einem Pflichtsieg Druck auf Tabellenführer TSV Hannover-Burgdorf ausgeübt. Flensburg gewann am Donnerstag beim abstiegsbedrohten TBV Lemgo mit 27:18 (13:9) und rückte mit nun 20:6 Punkten an Hannover heran. Die Niedersachsen (20:4) haben ein Spiel weniger absolviert.

"Schön, dass wir mal entspannt gewinnen und nicht bis zuletzt Herzrasen haben müssen", sagte Flensburgs Trainer Maik Machulla bei "Sky": "Wir haben viele kleine Baustellen, aber wenn die einzelnen Spieler so viel Verantwortung übernehmen, dann macht mich das stolz."

Im Verfolgerduell feierten die Rhein-Neckar Löwen den nächsten wichtigen Sieg. Eine Woche nach dem Erfolg gegen den THW Kiel (26:25) gewannen die Mannheimer ebenso knapp bei DHfK Leipzig mit 29:28 (15:16) und schoben sich mit nun 18:8 Punkten auf Rang vier vor. Leipzig (16:10) ist nur Achter. Auch die MT Melsungen (17:9) zog durch ein 29:27 (15:13) bei GWD Minden noch vorbei.

Beim Sieg in Lemgo ragte für Flensburg Rückraumspieler Magnus Röd heraus, der Norweger erzielte neun Tore. Bei den Rhein-Neckar Löwen war auch in der engen Schlussphase vor allem auf Jannik Kohlbacher Verlass, der sechs Tore erzielte. Der dänische Weltmeister Mads Mensah, der angeblich vor einem Wechsel nach Flensburg steht, kam auf fünf Treffer.


DHfK Leipzig - Rhein-Neckar Löwen 28:29 (16:15). - Tore: Binder (6), Mamic (5), Wiesmach Larsen (4), Weber (4), Janke (3), Semper (3), Krzikalla (2/2), Gabala (1) für Leipzig - Kohlbacher (6), Gensheimer (6/1), Petersson (5), Larsen (4), Schmid (4), Gurdiola Villaplana (1), Nielsen (1), Groetzki (1), Lagarde (1) für Rhein-Neckar. - Zuschauer: 4753 

TBV Lemgo Lippe - SG Flensburg-Handewitt 18:27 (9:13). - Tore: Elisson (4/1), Bartok (3), Carlsbogard (3), Cederholm (2), Theuerkauf (2), Klimek (1), Zerbe (1), Guardiola Villaplana (1), Hangstein (1) für Lemgo - Röd (9), Zachariassen (3), Jondal (3/3), Gottfridson (3), Jeppson (3), Svan (2), Golla (2), Sogard Johannessen (2) für Flensburg. - Zuschauer: 3679 

TSV GWD Minden - MT Melsungen 27:29 (13:15). - Tore: Rambo (6), Michalczik (6/2), Meister (5), Korte (3), Gulliksen (3), Reissky (2), Savvas (1) für Minden - Häfner (9), Reichmann (4/1), Allendorf (4), Kühn (4), Danner (2), Maric (2), Pavlovic (2), Lemke (1), Sidorowicz (1) für Melsungen. - Zuschauer: 2314


Die "Sky"-Stimmen zu DHfK Leipzig vs. Rhein-Neckar Löwen:

Jannik Kohlbacher (Rhein Neckar-Löwen) ...

... zum Spiel: "Wenn die Spiele so verlaufen wie heute oder wie gegen Kiel, dann ist das ganz in Ordnung. Natürlich arbeiten wir momentan im Training an der Konstanz, dass wir die Abläufe besser reinbekommen. Man sieht es ja relativ deutlich. Wir werfen zu viele Bälle weg, wir spielen Kreuzungen und spielen (Lukas) Binder zwei, drei Mal in der entscheidenden Phase den Ball in die Hände, so dass er zum Gegenstoß kommt. Da müssen wir einfach noch cleverer werden, die Bälle mehr in den Händen halten und mehr in die Eins-gegen-Eins-Situationen und dann zum Torabschluss kommen."

... zur Mentalität der Löwen: "Von den Charakteren her haben wir eine überragende Mannschaft. Jeder gibt immer Hundert Prozent. Das ist alles sehr professionell. Wenn man das über die Saison so ein bisschen betrachtet, haben wir eigentlich alles immer selbst in der Hand. In Hannover führen wir mit sechs Toren, spielen aber nur Unentschieden. In Erlangen steht es kurz vor Ende plus drei und wir spielen auch nur Unentschieden. Die Spiele müssen wir einfach gewinnen, dann sieht es auch wieder ganz anders aus. In Melsungen kann man verlieren, in Flensburg auch, in Berlin auch. Im Prinzip sind wir mit minus acht Punkten noch immer im Soll."

... auf die Frage, ob die Meisterschaft noch möglich sei: "Ja, definitiv. Von den Topmannschaften spielen wir nur noch in Kiel in der Rückrunde, den Rest bekommen wir alles zu Hause. Von daher haben wir die schwersten Aufgaben auswärts schon gelöst, wobei man mich da nicht falsch verstehen soll. Wir haben nicht nur einfache Spiele. Man hat gesehen, egal, wo man spielt, man muss immer bis zum Ende kämpfen. Daran werden wir anknüpfen und hoffentlich dann am Ende unsere Punkte noch sammeln."

Alexander Petersson (Rhein-Neckar Löwen) ...

... zu der wackligen Löwen-Leistung: "Wir können uns das auch nicht erklären. Wir haben einen neuen Trainer, ein neues System und neue Spieler. Wir müssen uns zusammenfinden und alle Spiele nutzen. Manchmal spielen wir nicht so souverän wie am Anfang, aber dann kämpfen wir uns zurück. Klar, das klappt nicht immer. Manchmal verlieren wir mit einem, manchmal spielen wir Unentschieden, aber heute haben wir gewonnen. Es ist eine schwere Phase, aber da müssen wir durch und zusammenhalten."

... zu seinem entscheidenden Tor: "Ich habe die Chance gesehen und es einfach ausgenutzt. Da überlegt man nicht so viel. Wenn du zu viel überlegst, wirfst du kein Tor."

Philipp Weber (SC DHfK Leipzig) ...

... zum Spiel: "Das war ein Auf und Ab der Emotionswelt. Wir haben vielleicht fünf, sechs, sieben Minuten, in denen wir einfach scheiße Spielen und die Rhein-Neckar Löwen mit vier, fünf Toren weggehen. Ansonsten haben wir die Mannschaft komplett im Griff. Was wir am Ende wieder für eine Aufholjagd machen, das ist einfach beeindruckend, wie hier der Kessel explodiert. Es macht einfach enorm Spaß, mit den Jungs auf dem Feld zu stehen. Dass wir jetzt wieder mit einem Tor zu Hause verlieren, ist natürlich bitter. Aber wir spielen auch gegen eine Spitzenmannschaft, die das gnadenlos ausgenutzt hat. Und dann sind sie einfach einen Tick cleverer als wir."

... zum Knick im Leipziger Spiel: "Die ersten 15, 20 Minuten, das kostet natürlich extrem Kraft. Wenn du jedes Mal nach vorne rennst nach jedem Tor oder gewonnenem Ball, das ist anstrengend ohne Ende. Dann schwinden natürlich auch die Kräfte und die Rhein-Neckar Löwen merken, dass sie mit ihrem eigenen Tempo auch zum Erfolg kommen können. Dann ist es eine Hetzjagd teilweise, da können die einfach ein bisschen besser wechseln als wir. Dann kommt es zu einfachen Fehlern, die am Ende den Sieg kosten."

... zu den zehn torlosen Minuten nach der Pause: "Wir haben viel zu viele einfache Bälle genommen, haben die Löwen unnötig stark gemacht, weil ich denke, dass wir sie absolut im Sack hatten. Das ist kein Geheimnis, dass wir gegen Topmannschaften zu Hause den Ton angeben können. Das haben wir über 50 Minuten gemacht, aber die zehn Minuten kosten den Sieg - und das tut weh."

Bastian Roscheck (SC DHfK Leipzig) ...

... zum Sieg in Melsungen (vor dem Spiel): "Das war extrem wichtig. Wir hatten auswärts oft Probleme in den letzten Jahren. Melsungen ist eine der Topmannschaften, deshalb gibt uns das natürlich Rückenwind."

... zur Stärke des Leipziger Spiels (vor dem Spiel): "Vor allem das Tempospiel ist echt gut. Wir schaffen es oft über 60 Minuten Tempo zu gehen. In den letzten Jahren war es eher so, dass wir es phasenweise gut gemacht haben. Das schaffen wir jetzt. Das ist natürlich extrem schwer dann zu verteidigen."

... zu den Rhein-Neckar Löwen (vor dem Spiel): "Wir sahen immer gut aus gegen die Löwen. Wir haben davor auch oft nichts geholt, aber das waren oft enge Spiele. Das ist auch für heute wichtig. Als Sportler spürst du ja, ob du als Mannschaft etwas holen kannst. Melsungen war auch so ein Gegner, bei dem wir wussten, dass wir etwas holen konnten. Wir rechnen uns natürlich auch für heute irgendwo eine kleine Chance aus."

Patrick Groetzki (Rhein-Neckar Löwen) ...

... auf die Frage, welche Auswirkungen der Sieg gegen Kiel auf die Mannschaft gehabt habe (vor dem Spiel): "Erstmal ein bisschen bessere Laune im Training dieser Woche. Wir hatten das Wochenende frei, weil wir kein Spiel hatten. Hoffentlich hat es uns ein bisschen mehr Sicherheit gegeben. Hoffentlich gibt es uns ein bisschen mehr Stabilität, aber das werden wir leider erst in den kommenden Spielen und auch heute sehen."

... zur aktuell engen Tabellensituation (vor dem Spiel): "Wir schauen einfach auf uns. Das hört sich ein bisschen langweilig an, aber ich glaube, jetzt von einem großen Angriff nach vorne zu sprechen, wäre ein bisschen vermessen, wenn man schon acht Minuspunkte auf dem Konto hat. Wir haben ein gutes Programm, vor allem im neuen Jahr, da haben wir fast alle Topmannschaften zu Hause - außer dem THW Kiel. Wir müssen aber auch schauen, dass wir dieses Jahr gut zu Ende kriegen. Sehr gut wäre natürlich, wenn wir keinen Punkt mehr abgeben. Das muss auch unser Ziel sein bis Jahresende. Da wollen wir heute anfangen, aber es wird sehr, sehr schwierig - heute und in den anderen Spielen auch."

... zu den Spielen gegen Leipzig in der vergangenen Saison (vor dem Spiel): "Das zweite Spiel hier kann man ein bisschen ausklammern, weil es das letzte Ligaspiel war. Bei uns war tatsächlich ein bisschen die Luft raus, aber wir haben uns auch in den letzten Jahren sehr schwer getan gegen Leipzig. Wir hatten viele knappe Spiele und auch unserer Meistersaison beispielsweise ein Spiel zu Hause, das eigentlich schon verloren schien und das wir am Ende noch gedreht haben. Deshalb wird es immer ein heißer Tanz, vor allem hier, weil hier immer eine Riesenatmosphäre in der Halle herrscht. Es muss wieder ganz viel passen, damit wir hier gewinnen können. Wir dürfen uns vor allem im Angriff nicht aus der Ruhe bringen lassen. Die Leipziger spielen immer eine sehr aggressive Abwehr mit vielen Emotionen und viel Beinarbeit, da müssen wir versuchen, unser Spiel durchzukriegen, nicht so viel in die Fouls reinzulaufen und den Ball gut laufen zu lassen. Dann hat man in jedem Angriff eine Chance, zu einer guten Wurfchance zu kommen."

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