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Pechstein provoziert Verband mit umstrittenen Vorschlag

08.11.2019 12:24
Claudia Pechstein sorgt mit ihren Äußerungen immer wieder für Wirbel
© Ronald Martinez, getty
Claudia Pechstein sorgt mit ihren Äußerungen immer wieder für Wirbel

Im deutschen Eisschnelllauf ist mal wieder alles neu. Eines bleibt unverändert: Claudia Pechstein geht ihren eigenen Weg und polarisiert.

Dem überraschenden Rücktritt der Verbandspräsidentin folgte prompt der Vorschlag von Claudia Pechstein. Stefanie Teeuwen hatte ihr Amt als Chefin der Deutschen Eisschnelllauf-Gemeinschaft (DESG) kaum niedergelegt, da brachte die fünfmalige Olympiasiegerin tatsächlich ihren Lebensgefährten Matthias Große als Nachfolger ins Spiel.

Via Facebook machte sich Pechstein für den Berliner Unternehmer stark und verkaufte ihn als einzig logischen Kandidaten. Das dürften im deutschen Eisschnelllauf-Lager nicht alle so sehen.

Pechstein, die ihr Umfeld in Gegner und Verbündete unterteilt, hat in Große ihren wichtigsten Unterstützer gefunden. Er tritt als lautstarker Anpeitscher auf, als Pressesprecher oder "Bodyguard", wie Pechstein es einmal formuliert hat. Sein Gehabe war vor allem in den Anfangsjahren ihrer Beziehung äußerst zweifelhaft. Die Liste der Beschwerden gegen Große ist lang.

Das verbleibende DESG-Präsidium, das derzeit nur noch aus Shorttrack-Vize Uwe Rietzke und Schatzmeister Dieter Wallisch besteht, will im Rahmen der internationalen deutschen Meisterschaften am Wochenende in Inzell das Interesse möglicher Kandidaten für die Position ausloten, die vorerst wohl nur kommissarisch besetzt wird.

Zur Personalie Große sagte Rietzke dem "SID": "Ich kenne den Herrn Große. Die Frage ist auch immer, was andere wollen und was er selber will. Das muss man miteinander erstmal schauen." Eine klare Absage war das nicht.

Gründe für den Teeuwen-Rücktritt unklar

Über die Gründe von Teeuwens Rücktritt wird derweil spekuliert. Im Hintergrund, so viel lässt sich sagen, rumort es bei der DESG, die vor dem Saisonstart bei den internationalen deutschen Meisterschaften am Wochenende eigentlich eine Aufbruchstimmung verbreiten will.

Der für den Kurz- und Mittelstreckenbereich zuständige Bundestrainer Danny Leger hat eine zehnköpfige Trainingsgruppe um Sprinter Nico Ihle etabliert. Die Athleten schwärmen von der neuen Struktur und starten mit Rückenwind in den Winter. Langstrecken-Spezialist Patrick Beckert, der weiterhin ein eigenständiges Trainingsprogramm in Erfurt verfolgt, lobt den Austausch mit Mehrkampf-Bundestrainer Erik Bouwman.

Der Niederländer war erst kürzlich unfreiwillig in den Mittelpunkt des Interesses gerückt. Der Grund: Claudia Pechstein. In der "Bild" hatte Pechstein den ein Jahr jüngeren Bouwman scharf attackiert. Dieser habe ihr mitgeteilt, "dass er keinen Bock darauf hat, dass ich mittrainiere", hatte sie gesagt. Eine Zusammenarbeit ist ausgeschlossen, die Berlinerin arbeitet nun mit dem polnischen Team.

Bouwman reagierte am Donnerstag in Inzell irritiert. Er habe Pechsteins Aussagen wahrgenommen. "Es ist nicht schön, das zu lesen", sagte er und äußerte zugleich seinen "großen Respekt" vor der Athletin Pechstein.

Pechstein geht ihren eigenen Weg

Die DESG versuchte, die Wogen zu glätten. Ein Austausch zwischen Verband und Pechstein finde weiterhin statt. "Sie informiert uns auch und wird als DESG-Athletin von uns gefördert", sagte Sportdirektor Matthias Kulik: "Wir respektieren sie als Athletin. Sie hat auch die Ziele, für Deutschland und am Ende auch für den Verband Erfolge zu feiern."

Zugleich stellte sich Kulik hinter Bouwman. Pechstein suche "als Individualisten auch manchmal die Konfrontation", sagte er: "Die letzten Jahre hatte ich immer das Gefühl, dass sie diese Reibung braucht."

Pechstein konzentriere sich auf ihre womöglich letzten Olympischen Spiele, "sie braucht ein eigenes Trainingsgefüge, das wir ihr nicht bieten können, mit Blick auf die Zukunft aber auch nicht bieten wollen. Claudia versteht auch, dass wir uns auf die Zukunft ausrichten."

Geht es nach Pechstein, gestaltet diese ihr Lebensgefährte.

 

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