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Washington steht kopf - auch ohne Donald Trump

16.10.2019 12:43
Die "Nats" stehen in der World Series
© Rob Carr, getty
Die "Nats" stehen in der World Series

Der Topstar ging weg, die Saison begann desaströs, die Playoff-Bilanz war verheerend: Die Washington Nationals haben trotzdem völlig überraschend die World Series in der Major League Baseball erreicht.

Bryce Harper wollte nicht mehr warten. Seit 2012 spielte er für die Washington Nationals, doch als sein Vertrag im vergangenen Herbst auslief, lehnte er das Angebot des Klubs über angeblich 300 Millionen Dollar für weitere zehn Jahre ab. Die finanzstarken Philadelphia Phillies boten dem 26 Jahre alten Superstar 330 Millionen Dollar für 13 Jahre, vor allem aber die verlockende Aussicht, endlich um die Meisterschaft in der Major League Baseball mitspielen zu können. Und dann kam alles anders.

Seit Dienstagabend stehen sie in Washington kopf, und daran ist ausnahmsweise nicht Donald Trump schuld. Die Nationals, von Harper verschmäht, feierten nach einem bemerkenswerten "sweep", einem 4:0 in der Best-of-Seven-Serie gegen die St. Louis Cardinals den Einzug in die World Series. Der Gegner ab Dienstag kommender Woche werden die Houston Astros oder die New York Yankees sein. "Wenn man sieht, woher wir kommen und was wir tun mussten, war das nicht leicht", sagte Chefcoach Dave Martinez und betonte zugleich: "Das Beste kommt noch."

Sensationssieg nach Horror-Start

In der Tat hatte die Nationals keiner auf der Rechnung. Nicht, nachdem Harper weggegangen war. Nicht, nachdem sie Ende Mai bei einer Bilanz von 19 Siegen und 31 Niederlagen standen - den Divisionsrivalen Phillies mit Harper konnten sie nicht mal mehr mit dem Fernrohr erkennen. Die Rufe nach einer Entlassung von Martinez wurden lauter, Pitcher Anibal Sanchez berichtete: "Ich habe damals einen Artikel gelesen in dem stand, dass wahrscheinlich das ganze Team weggeschickt wird." Und dann kam alles anders.

Die sogenannte reguläre Saison der MLB umfasst für jede Mannschaft 162 Spiele. Von den restlichen 112 gewannen die Nationals 74 - obwohl Martinez zwischenzeitlich mit Herzproblemen nicht zur Verfügung stand und ihr Bullpen, also ihre Einwechsel-Pitcher für spätere Innings, miserabel ist. Die Nationals schafften es in das Wild-Card-Spiel der National League, besiegten dort die Milwaukee Brewers und räumten in der ersten Playoff-Runde sensationell mit 3:2 Siegen den Titelfavorit Los Angeles Dodgers aus dem Weg.

"Manchmal muss man auf die guten Dinge eben warten"

Eine Mannschaft namens Washington Nationals hatte die World Series schon einmal erreicht - und sogar gewonnen, im Jahre 1924. Aus den damaligen Nationals wurden 1961 die Minnesota Twins. Die heutigen Nationals wiederum waren von 1969 bis 2004 die Montreal Expos, und wären sie vor 15 Jahren nicht in US-Hauptstadt umgezogen, gäbe es sie nicht mehr - die anderen Klubbesitzer hatten schon für eine Auflösung der Expos (und der Tampa Bay Rays) gestimmt. Das Warten in Washington auf einen Einzug in die World Series aber ging weiter.

Spätestens seit der Debütsaison von Harper galten die klug aufgebauten Nationals als reif für die Meisterschaft. Doch die Erwartungen füllten sich nicht. Zwischen 2012 und 2017 erreichten die "Nats" viermal die Playoffs - und schieden unter kuriosen oder dramatischen Umständen jeweils aus. Und jetzt das. "Manchmal muss man auf die guten Dinge eben warten", sagte der beliebte Routinier Ryan Zimmermann (35), der seit 2005 für die Franchise spielt. Und oft, ergänzte Martinez, "führen die holprigsten Straßen zu den schönsten Orten".

 

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