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Die Geschichten der sechs deutschen Medaillengewinner

Leichtathletik WM in Doha: Deutsche Sterne am Persischen Golf

31.10.2019 08:25
Niklas Kaul holte sensationell Zehnkampf-Gold
© Maja Hitij, getty
Niklas Kaul holte sensationell Zehnkampf-Gold

Korruptionsvorwürfe, kollabierende Marathon-Läufer im Rollstuhl, leere Zuschauerränge – es mangelte der Leichtathletik-Weltmeisterschaft in Katars Hauptstadt Doha wahrlich nicht an Negativschlagzeilen. Allen voran war die Leichtathletik WM in Doha für die Profis vor allem ein Kampf gegen die Hitze. 

Inmitten dieser aus vielerlei Hinsicht fragwürdigen Wettkämpfen schafften es sechs deutsche Medaillengewinner aufs Podium im Khalifa International Stadium. Diese Athleten schrieben nicht nur ihre ganz eigenen Erfolgsgeschichten und verzückten mit ihren Leistungen die deutsche Leichtathletik, sondern schürten auch Hoffnung für die Olympischen Spiele 2020 in Tokio.

"König der Athleten" - Niklas Kaul holt Zehnkampf-Gold

Dass Niklas Kaul ein großes Talent in der Königsdisziplin Zehnkampf ist, war vielen Experten schon vor den Meisterschaften in Doha klar. Dass er allerdings bereits bei seinem zweiten internationalen Großereignis die Weltelite hinter sich ließ, dass überraschte sogar den 21-jährigen Mainzer selbst.

"Es fühlt sich surreal an", gab er nach seinem Gold-Triumph zu. "Ich habe gedacht, dass der Tag gut wird. Aber so gut? Damit hätte ich nicht gerechnet." Kaul lag nach dem ersten Wettkampftag noch auf Rang Elf, doch dann gelang ihm eine furiose Aufholjagd bei den abschließenden fünf Disziplinen.

Ein dominanter Sieg im finalen 1500-Meter-Lauf krönte seine Goldleistung und lässt den Deutschen Leichtathletik-Verband von noch größeren Taten träumen. "Wir haben ein neues Gesicht, einen Sympathieträger, der uns für die Zukunft hoffen lässt", lobte DLV-Präsident Jürgen Kessing hinterher.

"Super-Mama" im Kugelstoßen - Christina Schwanitz gewinnt Bronze

Während Kaul in Doha seine Premiere auf der Weltmeisterschaftsbühne feierte, nahm Kugelstoßerin Christina Schwanitz bereits zum siebten Mal an diesem Großereignis teil. Ihre Bronzemedaille bewies, dass die Mutter von Zwillingen noch lange nicht zum "alten Eisen" gehört und weiterhin Frauen auf der ganzen Welt Mut machen kann.

"Ich will vorangehen und Frauen zeigen, dass man auch mit Kindern in der Weltspitze arbeiten kann", so die Titelträgerin von 2015. "Das ist für mich ein ziemlich starkes Ziel geworden, weil ich diese Vorbildfunktion toll finde."

Eine Medaille bei Olympischen Spielen fehlt der Dresdnerin noch, doch die Vorzeichen für Tokio 2020 stehen gut. Ihre Zwillinge verbringen künftig nämlich mehr Zeit ihm Kindergarten. Zeit, welche Schwanitz für mehr und härteres Training nutzen will.

Gesa Krause läuft mit Fleiß zu zweitem WM-Bronze

Von intensivem Training kann Ausdauerläuferin Gesa Felicitas Krause ein Lied singen. Bis zu fünf Monate im Jahr verbringt sie im Höhentrainingslager und an die 180 Laufkilometer absolviert die zweifache Europameisterin pro Woche. Ob draußen im Gelände, im Leichtathletikstadion, auf dem Laufband: Die harte Arbeit macht sich bezahlt – in Doha gewann sie nach 2015 ihr zweites WM-Bronze über 3000-Meter Hindernis.

Siegerin Beatrice Chepcoach aus Kenia drückte im Finale sofort aufs Tempo, doch die 27-jährige Krause bewahrte in der Verfolgergruppe die Ruhe. Am Ende kämpfte sich die Frankfurterin mit einer fulminanten Schlussrunde auf den dritten Rang.

"Hintenraus mobilisiert der Körper Kräfte, die man vorher nicht spürt", erklärte die Weltrekordhalterin über 2000 Meter. "Da gibt es kein Schmerzempfinden mehr." Zumindest nicht für jemanden, der so viel trainiert wie Krause.

Konstanze Klosterhalfen vom Nike Oregon Project lässt aufhorchen

Neben Krause sorgte mit Konstanze Klosterhalfen eine weitere deutsche Langstreckenläuferin in Doha für Furore. "Koko" bot über 5000 Meter den Kenianerinnen Helen Obiri und Margaret Chelimo Kipkemboi lange Paroli und lief in starken 14:28,43 Minuten zu Bronze.

Anschließend musste sich das Mitglied der umstrittenen Vereinigung "Nike Oregon Project" unangenehme Fragen bezüglich ihrer Trainingsgruppe gefallen lassen. Zu Beginn der WM wurde Cheftrainer Alberto Salazar aufgrund von Verstößen gegen Anti-Doping-Bestimmungen für vier Jahre gesperrt. Kein Thema, sagte Klosterhalfen.

"Ich weiß, dass es keine Athleten aus unserer Gruppe betrifft und mein Trainer heißt Pete Julian", sagte die Sportjournalismus-Studentin. "Deshalb freue ich mich schon wieder darauf, zurück nach Amerika zu gehen."

Auf Heike Drechslers Spuren – Malaika Mihambo springt zu Gold

Statt nach Amerika ging es für Weitspringerin Malaika Mihambo nach Thailand – in den wohlverdienten Urlaub. Mit im Gepäck hatte sie Erinnerungen an einen denkwürdigen Triumph und eine Goldmedaille, die sie lieber mit ihrer Mutter zurück nach Deutschland schickte, um sie nicht zu verlieren.

Kurz musste sie im Finale zittern, als sie nach einem schwachen ersten und ungültigem zweiten Versuch zum entscheidenden dritten Flug ansetzte. Was folgte war laut ihr der "Sprung ihres Lebens". Ihre persönliche Bestweite von 7,30 Meter entschied den Endkampf vorzeitig und weckte Erinnerungen an Heike Drechsler.

Die Olympiasiegerin von 1992 und 2000 verfolgte Mihambos Goldsprung aus ihrer Heimat Helsinki, köpfte zum Sieg der gebürtigen Heidelbergerin eine Flasche Champagner und traut ihr noch viel zu. "Sie wird eine ganz Große", prophezeite die deutsche Weitsprung-Legende freudig.

Johannes Vetter beendet "heftiges Jahr" mit Bronze

Ein ganz Großer seiner Zunft ist auch Johannes Vetter. Doch den 26-jährigen Speerwurf-Weltmeister von 2017 plagten die gesamte Saison mehrere Verletzungen. Umso bemerkenswerter ist, dass gerade er in Katar die Ehre der deutschen Speerwerfer mit seiner Bronzemedaille retten konnte.

"Ich habe heute nicht unbedingt Gold verloren, sondern Bronze gewonnen", erklärte Vetter hinterher im Bezug auf sein "heftiges Jahr". Aufgrund einer Knorpelabsplitterung im Fuß wird eine Operation der Schlusspunkt seiner Saison werden. Hierbei lindert seine hart erkämpfte Medaille mit Sicherheit ein Stück weit die Schmerzen.

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