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Gnabry-Show reicht nicht

Löws starke Not-Elf verspielt Sieg gegen Argentinien

09.10.2019 23:04
Deutschland belohnte sich nicht für eine starke erste Hälfte
© Dean Mouhtaropoulos, getty
Deutschland belohnte sich nicht für eine starke erste Hälfte

Joachim Löw nahm seine Debütanten herzlich in den Arm, der eine oder andere benötigte vor der Ansprache im Mittelkreis ein wenig Trost. Mit Klasse und Finesse hatte die deutsche Notelf ihre Fans begeistert - einen möglichen Prestigesieg jedoch verschenkte sie beim 2:2 (2:0) im Länderspielklassiker gegen Argentinien durch einen späten Einbruch. Angesichts von 13 Ausfällen konnte der Bundestrainer nach dem ersten Spiel ohne Weltmeister von 2014 seit dem WM-Titel aber zufrieden sein.

"Wir waren erst sehr mutig und beherzt, haben toll kombiniert. Das war richtig gut", lobte Löw am "RTL"-Mikrofon. "Die zweite Halbzeit war Argentinien dann doch stärker. Dann kamen ziemlich viele Ballverluste."

Nicht nur die sehenswerten Tore von Serge Gnabry (15.) und Kai Havertz (22.) hatten die lediglich 45.197 Zuschauer in Dortmund von den Sitzen gerissen. Die deutsche Elf, eine wahrscheinlich einmalige Verlegenheitslösung, spielte riskant und attraktiv, geriet dann aber heftig unter Druck - und hielt nicht stand. "Am Ende hat man gemerkt, dass wir eine neue Mannschaft waren", sagte Julian Brandt.


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Robin Koch, Luca Waldschmidt, Nadiem Amiri und Suat Serdar hatten erstmals das DFB-Trikot getragen. Für Argentinien trafen Lucas Alario von Bayer Leverkusen (66.) und Lucas Ocampos (85.).

Für Löw hätte es ein Abend tieferer Erkenntnisse sein sollen: ein Härtetest auf hohem Niveau, ein Jahr nach Beginn des Umbruchs. Dann kamen die Absagen - und mit ihnen kam der Frust. "Die Gesamtlage ist sehr angespannt und unerfreulich", sagte der Bundestrainer, noch bevor sich Jonathan Tah und Niklas Stark am Spieltag erkrankt abmeldeten.

Löw nahm die Einsicht mit, dass auf die zweite bis dritte Reihe Verlass ist. Sein letztes Aufgebot nahm die Neuauflage dreier WM-Finals stürmisch in Angriff. Neu im Team und damit die Debütanten 102 und 103 der Ära Löw waren zwei Freiburger: Mit der Feuertaufe Waldschmidts neben Gnabry war gerechnet worden, an den unaufgeregt spielenden Koch in der Innenverteidigung war hingegen bis zu dessen Nachnominierung kaum zu denken gewesen.


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Marc-Andre ter Stegen bekam im Tor die versprochene Chance anstelle von Manuel Neuer und hatte lange wenig zu tun; Toni Kroos, Julian Draxler und Matthias Ginter gehörten zu den vielen Fehlenden. Einziger Mann, der das WM-Finale in Rio gespielt hatte, war Argentiniens Innenverteidiger Marcos Rojo. Bei den Gästen fehlten neben dem gesperrten Weltfußballer Lionel Messi die Topstars Sergio Agüero und Angel Dí María sowie die besten Spieler der Großklubs River Plate und Boca Juniors.

Die deutsche Mannschaft machte das Beste daraus. Der auffällig starke Gnabry gefiel schon vor seinem Tor, das Lukas Klostermann vorbereitete. Brandt hatte kurz zuvor erstmals Torhüter Agustin Marchesin geprüft (14.): Die Gastgeber suchten das Risiko. Havertz schloss eine sehr gute Kombination über Klostermann und Gnabry perfekt ab.

Eine einstudierte Freistoßvariante hätte gegen lustlos verteidigende Gäste beinahe das 3:0 gebracht (27.), Marcel Halstenberg zirkelte den Ball an die Querlatte (31.). Auf der anderen Seite traf Rodrigo de Paul mit einem Fernschuss den Pfosten (33.) - das Spiel war reich an Höhepunkten.

Der bis dahin kaum eingebundene Waldschmidt eröffnete mit einem guten Abschluss die zweite Hälfte (48.), in der die Spielfreude nachließ. Kapitän Joshua Kimmich und Havertz erledigten in der Zentrale gut den Aufbau, Emre Can stieß ab und an mit Wucht nach vorne. Doch die nun stärkeren Argentinier kämpften sich kraftvoll zurück.

Weiter geht es für die deutschen Tabellenführer am Sonntag (20:45 Uhr/RTL und im sport.de-Live-Ticker) in der EM-Qualifikation. Das Duell mit Estland in Tallinn ist eine Pflichtaufgabe. Der geschonte Marco Reus und Timo Werner sollen dann wieder dabei sein. Neuer wird im Tor stehen.

 

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