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"Das Schwierigste war, ruhig zu bleiben"

Klosterhalfen gewinnt WM-Bronze und schreibt Geschichte

05.10.2019 20:51
Konstanze Klosterhalfen gewann die vierte deutsche Medaille bei der Leichtathletik-WM
© Alexander Hassenstein, getty
Konstanze Klosterhalfen gewann die vierte deutsche Medaille bei der Leichtathletik-WM

Konstanze Klosterhalfen schaute ein bisschen ungläubig, erst nach einigen Sekunden reckte sie den rechten Finger in die Luft. Und begriff dann mit der deutschen Fahne um den Schultern, dass sie Leichtathletik-Geschichte geschrieben hatte. Mit einem Wahnsinnslauf rannte Klosterhalfen bei der WM in Doha zu Bronze.

Die erst 22-Jährige musste sich nach 14:28,43 Minuten nur den beiden Kenianerinnen Helen Obiri (14:26,72) und Margaret Kipkemboi (14:27,49) geschlagen geben. Klosterhalfen holte damit als erste deutsche Läuferin über diese Distanz eine WM-Medaille und die vierte für das DLV-Team in Katar - trotz des ganzen Doping-Wirbels um Alberto Salazar.

"Das Schwierigste war, ruhig zu bleiben. In einem Sprintrennen eine Medaille rauszuholen, hätte ich nie gedacht", sagte Klosterhalfen in der "ARD". Obiri verteidigte mit einem Start-Ziel-Sieg erfolgreich ihren Titel und ist mit 29 Jahren und 296 Tagen die älteste Weltmeisterin der Geschichte über diese Distanz.

In Doha lieferte Shootingstar Klosterhalfen, die alle nur "Koko" nennen, endgültig ihr Meisterstück ab. Sie fuhr auch mal die Ellenbogen aus, um ihre Position zu verteidigen und verhielt sich taktisch sehr klug - immer knapp hinter der Spitze laufend. Fünf Runden vor Schluss waren dann nur noch sechs Läuferinnen vorne mit dabei, das Tempo wurde immer schneller. Doch Klosterhalfen hielt mit, musste Obiri und Kipkemboi erst in der letzten Kurve ziehen lassen.

Salazar-Schlagzeilen haben "nicht abgelenkt"

"Ich will mein bestes Rennen der Saison zeigen", hatte Klosterhalfen vor dem Finale gesagt. Mit ihrem deutschen Rekord von 14:26,76 Minuten, gelaufen Anfang August, war sie die Nummer zwei der Meldeliste - und damit natürlich eine Medaillenkandidatin. Doch so ein Finale ist dann ja doch etwas ganz anderes, Klosterhalfen aber blieb erstaunlich cool und lieferte ab.

Insgesamt sechs deutsche Rekorde hatte das "German Wunderkind" in diesem Jahr aufgestellt, doch erst jetzt ist sie ganz oben angekommen, setzte auch auf der ganz großen Bühne ein Zeichen nach all den Salazar-Schlagzeilen in den vergangenen Tagen.

Klosterhalfen trainiert ja seit Ende 2018 in den USA unter Pete Julian, seit April gehört sie offiziell dem umstrittenen Nike Oregon Project (NOP) an. Dessen bisheriger Cheftrainer und Gründungsvater Salazar war am Dienstag wegen Verstößen gegen die Anti-Doping-Regeln für vier Jahre gesperrt worden. Klosterhalfen wollte all das ausblenden - für den ganz großen Traum.

"Es hat mich gar nicht abgelenkt. Mich hat das nicht tangiert", sagte sie nach dem Finale. Tatsächlich geht es bei den Verfehlungen, die die US-Anti-Doping-Behörde USADA gegen den Trainer-Guru Salazar zusammentrug, um die Jahre 2010 bis 2014. Also um eine Zeit, in der Klosterhalfen noch nicht vor den Toren Portlands an ihrer Form feilte.

 

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