Anzeige

Turnerinnen verpassten WM-Teamfinale in Stuttgart

05.10.2019 21:55
Elisabeth Seitz ist bei der Turn-WM dabei
© Laurence Griffiths, getty
Elisabeth Seitz ist bei der Turn-WM dabei

Die Olympiatickets gelöst, aber das "Finale dahoam" äußerst knapp verpasst: Die deutschen Kunstturnerinnen waren am letzten Qualifikationstag der Frauen bei den Weltmeisterschaften in Stuttgart emotional zerrissen.

Zwar wurde das Minimalziel Tokio 2020 erreicht, aber allzu gern hätte die Riege des Deutschen Turner-Bundes noch einmal gemeinsam die grandiose Stimmung in der Hanns-Martin-Schleyer-Halle genossen.

Doch in der letzten von zwölf Vorrunden setzte sich Titelverteidiger USA erwartungsgemäß an die Spitze und verdrängte die WM-Gastgeberinnen auf den undankbaren neunten Platz. Nicht einmal ein Zehntelpunkt fehlte zu Rang acht, der die Teilnahme an der Medaillen-Entscheidung garantiert hätte.

Unter dem frenetischen Jubel ihrer Fans präsentierte Simone Biles wie angekündigt ihren "Triple-Double" aus Doppelsalto mit dreifacher Schraube am Ende der ersten Akrobahn. Diese Höchstschwierigkeit wird nun als "Biles" Eingang in das turnerische Regelwerk "Code de Pointage" finden. Gleiches gilt für den "Double-Double" als Abgang vom Schwebebalken.

Am Ende eines langen Tages überwog bei den deutschen Athletinnen die Freude über das Erreichte. "Wir sind bei Olympia, und da fallen uns jetzt wirklich Steine vom Herzen", sagte Cheftrainerin Ulla Koch, analysierte aber auch glasklar: "Wir haben am Freitag den einen oder anderen Fehler zu viel gemacht."

Einen Anteil am Erfolg hatten auch die enthusiastischen Besucher. "Das Publikum war nicht einfach nur da, es war für uns da", sagte Elisabeth Seitz geradezu schwärmerisch über die Atmosphäre in der Neckar-Metropole. An der Lokalmatadorin lag es nicht, dass bei den WM-Gastgeberinnen am Ende die Kirsche auf dem Kuchen fehlte. 7500 Zuschauer in der ausverkauften Arena bejubelten jedes noch so simple Übungsteil, das den Deutschen gelang.

Turn-Veteranin erlebt Enttäuschung

Am Dienstag (14:30 Uhr) wird es aber nicht zu einem Heimspiel im Finale kommen, was DTB-Sportdirektor Wolfgang Willam angesichts der TV-Liveübertragung nicht so recht schmeckte: "Leider hat das Team die eine oder andere Chance ausgelassen." Der 63-Jährige meinte damit in erster Linie die ehemalige Schwebebalken-Weltmeisterin Pauline Schäfer aus Chemnitz, die von ihrem Paradegerät stürzte. Auch WM-Neuling Emelie Petz hatte mit Nervosität zu kämpfen.

Dieses Problem hatte die routinierte Seitz erwartungsgemäß nicht. Die 25-Jährige erreichte souverän zusammen mit der Kölnerin Sarah Voss das Mehrkampf-Finale am Freitag (16:00 Uhr). Auch am Samstag ist die Olympiavierte Seitz an ihrem Spezialgerät, dem Stufenbarren, im Einsatz. In der Medaillenentscheidung möchte sie wie schon 2018 bei der WM in Doha Edelmetall gewinnen, seinerzeit war es Bronze. Voss steht am WM-Schlusstag in der Entscheidung am Schwebebalken.

Mit einer Enttäuschung endeten die Welttitelkämpfe für Oksana Chusovitina. Die mittlerweile 44 Jahre alte Turn-Veteranin scheiterte bei ihrem Versuch, beim Sprung noch einmal das WM-Finale zu erreichen. Die Usbekin, die von 2006 bis 2012 für den DTB an die Geräte ging, hatte an diesem Gerät 2003 WM-Gold und 2008 Olympia-Silber gewonnen.

Die WM wird am Sonntag (10:00 Uhr) mit der Qualifikation der Männer fortgesetzt. Die deutsche Riege geht im letzten Durchgang des Tages um 19:30 Uhr an die Geräte.

 

Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige