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Geschockte Klosterhalfen blendet Salazar-Affäre aus

02.10.2019 19:29
Konstanze Klosterhalfen will sich voll und ganz auf den Sport konzentrieren
© Alexander Hassenstein, getty
Konstanze Klosterhalfen will sich voll und ganz auf den Sport konzentrieren

Konstanze Klosterhalfen lächelte - zufrieden und auch ein bisschen erleichtert. "Ich war doch nervös", gestand die 22-Jährige nach ihrem mit Spannung erwarteten Auftritt bei der WM. Aber nicht wegen des ganzen Wirbels um die Doping-Schlagzeilen über Alberto Salazar hatte Deutschlands Laufhoffnung "Probleme", ihre "Nerven unter Kontrolle zu halten", vielmehr wollte die Medaillenkandidatin auf ihrer WM-Mission in Doha gleich ein Statement setzen.

Und das gelang Klosterhalfen auch mit ihrer souveränen Vorstellung im Vorlauf über 5000 m. Der Leichtathletik-Shootingstar lief in 15:01,57 Minuten auf Platz zwei ganz locker ins Finale und peilt dort am Samstag Großes an. "Ich will mein bestes Rennen der Saison zeigen", sagte die Leverkusenerin, die mit ihrem deutschen Rekord von 14:26,76 Minuten die Nummer zwei der Meldeliste ist.

Hinterher wich Klosterhalfen keiner Frage zu Salazar, gesperrter Cheftrainer und Gründer des umstrittenen Nike Oregon Projects (NOP), aus. Das seien "schockierende Nachrichten" und es mache sie auch ein "bisschen traurig", dass Salazar wegen Anti-Doping-Verstößen für vier Jahre gesperrt wurde.

"Verstehe komplett, dass die Fragen kommen"

Aber Klosterhalfen wisse, was beim NOP, dem sie offiziell seit April angehört, vor den Toren Portlands "passiert und was nicht passiert". Sie "verstehe komplett, dass die Fragen kommen", schließlich sei "klar, dass sich alle eher auf die negativen News stürzen."

Aber das Thema sei für sie gerade gar nicht so "wichtig, sondern das Finale", sagte Klosterhalfen, die schon tagsüber ganz entspannt durch die Lobby des deutschen Teamhotels geschlendert war. Im Endlauf kriegt sie es dann mit der Titelverteidigerin und Weltjahresschnellsten Hellen Obiri (14:52,13/Kenia) zu tun.

Klosterhalfen ließ auch durchblicken, dass sie nach der Saison trotz der jüngsten Entwicklungen weiter beim NOP trainieren will. Ein heikles Thema für den Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV), der sich gerne als Vorreiter im Anti-Doping-Kampf sieht. DLV-Generaldirektor Idriss Gonschinska äußerte sich sehr zurückhaltend zu dem Thema. "Letztendlich ist Konstanze eine mündige Athletin, die klar formuliert hat, dass sie jegliche Form von Manipulation verurteilt", sagte er und fügte an, dass "sie sich am Ende aber auch verantwortlich zeigt für Entscheidungen".

Salazar und der zweifelhafte Ruf

Salazar genießt schon lange einen zweifelhaften Ruf, über Jahre hatte die US-Anti-Doping-Behörde USADA gegen den Trainer-Guru ermittelt. Kronzeugen sagten gegen den 61-Jährigen aus, der unter anderem Stars wie Mo Farah zu Olympiasiegen führte.

Die Ermittlungen, die am Dienstag zur Suspendierung Salazars geführt hatten, beziehen sich auf die Jahre 2010 bis 2014 - damals gehörte Klosterhalfen, die in diesem Jahr insgesamt sechs deutsche Rekorde aufstellte, noch nicht zu dem elitären Team. Zudem wird sie in den USA von Pete Julian gecoacht, der 48-Jährige könnte jetzt zum Cheftrainer des NOP aufsteigen.

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