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"Biles and More" für zwölf Euro: Turnstar zum Schwabentarif

02.10.2019 12:51
Simone Biles begeistert die Massen
© Jamie Squire, getty
Simone Biles begeistert die Massen

Standing Ovations und spitze Schreie: Sogar beim offiziellen Podiumstraining in der Stuttgarter Schleyer-Halle riss WM-Superstar Simone Biles das Publikum mit. Und das zum schwäbischen Billigtarif von zwölf Euro.

"Biles and More" für schlappe zwölf Euro, da lässt sich der turnbegeisterte Schwabe nicht lange bitten. Und so kommen knapp 1000 Zuschauer in die Hanns-Martin-Schleyer-Halle, um Turnstar Simone Biles in Aktion zu sehen - wenn auch nur beim offiziellen Podiumstraining in der WM-Arena.

Das 1,42 m kleine Persönchen hat gerade den ersten Fuß in den Innenraum gesetzt, da hält es die Fans von acht bis 80 schon nicht mehr auf den Sitzen. Spitze Schreie, rhythmisches Klatschen, Wettkampfatmosphäre ohne Wettkampf sozusagen. Das angehimmelte Idol, ganz in glitzerblau gehüllt, lächelt huldvoll zurück und winkt einmal kurz.

Mehr geht auch nicht, denn die Rekord-Weltmeisterin ist am Boden dran, muss sich aber den Weg dorthin vorbei an zwei Kameras und einem Mikrofon bahnen. Und dennoch: Ungerührt von allem Trubel steht Biles nach ihrem schon jetzt berühmten Triple-Double mit gehocktem Doppelsalto rückwärts und dreifacher Schraube wie ein Eimer. Sie strahlt.

Unter das euphorisierte Publikum sollen sich auch Opa Ron und Oma Nellie gemischt haben. Bei ihnen wuchs die 22-Jährige auf, weil ihre drogenabhängige Mutter nicht für sie sorgen konnte. Der Großvater kümmert sich jetzt um Simones geschäftliche Dinge, seine Frau um das seelische Gleichgewicht des mittlerweile als Tochter adoptierten Mädchens.

"Wenn der Wettkampf vorbei ist, isst Simone gerne Pizza ..."

Kein leichter Job angesichts der Geschehnisse um die Mehrkampf-Olympiasiegerin von Rio de Janeiro von 2016. Auch Biles wurde vom langjährigen US-Teamarzt Larry Nassar mehrfach sexuell missbraucht, erst im August wurde ihr zwei Jahre älterer Bruder Tevin wegen Mordes und versuchten Totschlags angeklagt. Über all dies wird Biles in Stuttgart nicht sprechen.

Großmutter Nellie hat aber schon indirekt angedeutet, dass sich Biles zumindest von der über Jahre antrainierten extrem reduzierten Ernährung lösen konnte. "Wenn der Wettkampf vorbei ist, isst Simone gerne Pizza oder mal ein Eis", sagte sie der "ARD"-Sportschau.

Noch aber steht gesunde Sportlernahrung auf ihrem Ernährungsplan, so wie nach der überzeugenden WM-Generalprobe. Auch wenn Biles danach eigentlich mehr als Salat, Obst und Mineralwasser verdient hat.

Denn selbst als ihre Teamkolleginnen am Schwebebalken zittern, zieht sie im letzten Durchgang nervenstark voll durch. Kein Wanken, kein Weichen. Abgang vom Gerät mit dem neuen Double-Double - und aus der Halle mit Riesenapplaus.

Die schwäbischen Gaumenfreuden müssen nun warten bis zum 13. Oktober. Dann enden die Weltmeisterschaften für Biles und alle anderen Athleten mit einem feucht-fröhlichen Abschluss auf dem Cannstatter Wasen. Und, wenn sie mag, auch mit Maultaschen und Spätzle.

 

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