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Neues Chaos beim Deutschen Schwimm-Verband

01.10.2019 13:50
Christa Thiel leitet die Findungskommission für einen neuen Präsidenten des DSV
© dpa
Christa Thiel leitet die Findungskommission für einen neuen Präsidenten des DSV

Neuer Ärger statt Aufbruchssignal: Um die Spitze des Deutschen Schwimm-Verbandes gibt es reichlich Missstimmung. Ein harmonischer Neuanfang wird dem DSV bei seiner Mitgliederversammlung am Donnerstag in Kassel vermutlich nicht glücken.

Dabei war nach der erfolgreichen WM mit Doppelgold um Freistil-Ass Florian Wellbrock nun Ruhe an der DSV-Spitze mit einem neuen Präsidenten das große Ziel.

Ob es ein Tag der Einheit beim DSV wird? Schwer vorstellbar, denn es gibt auf jeden Fall auch Verlierer. Große Hoffnungen hatte der Verband in seine Findungskommission unter der Leitung von Christa Thiel gesetzt. Die Juristin, bis 2016 selbst 16 Jahre DSV-Präsidentin, sollte zusammen mit fünf weiteren Kommissionsmitgliedern einen möglichen Nach-Nachfolger finden.

Denn seit dem missglückten Verbandstag Ende 2018 mit Rücktritten von Präsidentin Gabi Dörries und Vize Andrea Thielenhaus ist der Vorstand eines der bedeutendsten deutschen Sportverbände nicht komplett.

Die Geschäfte wurden von den Vizepräsidenten Uwe Brinkmann und Wolfgang Hein, Leistungssportdirektor Thomas Kurschilgen sowie dem Jugend-Vorsitzenden Kai Morgenroth geleitet.

Die Empfehlung der Findungskommission: Peter Obermark (53 Jahre) soll neuer Präsident werden. Morgenroth sowie Ex-Schwimmerin Anne Poleska-Urban und der Jurist Klaus Woryna komplettieren das Kandidatenteam um den früheren Vize Obermark.

Kandidatenzahl bleibt geheim

Unabhängig von der Bewertung der Kandidaten ist ein großer Streitpunkt, ob die Kommission zwei oder vier Mitglieder suchen sollte. Beide Seiten berufen sich auf eine andere Formulierung. Schlange standen Bewerber für das Präsidentenamt aber nicht, wenngleich die Kandidatenzahl nicht verraten wird. Leichter machte das die Suche jedenfalls nicht.

"Für mich zeigt sich bei der für die Öffentlichkeit und das Ansehen des DSV wichtigen Wahl des Präsidenten, dass die Mitglieder in der Entscheidung der Findungskommission das erhoffte Aufbruchssignal nicht erkennen können und der vielfach geforderte "Neuanfang" auf präsidialer Ebene in Frage gestellt werden muss", sagte Kurschilgen.

Für die Versammlung in Kassel sind mehrere Szenarien denkbar: Die Wahl von vier Vorstandsmitgliedern, die Wahl von zwei neuen Vorstandsmitgliedern, aber auch eine Verschiebung der Wahl, wofür ein entsprechender Antrag vorliegt. Es gibt Zweifel, ob die Wahl eines Gesamtvorstandes überhaupt rechtlich möglich ist - im Streitfall müsste ein Gericht entscheiden.

Mitglieder schießen gegen die Verantwortlichen

Die Findungskommission brachte in ihrem Schreiben an die Mitgliederversammlung vom 24. September neben ihrer Empfehlung eine Menge Unmut zum Ausdruck.

Es habe sich der "Eindruck verfestigt, dass der amtierende Vorstand derzeit dem Wohl des DSV wenig zuträglich agiert" und "bewusst die Gefahr einer Spaltung des Verbandes" in Kauf nehme, bemängeln die sechs Mitglieder in einem Schreiben, das der "Deutschen Presse-Agentur" vorliegt. Im amtierenden Vorstand hat es für Irritationen gesorgt, dass aus den Gesprächen mit ihm zitiert wurde.

Kandidat Obermark positioniert sich klar für das vorgeschlagene Team. "Falls sich bei einer Wahl von nur zwei neuen Mitgliedern des Vorstands abzeichnet, dass nicht beide amtierenden Vorstandsmitglieder im Falle meiner Wahl zurücktreten würden, werde ich auf keinen Fall antreten", sagte er.

"Für uns vier war eigentlich immer klar, dass zwei Personen hinzugewählt werden", sagte Hein. Er und Brinkmann wollen weiter im Vorstand bleiben. Als früherer Weggefährte von Thiel wird Obermark nicht als der konsensfähige Kandidat für den proklamierten Neuanfang angesehen. Obermark selbst verweist darauf, dass aber auch Hein schon zu seiner Amtszeit dabei gewesen sei. In jedem Fall ist jetzt erstmal die Mitgliederversammlung am Zug.

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