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"Das war einfach nur Zeitverschwendung"

"Skandalös": Ricciardo teilt gegen Rennkommissare aus

24.09.2019 16:54
Daniel Ricciardo versteht seine Disqualifikation in Singapur nicht
© Clive Mason, getty
Daniel Ricciardo versteht seine Disqualifikation in Singapur nicht

Daniel Ricciardo musste am Sonntagmorgen in Singapur eine bittere Pille schlucken: Aufgrund eines illegalen MGU-K-Systems wurde der Renault-Pilot bis ans Ende der Startaufstellung versetzt. Der Australier war auch noch nach dem verkorksten Nachtrennen (P14) verärgert über die Entscheidung der FIA-Kommissare. Er forderte das Geld für sein Flugticket zurück, schließlich sei das Wochenende "reine Zeitverschwendung" gewesen.

"Das war skandalös", kann Ricciardo die harte Bestrafung nicht nachvollziehen. "Ich hatte eine sehr unruhige Nacht, da ich in meinem Kopf darüber nachdenken musste, warum eine Strafe so hart ausfallen würde." Konkret wurde dem Renault-Fahrer vorgeworfen, dass sein Energierückgewinnungssystem (MGU-K) kurzzeitig mehr als die maximal erlaubten 120 Kilowatt Leistung im Zeittraining freigegeben hat.

Die Kommissare, die in Singapur über die Strafe für Ricciardo entschieden haben, waren Tim Mayer (Chefkommissar), Enzo Spano, Nish Shetty (nominiert vom nationalen Motorsportverband in Singapur) und Mika Salo (Fahrerkommissar). An diese vier Herrschaften richtet Ricciardo auch seine Wutrede.

Ricciardo: "Dann löscht doch einfach meine Runde"

"Das [Vergehen] passierte einmal auf einer einzigen Runde. Wäre das in jeder Kurve die gesamte Session über aufgetreten, würde ich mich nicht beschweren. Aber das ist wie bei Streckenlimits", vergleicht er, "Du fährst zu weit raus, handelst dir einen Vorteil ein und deine Runde wird gelöscht."

Er habe durch die höhere Leistung keinen Vorteil gewonnen, betont Ricciardo außerdem. "Dennoch haben sie das Ergebnis gelöscht." Obwohl er disqualifiziert wurde, durfte er das Rennen am Sonntag mit einer speziellen Starterlaubnis bestreiten.

"Warum sollte man mit Leuten sprechen, die einem gar nicht zuhören?"

Ricciardo kündigt an, weiterhin seine Meinung frei zu äußern. Er fühlt sich hintergangen. "Sie machen das großartig auf der Strecke, lassen uns Rennen fahren, aber warum gibt man mir dann eine Strafe für etwas, was nicht einmal in meiner Macht liegt?", ist er verwundert.

Er hatte das Gefühl, dass sich die Kommissare ihre Meinung schon vor der Anhörung der Teamverantwortlichen gebildet hatten. "Warum sollte man mit Leuten sprechen, die einem gar nicht zuhören - daher dachten sie, ein Einspruch wäre das nicht wert." Renault legte demnach keinen Einspruch gegen das Urteil ein.


Mehr dazu: Regel-Wahnsinn: Ricciardo wegen 0,000001 Sekunden bestraft


Obwohl die Verantwortlichen belegen konnten, dass der Vorteil in einer Q1-Runde (nicht seine schnellste) entstand, als Ricciardo hart über einen Randstein fuhr. Dadurch hoben seine Räder kurz vom Boden ab, es kam zu Wheelspin - und dadurch für eine Mikrosekunde zu einer kaum messbaren Überleistung der MGU-K.

"Der Vergleich mit den Streckenlimits macht es am besten sichtbar, dort lassen sie Hausverstand walten. Wenn ich einen Vorteil daraus hatte, dann löscht meine Runde, aber gleich mein ganze Wochenende zu zerstören ...", ist Ricciardo nicht einverstanden und poltert: "Ich denke, sie sollten mir mein Business-Class-Ticket bezahlen. Das war einfach nur Zeitverschwendung, hierher zu kommen."

Masi: "Entweder du bist schwanger, oder eben nicht"

FIA-Rennleiter Michael Masi wurde nach dem Singapur-Rennen auf Ricciardos Vorwürfe angesprochen. Der Australier kann den Frust des 30-Jährigen verstehen. Jedoch hält er dagegen: "Wenn es um technische Verstöße geht, dann hat es Martin Brundle auf den Punkt gebracht: Entweder du bist schwanger oder eben nicht. Es kann nur eines von beiden sein."

Bei Verletzung des technischen Reglements gebe es keine Diskussion. Denn: "Persönlich denke ich, dass wir gefährliches Terrain betreten, wenn wir bei technischen Verstößen plötzlich Spielräume zulassen." Es gebe sowieso bereits Bereiche, die nicht überschritten werden dürfen.

Diese Spanne werde für alle gleich angewandt. Bei der Urteilsfindung sei auch absolut nebensächlich, ob der Fahrer einen Vorteil daraus zog oder nicht. Genau deshalb gebe es gewisse Toleranzgrenzen. FIA-Technikchef Jo Bauer hatte den Verstoß schließlich an die Kommissare weiterleiten müsse, als die 120 Kilowatt überschritten wurden.

 

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