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"Das war für uns eine rote Linie"

Abiteboul: Renault wollte Red Bull zum Werksteam machen

19.09.2019 12:49
Zwischen Renault und Red Bull herrschte irgendwann nur noch Eiszeit
© MST
Zwischen Renault und Red Bull herrschte irgendwann nur noch Eiszeit

Ende 2018 trennten sich die Wege von Red Bull und Renault. Die Franzosen hatten die Bullen zuvor seit 2007 mit Motoren beliefert und in diesem Zeitraum zwischen 2010 und 2013 viermal in Folge die Fahrer- und Konstrukteurs-Weltmeisterschaft gewonnen. Doch mit dem Beginn der Hybridära 2014 endete die Dominanz von Red-Bull-Renault. Es war der Anfang vom Ende der Partnerschaft.

"Bis zu einem gewissen Grad kann ich den Frust von Red Bull verstehen. Aber es ging bis zu einem Punkt, an dem nicht mehr das Produkt sondern die ganze Marke kritisiert wurde. Das war für uns eine rote Linie", erinnert sich der heutige Renault-Teamchef Cyril Abiteboul im Gespräch mit "F1 Racing" zurück. Red Bull hatte Renault seit 2014 immer wieder öffentlich kritisiert.

Dabei hätte alles ganz anders kommen können. "Wir wussten im Sommer 2015, dass wir zwei Optionen haben: die Formel 1 komplett verlassen oder als [Werks-]Team zurückkehren", verrät Abiteboul. Es sei keine Option gewesen, nur als Motorenhersteller zu bleiben. Seit 2016 sind die Franzosen nun wieder mit einem eigenen Werksteam in der Formel 1 am Start. Doch es hätte auch noch eine weitere Möglichkeit gegeben.

Abiteboul: Hätten uns auf Motor konzentrieren sollen

"Wir haben Red Bull den Vorschlag unterbreitet, unsere Zusammenarbeit neu zu strukturieren und ein echtes Red-Bull-Renault-Team aufzubauen", verrät Abiteboul und ergänzt: "Aber das wollte Red Bull eindeutig nicht. Sie wollten all ihre Ressourcen auf das Chassis fokussieren, um dort dominant zu sein. Aber wenn man sich Mercedes anschaut, dann haben sie ihre Dominanz nicht so aufgebaut."

"Mercedes hat andere Entscheidungen getroffen", erklärt er. Die Silberpfeile seien in der Lage gewesen, "Ressourcen je nach Notwendigkeit zu verschieben." Abiteboul erinnert: "Damals [zu Beginn der Hybridära] gewann man Rennen, wenn man den besten Motor hatte." Deswegen habe Mercedes in diesen Jahren deutlich mehr Geld in den Motor als das Chassis gesteckt.

"Das hätten wir auch tun sollen", sagt Abiteboul und erklärt: "Wir hätten in der Lage sein sollen, ein Modell mit Red Bull zu entwickeln, das es uns erlaubt hätte, die maximalen finanziellen Ressourcen für den Motor zu verwenden - egal ob sie von Red Bull oder Renault gekommen wären. [...] Dieser Vorschlag wurde abgelehnt, und es war klar, dass wir auf dieser Basis nicht als Motorenhersteller bleiben können - oder als Partner."

Auf die Frage, ob es bereits zuvor Spannungen zwischen Red Bull und Renault gegeben habe, antwortet er: "Da muss ich mich ein bisschen distanzieren." Denn 2012 verließ Abiteboul Renault selbst zwischenzeitlich und war 2013 und 2014 Teamchef bei Caterham. Er habe die Franzosen unter unter anderem verlassen, weil er merkte, "dass die Dinge nicht in die richtige Richtung gehen."

Mercedes legte Grundstein bereits 2007

"Wir haben nicht auf dem richtigen Level investiert und waren nicht schnell genug, die richtigen Leute einzustellen", gesteht Abiteboul und erklärt, Renault habe sich zu lange auf den aussterbenden V8-Motor konzentriert. "Wir haben nicht für die Zukunft gearbeitet, und das war ein gewaltiger Fehler", räumt er ein. Deswegen habe man ab 2014 so große Probleme gehabt.

"Ich war damals [bei Caterham] ein Kunde, daher kann ich aus dieser Perspektive sagen, dass Renault beim Verständnis des ganzen Konzepts und der Ausführung des Produkts massiv zurücklag", gesteht Abiteboul. Im Hinblick auf Red Bull erklärt er allerdings: "Kritik in den Medien löst das Problem nicht. Das Problem war massives Underinvestment bei der Technologie und den Leuten."

Tatsächlich gingen die Probleme bei Renault bis ins Jahr 2007 zurück. "Flavio [Briatore] wollte [Renaults Motorenabteilung in] Viry damals komplett dichtmachen", berichtet Abiteboul und erklärt, dass Mercedes im gleichen Zeitraum sehr viel investiert und eine Menge Lobbyarbeit bei den Regeln betrieben habe. Das sei "sehr smart, sehr clever" von den Silberpfeilen gewesen.

"Was wir heute erleben ist das Resultat von Entscheidungen, die Mercedes 2007 getroffen hat", ist sich Abiteboul sicher. Mercedes gewann seit 2014 fünfmal in Folge Fahrer- und Konstrukteurs-WM und steht 2019 vor dem sechsten Titelgewinn in Serie. Renault wartet mit dem eigenen Werksteam seit dem Comeback in der Saison 2016 noch immer auf den ersten Podestplatz.

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