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"Ich kann mich ja nicht selbst aufstellen"

Shootingstar Havertz bei Löw weiter nur Ersatz

10.09.2019 12:10
Kai Havertz wurde erst zur zweiten Hälfte eingewechselt
© Alex Grimm, getty
Kai Havertz wurde erst zur zweiten Hälfte eingewechselt

Kai Havertz bewies in Nordirland als Joker, warum ihn viele Experten schon jetzt als Stammspieler in der Nationalmannschaft fordern. Doch Bundestrainer Joachim Löw bittet um etwas mehr Geduld.

Deutschland hat bekanntlich 80 Millionen Bundestrainer, und auch Kai Havertz hätte offenbar gerne die Entscheidungsmacht von Joachim Löw.

"Ich kann mich ja nicht selbst aufstellen", sagte das Ausnahmetalent auf die Frage, warum es für ihn auch beim mühsamen 2:0 (0:0) der deutschen Fußball-Nationalmannschaft in Belfast gegen Nordirland nicht zur Startelf gereicht hatte. Trotz zahlreicher Ausfälle. Trotz der Fürsprache vieler Experten. Trotz seiner unbestrittenen Qualitäten.

Etwa zeitgleich bekam im Presseraum des Windsor Parks auch der einzig wahre Bundestrainer diese Frage gestellt. Schließlich hatte Havertz nach seiner Einwechslung (68.) mit der Vorlage zum 2:0 durch Serge Gnabry (90.+2) und weiteren gelungenen Aktionen seinen Anteil am wichtigen Auswärtssieg in der EM-Qualifikation. Löws Antwort hatte fast philosophischen Charakter.

"Vertrauen in einen Spieler", sagte der 59-Jährige, "hat nicht immer nur was mit der Aufstellung zu tun." Sondern offenbar auch mit Geduld. "Kai Havertz hat wahnsinnige Qualität", ergänzte Löw, "aber Serge Gnabry oder andere haben auch ein bisschen gebraucht, bis sie in der Mannschaft waren."

Lothar Matthäus fordert Kai Havertz

Mit den "anderen" war wohl auch Leroy Sané gemeint. Den Offensivstar hatte der Bundestrainer vor der WM 2018 aus dem Kader gestrichen - das Ergebnis ist bekannt. Deutschland flog mit Schimpf und Schande aus dem Turnier, Sané stieg anschließend in Rekordzeit zum unumstrittenen Star der Mannschaft auf - bis ihn eine schwere Knieverletzung stoppte. Die bange Frage der Fans lautet nun: Verkennt Löw in Kai Havertz erneut einen Jungstar?

Ganz so weit ist es nicht. Löw schätzt den 20-Jährigen enorm, er will den Leverkusener behutsam zu einem Leistungsträger im DFB-Team formen. Er sei "wahrscheinlich der Spieler der nächsten Jahre", betont Löw bei jeder Gelegenheit.

Doch viele Experten sehen in dem fußballerisch wohl komplettesten deutschen Spieler schon jetzt eine feste Stammkraft. Vor dem Nordirland-Spiel forderte Rekord-Nationalspieler Lothar Matthäus in Richtung des Bundestrainers: "Meiner Meinung nach muss er Kai Havertz bringen, denn er ist in Topform."

BVB-Profi Julian Brandt erhielt den Vorzug

Doch Löw stellte lieber Julian Brandt auf die durch eine Systemänderung zusätzlich frei gewordene Offensivposition. "Dafür wird es sicher den ein oder anderen Grund geben", sagte Havertz, und fast schien es, als müsste er sich die Gründe selbst zusammenreimen: "Ich glaube, es gibt viele Spieler, die noch mehr Erfahrung als ich haben."

Öffentlich stellt Havertz nach nur fünf Länderspielen keine Ansprüche. Wenn er sich wie gegen Nordirland und drei Tage zuvor in Hamburg gegen die Niederlande (2:4) nur als "Joker" beweisen darf, "dann ist es so", sagte er, "da bin ich dann auch mit zufrieden. Ich bin keiner, der sich in den Vordergrund stellt. Für mich steht die Mannschaft im Vordergrund."

Deshalb ist Havertz auf Brandt auch keineswegs sauer. Außerdem kann er es seinem Leverkusener Ex-Kollegen, der seit dieser Saison bei Borussia Dortmund spielt, im direkten Duell am Samstag "heimzahlen". Dann - so viel ist sicher - steht Havertz in der Startelf.

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