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Einzigartig dominant: Boll und Co. zu stark für Europa

09.09.2019 13:52
Timo Boll und das DTTB-Team sind Europameister
© Matt Roberts, getty
Timo Boll und das DTTB-Team sind Europameister

Ihre Siegesfeier nach der denkwürdigen Tischtennis-EM verlegten Timo Boll und Jörg Roßkopf kurzerhand auf das Hotelzimmer. Sollten die Jüngeren doch ausgehen, im Nachtleben von Nantes den Titel begießen, der Routinier und sein Bundestrainer hatten Besseres vor. "Wir haben die NFL-Saison eingeläutet", erzählte Football-Fan Roßkopf, "wir haben gemeinsam geschaut und gefachsimpelt."

Boll und Roßkopf haben mit der Nationalmannschaft so viel erlebt, dass sie kein rauschendes Fest mehr brauchen, selbst dann nicht, wenn die Medaille ganz besonders golden glänzt. Beide wissen die einzigartige Dominanz in Europa einzuordnen. Roßkopf sagte nach dem Turniersieg ohne Matchverlust sogar: "Wenn wir in dieser Form zur Team-WM oder den Olympischen Spielen 2020 reisen, werden wir sicher nichts gewinnen."

Die Turniere in Busan/Südkorea und Tokio stellen für Boll und Co. die ultimativen Herausforderungen dar, den EM-Titel nahmen sie dagegen beinahe im Vorbeigehen mit. Boll kam "mehr oder weniger aus dem Urlaub" (Roßkopf) nach Nantes, auch die ebenfalls nicht bezwingbaren Dimitrij Ovtcharov und Patrick Franziska kamen ohne nennenswerte Vorbereitung aus. Für die Duelle mit China, Japan oder Südkorea wird das deutsche Top-Trio mehr Anlauf benötigen.

Die Zeit dafür ist da, nach den Erfolgen bei den Europaspielen in Minsk können Deutschlands Spitzenspieler auf kräftezehrende Qualifikationsturniere für Tokio verzichten. Auch am Selbstvertrauen mangelt es nicht, Franziska sprach nach der Machtdemonstration in Nantes von der "vielleicht" besten deutschen Mannschaft der Geschichte: "Vielleicht haben wir eine so große Chance auf den ganz großen Coup wie noch nie."

"Der Weg bis nach Tokio ist weit"

Roßkopf freut die Ansage seiner Nummer drei, wie seine Schützlinge ist auch er "heiß auf die großen Titel". Er weiß jedoch auch, dass der EM-Durchmarsch keine Rückschlüsse für die Höhepunkte im kommenden Jahr zulässt. "Der Weg bis nach Tokio ist weit, dort müssen wir fünf Spiele in der Gruppe absolvieren. Timo und Dima sind über 30 und Patrick war schon häufiger angeschlagen", sagte Roßkopf. Er hat längst gelernt: Für den ganz großen Coup muss alles passen.

Auch die Form der oft übermächtigen Gegner aus China. Die leisten sich jedoch nur sehr selten einen Durchhänger, fast ausgeschlossen ist er bei den größten Turnieren des Tischtennisjahres. WM-Gastgeber Südkorea und die Japaner bei den heimischen Sommerspielen werden ebenfalls besser besetzt sein als Portugal, Frankreich oder Russland bei der EM. Springt in Busan oder Tokio dennoch Gold heraus, dürften sogar Boll und Roßkopf ihre gemütlichen Hotelzimmer für die Siegesfeier verlassen.

 

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