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"Schwer, gegen sie zu argumentieren"

Super-Bowl-Champ? Vollmer und Kuhn setzen auf die Patriots

09.09.2019 11:16
Die Patriots sind auch in diesem Jahr der Favorit auf den NFL-Titel
© Maddie Meyer, getty
Die Patriots sind auch in diesem Jahr der Favorit auf den NFL-Titel

Am Wochenende ist die 100. Saison der NFL gestartet. Die früheren Football-Profis Sebastian Vollmer (New England Patriots) und Markus Kuhn (New York Giants und New England Patriots) sprechen im Interview über ihren Saisonfavoriten, die Posse um Antonio Brown und ihren neuen Job als Kommentatoren beim Livestreamingportal "DAZN".

Herr Vollmer, Herr Kuhn: Was muss passieren, damit die New England Patriots nicht auch in dieser Saison den Super Bowl gewinnen?

Vollmer: Vieles. (lacht) Es ist wirklich schwer, gegen sie zu argumentieren. Normalerweise geht Tom Brady (Patriots-Quarterback/d. Red.) in eine Saison und hat zumindest ein Receiver-Corps ohne Superstars. Jetzt hat er die Chance, mit Josh Gordon, Antonio Brown, Julian Edelman und Demaryius Thomas wirklich was zu reißen. Bei den übrigen Teams blieben eigentlich nur die Kansas City Chiefs. Deren Quarterback Patrick Mahomes wird noch einmal besser werden.

Kuhn: Gegen die Patriots anzukommen, wird schwer, nachdem sich das Team eher verbessert als verschlechtert hat. Ich glaube, es gibt vier Receiver, die jemals über 1600 Yards hatten und drei davon sind jetzt bei den Patriots. Das ist der absolute Wahnsinn. Da haben alle anderen Teams ganz schön was aufzuholen, um auf dem Level zu spielen.

Einer der genannten Receiver ist Antonio Brown, der nach einer von zahlreichen Skandalen geprägten Posse von den Oakland Raiders entlassen wurde und nun für ein Jahr in New England spielen wird. Wie haben Sie den Fall Brown beobachtet?

Vollmer: Er weiß halt, wie gut er ist und nimmt sich bestimmte Dinge heraus, die sich ein anderer Spieler nicht herausnehmen kann. Ich glaube aber, dass die Patriots das Teams sind, das ihn zügeln kann. Damit er sich dem Team und der Chancen, einen Super Bowl zu gewinnen, unterordnet.

Eine Traumehe für immer wird es aber nicht?

Kuhn: Dieser strengen Art, ein Team zu führen, muss man sich beugen. Und ich glaube, das hält ein so extremer Charakter wie Antonio Brown nicht lange aus. Deswegen glaube ich auch nicht, dass er länger als ein Jahr dort spielt. Zudem hätte man die Situation bei den Raiders besser lösen müssen. Die Helme zweimal und davor die Füße eingefroren. Bei einem Profi, der so viel Geld verdient, muss das besser laufen.

Vollmer: Du musst ja schon fast fragen, ob das nicht absichtlich war (lacht). Markus hat es aber schon richtig gesagt. Ich zum Beispiel bin als Spieler nicht um den Block spazieren gegangen oder Schlitten gefahren im Winter, damit ich mir nicht den Knöchel verdrehe. Und er geht da mit nassen Socken in die Kältekammer...

Wie passen Brown und Bill Belichick, der berühmte und strenge Coach der Patriots, zusammen?

Vollmer: Sehr gut. Bill ist hervorragend mit Spielern, die ablenkend sind. Er kann sie dem Team unterordnen. Da hat er dem Raiders-Coach Jon Gruden etwas voraus. Er füttert ihn nicht, sondern sagt ihm: ganz oder gar nicht.

Kuhn: Manche Starspieler sehen sich als wichtiger an als den Headcoach. Und bei den Patriots hat einfach jeder Spieler so viel Respekt vor Bill Belichick, dass er weiß: Das ist der größte Coach, den es jemals gab. Gegen den darf ich mich nicht zu arg aufbäumen.

Vollmer: So einen Coach wie Bill kann es einfach nicht noch einmal geben. Wie er die Spieler behandelt, geht auch nur, weil er erfolgreich war. Im Umkehrschluss kannst du keiner sein, der noch nie gewonnen hat, dann aber fast respektlos zu seinen Spielern ist und ihnen dann sagt: 'Wenn du machst, was ich sage, gewinnst du.' Ihm glaubst du das aber.

Eine weitere polarisierende Personalie des Sommers war Ezekiel Elliott von den Dallas Cowboys, der sich zum bestbezahlten Runningback gestreikt hat. Er bekommt in sechs Jahren 90 Millionen US-Dollar, 50 davon garantiert. Kann ein Spieler in der NFL so etwas in der Form durchziehen?

Kuhn: Ja, denn es hat funktioniert. Das ist immer die einfachste Antwort. Er ist so viel wert, denn er bekommt so viel bezahlt. Ich sehe jedoch bei den Dallas Cowboys auch die mit stärkste Offensive Line der Liga. Da würde vielleicht auch der ein oder andere unterklassigere Runningback genauso gut aussehen.

Vollmer: Als Ex-Spieler möchte ich, dass jeder Spieler so viel Geld wie möglich bekommt. Denn am Ende erreicht es auch die anderen Spieler. Auch der nächste Runningback kann sagen: 'Ich bin zwar nicht gut wie er, aber er hat 90 Millionen bekommen, also will ich 70.'

Warum rufen NFL-Spieler in Auseinandersetzungen mit ihren Klubs immer wieder zum Arbeitskampf?

Vollmer: Streik ist das einzige Mittel, das der Spieler hat. Das andere wäre, dass die Eigentümer sagen würden, dass alle Vertragssummen garantiert sind. Da kommst du aber nicht hin, denn den Druck hat die Spielergewerkschaft nicht. Das ist zum Beispiel in der NBA anders. Zudem geht Streik ja auch nur bei Spielern, die die besten auf ihrer Position sind. Jeder andere würde sofort entlassen werden.

Sie beide sind auf DAZN in dieser Saison als Kommentatoren-Duo beim prestigeträchtigen 'Monday Night Football' im Einsatz. Wie gehen Sie an die neue Aufgabe heran?

Vollmer: Wir wollen einfach etwas Neues machen. Wir sind zwei Ex-Sportler, die extremes Insiderwissen haben. Es ist auf jeden Fall eher ein Entertainment-Produkt als nur Fachwissen raushauen. Wenn du mit mir um 2.30 Uhr nachts da sitzt, dann will ich dich auch entertainen. Nicht, dass du um 2.45 Uhr einschläfst.

Kuhn: Am Donnerstag und am Montag gibt es einfach nur ein Spiel. Als Spieler weißt du, dass jeder Football-Fan in Amerika dieses Spiel schaut. Deswegen war das auch für uns eine Besonderheit. Als Kommentatoren haben wir dann einfach unseren eigenen Style und eine Beziehung abseits der Kommentatorenkabine - und das spürt man auch. Ein Offense-Spieler und ein Defense-Spieler, die den Fans in Deutschland einiges zeigen können.

 

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