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Spätstarterin Poll: "Echt ein Glücksgriff"

04.09.2019 12:55
Jana Poll spielt ihre erste EM
© Takashi Aoyama, getty
Jana Poll spielt ihre erste EM

Jana Poll hat es über ungewöhnliche Wege in die Nationalmannschaft geschafft. Mit 31 Jahren spielt sie ihre erste EM als Starterin.

Der Sport als Lebensmittelpunkt, das kam für Jana Poll eigentlich nicht infrage. "Meine Priorität lag voll auf dem Beruf und gar nicht auf Volleyball. Ich konnte mir auch nicht vorstellen, Profi zu werden", sagt die Außenangreiferin im Gespräch mit dem "SID".

Poll spielt ihre erste Europameisterschaft als Starterin, mit 31 Jahren ist sie die Älteste im Team. "Ich habe immer gesagt, Jana ist in allem ein bisschen später", sagt Bundestrainer Felix Koslowski über eine seiner Leistungsträgerinnen und muss schmunzeln: "Sie ist ein absoluter Spätstarter."

Poll fand, anders als ihre teils deutlich jüngeren Teamkolleginnen, über Umwege in die Nationalmannschaft, berufen wurde sie erstmals mit 25. "Ich komme nicht aus einer Sportlerfamilie, das war für meine Eltern Neuland. Daher gab es zwar viele Angebote für diverse Sportinternate, jedoch waren meine Eltern strikt dagegen. Priorität hatten immer die Schule und eine abgeschlossene Ausbildung", sagt Poll.

Mit acht Jahren absolvierte Poll erstmals ein Training bei ihrem Heimatverein Union Meppen, ihr Talent blieb auch den Verantwortlichen beim Deutschen Volleyball-Verband (DVV) nicht verborgen. Für Poll hingegen blieb der Sport lange Zeit Hobby.

Neben ihrem Engagement beim Zweitligisten SCU Emlichheim absolvierte sie eine Ausbildung zur Heilerziehungspflegerin, die sie 2008 erfolgreich abschloss. Ihren Wechsel zu den Ladies in Black Aachen in die höchste deutsche Spielklasse knüpfte sie an die Bedingung, dort auch eine Stelle zu erhalten.

Klub stellte sich professioneller auf 

39,5 Stunden die Woche arbeitete Poll fortan bei der Aachener Lebenshilfe und kümmerte sich um Menschen mit Behinderung, hinzu kamen Training und Spiele. "Im zweiten Jahr unter der Doppelbelastung war ich so erschöpft, dass ich die Forderung an den Verein stellte: Entweder ein Auto zur freien Verfügung oder ich höre auf. Bis dato musste ich ich alle Strecken mit dem Linienbus fahren, was auf Dauer einfach eine Zumutung war", erzählt Poll.

Der Verein stellte den fahrbaren Untersatz zur Verfügung, Poll konnte weiter Berufserfahrung sammeln, was ihr sehr wichtig war. Nach zwei äußerst anstrengenden Jahren stellte sich der Klub professioneller auf, Poll wurde bei der Lebenshilfe beurlaubt und konzentrierte sich auf den Sport.

Koslowski: "Jana hat Riesenanteil"

Ein Glücksfall. 2013 holte Koslowski sie erstmals in die Nationalmannschaft - sechs Jahre später war sie zur Stelle, als Stammspielerin Hannah Orthmann verletzungsbedingt ausfiel. Poll rutschte für die EM in die erste Sechs. "Wir haben unser Spielsystem ein bisschen umgestellt. Das funktioniert besser, als wir es uns alle erträumt hätten, und daran hat Jana einen Riesenanteil", so Koslowski, der mit seinem Team das Viertelfinale erreicht hat.

Nach dem Turnier geht es für Poll in Italien weiter, bei Erstliga-Aufsteiger Volalto Caserta. Eigentlich hatte Aachen die Nationalspielerin zurückholen wollen, doch aufgrund finanzieller Unwägbarkeiten musste der Klub von dem Vertrag zurücktreten.

"Das ist echt ein Glücksgriff gewesen, dass ich noch etwas gefunden habe, und dann auch noch in Italien. Denn es ist sonst in dieser Zeit superschwer, weil alle Vereine eigentlich voll sind", sagt Poll und freut sich auf das neue Abenteuer. Umwege haben ihr schließlich noch nie geschadet.

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