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Deutschen Ruderern fehlt trotz Doppel-Gold die Breite

02.09.2019 13:26
Oliver Zeidler war einer der wenigen Lichtblicke bei der WM
© Naomi Baker, getty
Oliver Zeidler war einer der wenigen Lichtblicke bei der WM

Die Erfolge von Oliver Zeidler und des Achters haben die dürftige WM-Bilanz der deutschen Ruderer in den Hintergrund gedrängt. Ein Jahr vor Tokio fehlt es in der Breite.

Das Doppel-Gold am Finaltag der Ruder-WM konnte Ralf Holtmeyer nicht blenden. Zahlreiche Baustellen hatten dem leitenden Bundestrainer zu diesem Zeitpunkt längst tiefe Sorgenfalten ins Gesicht getrieben.

"Wir können insgesamt nicht zufrieden sein", sagte Holtmeyer, "die Titel übertünchen die Leistungen." Er weiß trotz des goldenen WM-Hattricks des Achters und des Erfolges von Einer-König Oliver Zeidler nur zu genau: Vielen anderen deutschen Booten fährt ein Jahr vor Olympia in Tokio die Zeit davon.

Linz hat gezeigt, dass es in der Breite gewaltig hapert. Nur noch eine weitere Bronzemedaille in den olympischen Klassen gab es durch Jonathan Rommelmann/Jason Osborne im Leichtgewichts-Doppelzweier, nur sechs von 14 Booten holten einen Quotenplatz für Tokio. Neun bis zehn Japan-Tickets hatte sich der DRV erhofft - eine ernüchternde Bilanz.

"Von fünf möglichen Titelchancen bei Olympia sind wir noch weit weg", sagte Holtmeyer mit Blick auf das kommende Jahr. Bei gleich acht Booten muss der DRV um die Olympia-Teilnahme bangen, vor vier Jahren waren es nur fünf gewesen. Die letzte Chance gibt es im Mai bei der Nach-Qualifikation auf dem Rotsee in Luzern.

Bis zu den beiden Befreiungsschlägen am Schlusstag hatte der DRV mit zahlreichen Enttäuschungen zu kämpfen. Der Doppelvierer der Männer mit dem zweimaligen Olympiasieger Karl Schulze landete im Finale abgeschlagen nur auf Platz fünf. Und das Frauen-Quartett, das im Juni noch EM-Gold geholt hatte, in Linz als einziges deutsches Frauen-Boot überhaupt den Endlauf erreichte, dort aber chancenlos blieb. Das Ticket für Tokio lösten sie aber zumindest.

"Bilderbuchmäßige Geschichte" bei Weltmeister Zeidler

Für einen der wenigen Lichtblicke hatten Rommelmann und Osborne mit Platz drei gesorgt. "Der leichte Zweier hat die Grubenlampe im Tunnel angemacht, der Achter und der Einer haben das Licht wieder komplett angeknipst", sagte Holtmeyer.

Vor allem der frisch gebackene Weltmeister Zeidler sorgte mit seiner spektakulären Aufholjagd im Fotofinish für positive Schlagzeilen. Und das, obwohl der 2,03 große Vorzeigeathlet erst vor drei Jahren vom Schwimmen zum Rudern gewechselt war.

Eine "bilderbuchmäßige Geschichte", die in Tokio ihre Fortsetzung finden soll. Wie auch die des Achters. Schlagmann Hannes Ocik sprach nach dem dritten WM-Titel in Serie von einem "Fingerzeig, wohin es in Richtung Tokio gehen wird."

"Wir müssen uns hohe Ziele stecken. Wir hatten jetzt eine nicht so gute WM, aber wenn die Boote vorne wieder stechen, sind wir auch gut dabei", sagte Holtmeyer. Noch bleibt etwas Zeit, doch: Im Hinblick auf Olympia muss das deutsche Rudern schnellstmöglich auch in der Breite wieder an Schlagkraft zulegen.

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