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Vorreiter Jung mit "Super-Pferd" Chipmunk auf Goldjagd

27.08.2019 12:10
Michael Jung greift bei der Heim-EM nach dem vierten Einzel-Gold
© Toru Hanai, getty
Michael Jung greift bei der Heim-EM nach dem vierten Einzel-Gold

Michael Jung hat Chipmunk erst seit einem halben Jahr im Stall, dennoch greift der Ausnahmekönner mit dem Wallach bei der Heim-EM in Luhmühlen nach dem vierten Einzel-Gold.

Michael Jung legt kurz die Stirn in Falten, muss aber nicht lange nachdenken. "Das hat sich ziemlich schnell herausgestellt", sagte Jung auf die Frage, wann er sich auf Chipmunk als Pferd für die Vielseitigkeits-EM ab Donnerstag in Luhmühlen festgelegt habe. "Es ist ein Super-Pferd. Es hat nur daran gelegen, ob wir schnell einen Draht zueinander finden."

Das hat wohl geklappt. Im Februar war bekannt geworden, dass Jung den elf Jahre alten Wallach von seiner Teamkollegin Julia Krajewski übernehmen würde. Zweifel begleiteten das Paar. So kam für Bundestrainer Hans Melzer eine EM-Nominierung zunächst nicht infrage. Doch das Duo überzeugte spätestens Ende Juli beim CHIO in Aachen, landete dort auf Rang zwei, obwohl Chipmunk auf der Strecke ein Eisen verloren hatte.

"Eigentlich habe ich recht schnell gemerkt, dass es zwischen uns sehr harmonisch ist und er mir vertraut", berichtete Jung kurz vor dem EM-Start. Nicht um jeden Preis wollte der zweimalige Weltmeister den Wallach bei der EM satteln. "Das ganz große Ziel ist natürlich nächstes Jahr", sagte der Schwabe mit Blick auf die Olympischen Spiele in Tokio.

In Tokio sammelte der dreimalige Olympiasieger schon erste Eindrücke, als er vor zwei Wochen auf den olympischen Anlagen mit dem Nachwuchspferd Wild Wave den Olympiatest gewann. Nun will der 37-Jährige bei der Heim-EM im olympischen Dreikampf Dressur, Gelände, Springen nachlegen und seinen vierten Einzeltitel holen.

Dass der Druck größer ist, weil er nicht wie gewöhnlich mit einem von ihm selbst ausgebildeten, sondern mit einem weitgehend fertigen Partner ins Rennen geht, findet Jung nicht unbedingt. "Natürlich setzt einen das etwas unter Druck", sagte der Schwabe, "aber wenn man merkt, dass die Probleme mehr und mehr abnehmen, gibt es einem auch wiederum Sicherheit."

Jung gehört zur deutschen Equipe, die in der Lüneburger Heide auch den Mannschaftstitel anstrebt. Zu seinen Mitstreitern zählen Europameisterin Ingrid Klimke mit Hale Bob, Andreas Dibowski mit Corrida und wohl auch Kai Rüder mit Colani Sunrise. Das Paar ersetzt Andreas Ostholt, der wegen einer Verletzung seiner Stute Corvette kurzfristig passen musste.

Sonntag steht der neue Europameister fest

"Wir müssen die Mannschaft erst nach der Verfassungsprüfung am Mittwoch benennen", sagte Bundestrainer Melzer. Der Veterinär-Check gilt bei den Buschreitern immer schon als erstes Highlight eines Championats, rund 600 Zuschauer werden dazu am Mittwochnachmittag im deutschen Vielseitigkeits-Mekka erwartet.

Nur wenn ein Pferd absolut gesund ist, darf es am Donnerstag zur ersten Prüfung in der Dressur starten. Am Samstag wird das Programm mit dem Geländeritt fortgesetzt, Sonntag steht nach dem Springen der neue Europameister fest.

Melzer hatte seine insgesamt zwölf Paare vor dem Start noch einmal ins Trainingslager nach Warendorf beordert. "Wir haben noch mal alles durchgespielt und fahren dann hoffentlich in guter Form nach Luhmühlen", sagte der Erfolgscoach.

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