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Der deutsche Tour-Held ist unser Sportler des Monats Juli

Exklusiv: Buchmann über Sensations-Tour und Ullrich-Vergleiche

06.08.2019 21:05
Emanuel Buchmann fuhr eine sensationelle Tour de France 2019
© unknown
Emanuel Buchmann fuhr eine sensationelle Tour de France 2019

Radprofi Emanuel Buchmann blickt auf eine herausragende Tour de France 2019 zurück. Nach über zehn Jahren ist der 26-Jährige der erste Deutsche, der beim schwierigsten Radrennen der Welt unter die ersten vier Fahrer kommt.

Ganz klar: Für sport.de ist der Ravensburger Buchmann der Sportler des Monats Juli. Wir haben exklusiv mit dem momentan besten deutschen Kletterer über seine schönsten Tour-Erinnerungen, die Vergleiche mit Jan Ullrich und die weitere Saisonplanungen gesprochen.

Herr Buchmann, Sie haben bei der Tour de France 2019 mit Platz vier in der Gesamtwertung für das beste deutsche Ergebnis seit 13 Jahren gesorgt. Welche Bedeutung hat es für Sie, fortan im Dunstkreis der letzten großen deutschen Tour-Stars Jan Ullrich oder Andreas Klöden genannt zu werden?

Emanuel Buchmann: Für mich ist das natürlich sehr schön, und eine Anerkennung meiner Leistung. So richtig verarbeitet habe ich das Ganze aber noch nicht muss ich sagen. Es wird wohl noch ein oder zwei Wochen dauern, bis mir das Ausmaß des Erfolges so richtig bewusst ist.

Sie haben von Beginn an die Top Ten als Ihr großes Ziel für die Tour de France 2019 ausgegeben. In welchen Momenten während der Rundfahrt haben Sie selbst an dieser Zielsetzung gezweifelt?

An der Zielsetzung nie. Das war ganz klar unser Plan von Beginn an und er ist es bis in die Alpen geblieben. Natürlich habe ich ab der Tourmalet Etappe gedacht, dass da auch mehr drin ist, aber unser Plan hat sich nie verändert. Nach dem Ausfall von Max (Maximilian Schachmann, Anm. d. Red.) und durch die Ausrichtung der gesamten Mannschaft kann man auch nicht einfach irgendwann sagen: jetzt legen wir uns eine Taktik zurecht, um das Podium anzugreifen.

Nach der Tour ging es erst einmal in den verdienten Urlaub. Neben der körperlichen Verausgabung: Wie groß war und ist auch die mentale Erschöpfung nach der dreiwöchigen Schleife, bei der Sie ja auch medial voll im Fokus des Interesses standen?

Schon sehr groß. Ich habe das schon auf der letzten Alpenetappe gemerkt. Dort waren meine Beine nicht mehr so gut wie die Tage davor und auch den Fokus zu halten, war auf einem 33 Kilometer langen Anstieg extrem hart und auszehrend.

Die Tour 2019 galt als eine der spannendsten der letzten Jahrzehnte. Waren die Top-Favoriten in diesem Jahr leistungsmäßig wirklich so dicht beisammen? Vor allem, was die harten Bergetappen anging.

Ja das Niveau bei der Tour de France wird immer höher und die Dichte an der Spitze immer größer. Aber man muss schon sagen, dass ohne den Abbruch der 19. Etappe, und die Verkürzung der 20. Etappe, die Abstände größer gewesen wären. Am Freitag waren wir schon nur noch eine kleine Gruppe und eigentlich hatte jeder noch Körner für den letzten Anstieg gespart. Und am Samstag wäre die Gruppe sicher früher auseinander geflogen, hätten wir vorher schon zwei Berge in den Beinen gehabt.

Welche Umstände in Sachen Streckenführung, Rennverlauf oder Taktik hätten anders laufen müssen, damit es noch zu Platz drei gereicht hätte?

Ich denke, der vierte Rang war in diesem Jahr das Maximum. Die anderen waren einfach noch ein wenig stärker als ich, und wir haben ja wirklich keinen Fehler gemacht, wie zum Beispiel in der Etappe mit der Windkante. Für die Zukunft brauchen wir wohl noch einen Bergfahrer mehr an meiner Seite im Team und im Teamzeitfahren müssen wir uns verbessern.

Als wichtiger Baustein, um auch die ganz großen Rundfahrten gewinnen zu können, muss sich Ihr Antritt aus einer Gruppe heraus noch verbessern. Wie wollen Sie das konkret angehen?

Das hat nichts mit dem Antritt zu tun. Wenn ich es schaffe, meine Leistungsfähigkeit noch einmal ein wenig zu verbessern und wieder stabil abrufen kann, dann ist auch das Podium drin. Wenn du zum Beispiel 15 Watt mehr an der Schwelle fahren kannst, dann bist du an einer Etappe wie Val Thorens am Ende noch weniger am Limit. Wenn man dann antritt ist man automatisch spritziger, als wenn man schon voll im roten Bereich ist.

Das Interesse an Ihrer Person war während der Tour und ist seitdem so groß wie nie. Wie sehr gefällt Ihnen das oder stört es Sie vielleicht sogar?

Ich hab da noch gar nicht drüber nachgedacht, oder keine Zeit gehabt um darüber nachzudenken. Im Moment will ich einfach mal etwas abschalten.

Wie sehr nerven Sie die häufigen Vergleiche mit Jan Ullrich?

Sie nerven nicht, aber sie machen aus meiner Sicht auch keinen Sinn. Emanuel Buchmann ist Emanuel Buchmann und steht auch sicher für eine andere Generation als Jan Ulrich.

Wer war in Ihrer Jugendzeit Ihr Vorbild auf dem Rad?

Ich hatte nie ein echtes Idol. Aber natürlich habe auch ich Jan Ulrich im Fernsehen gesehen und da denkt man dann schon: dort will ich auch mal vorne mitfahren.

Was sind in diesem Jahr noch Ihre Highlights im Kalender?

Emotional sicher die Deutschland Tour. Ich hoffe dass dort wirklich viele Fans kommen, das würde der Radsport in Deutschland brauchen und es würde mich persönlich sehr freuen, wenn ich dazu etwas beigetragen hätte. Sportlich liegt mir die Strecke dort aber nicht wirklich, da ist eher die Lombardei Rundfahrt im Oktober noch ein Ziel von mir in diesem Jahr.

Das Gespräch führte Mats-Yannick Roth

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