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Buchmann-Coach versichert: "Es ist keine Magie"

23.07.2019 11:20
Emanuel Buchmann ist einer der großen Stars der Tour 2019
© Fotoreporter Sirotti Stefano
Emanuel Buchmann ist einer der großen Stars der Tour 2019

Trainer Dan Lorang hat Triathlet Jan Frodeno zum Ironman-Triumph auf Hawaii geführt, nun ist Emanuel Buchmann unter seiner Regie zu einem der weltbesten Rundfahrer geworden. Im Interview gewährt der Luxemburger einen Blick hinter die Kulissen.

Dan Lorang, warum sind bei der Tour de France Leistungen wie die von Emanuel Buchmann menschlich möglich?

Dan Lorang (39/Trainer von Emanuel Buchmann bei Bora-hansgrohe): Man muss einfach wissen, dass der menschliche Körper sehr vieles kann, wenn man ihn darauf vorbereitet. Es braucht einen langfristigen Aufbau. Wenn man den Sportlern Hilfen an die Hand gibt, kann man einfach extrem viel rausholen. Unsere Sportler fahren im Rennen nicht auf einmal auf einem anderen Level, das ist nicht überraschend, nicht unmenschlich. Es ist genau das, was wir langsam aufgebaut haben. Es sind Steigerungen, die wir erklären können.

Was ist die besondere Veranlagung von Emanuel Buchmann?

Er ist ein großes Talent, keiner, der durch die Decke geht, aber jemand, der extrem akribisch an sich arbeitet, der Spaß an dem hat, was er macht. Der langfristige Leistungsaufbau, das ist genau das, was er macht. Er wird von Jahr zu Jahr stärker, nicht nur körperlich, sondern auch in der Persönlichkeit. Es ist keine Magie, die dahintersteckt, man kann das wirklich schön nachvollziehen.

Wann haben Sie erkannt, Leistungen wie bei der Tour de France könnten in ihm stecken?

Wir arbeiten jetzt im dritten Jahr zusammen, und es war davor schon bekannt, dass er ein guter Kletterer ist. Was mich fasziniert hat, und das ist das Wichtigste: Er hat den absoluten Willen, es zu machen, die Bereitschaft, auch mal neue Wege zu gehen, und das absolute Vertrauen mitgebracht in das, was wir machen. Mir war klar, er kann es weit bringen, aber wie weit, das kann man nicht vorhersagen.

Wie zuversichtlich sind Sie, dass die Stabilität auch für die gewaltigen Alpenetappen ausreicht?

Bis jetzt spricht nichts dagegen, die Belastungen sind so, dass er sie verkraften kann. Er ist gut drauf, er fühlt sich gut, aber vor allem die Bergetappen in dieser extremen Höhe sind einfach eine große Unbekannte. Es geht nicht nur darum, dass er gut durchkommt, sondern auch darum, was die anderen machen.

Gehen Sie davon aus, dass die Tour in über 2000 Meter Höhe entschieden wird?

Ich gehe fest davon aus, weil die Leistung da reduziert wird, das weiß man. Es gibt einfach Unterschiede, und wenn es nur ein halbes Prozent ist, wenn einer nur fünf Watt weniger fährt, reicht das schon auf dem Niveau. Emanuel ist zwar auf die Höhe vorbereitet, aber das sind die anderen sicher auch. Es geht wahrscheinlich darum, wer unter Ermüdung noch eine gewisse Form abrufen kann.

Was ist beim Training mit Emanuel Buchmann anders als beim Training mit Jan Frodeno?

Sie sind einfach andere Typen. Ich kommuniziere sehr gut mit Emu, aber es ist weniger emotional, wenn es ums Training geht, sondern mehr faktenbasiert. Aber was sie gemeinsam haben: Sie glauben an das, was sie tun, sie machen das zu Hundert Prozent ohne Kompromisse, sie wollen beide den maximalen Erfolg. Beide geben dir als Trainer das Gefühl: Wir wollen Rennen gewinnen.

Sie haben Frodeno zum Ironman-Sieger gemacht, machen Sie Buchmann irgendwann zum Tour-Sieger?

Wenn, dann mache ich das nicht alleine, aber es ist sehr schwer zu sagen. Schön wär's natürlich, davon träumen viele, aber unser Ziel ist, Emu jedes Jahr weiterzuentwickeln. Und wenn das so weitergeht, auch in kleinen Schritten, dann ist sicher vieles möglich. Um eine Tour zu gewinnen, muss alles zusammenkommen. Aber ich sage sicherlich nicht nein.

 

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