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Großes Lob vom Teamkollegen

Mit Buchmann "kann man definitiv die Tour gewinnen"

21.07.2019 17:56
Emmanuel Buchmann sorgt bei der Tour de France für Furore
© dpa
Emmanuel Buchmann sorgt bei der Tour de France für Furore

Foix Prat d'Albis (dpa) - Mit einer furiosen Klettershow in den Pyrenäen lässt Emanuel Buchmann Radsport-Deutschland bei der Tour de France vom ganz großen Wurf träumen.

Mit zwei vierten Plätzen bei den Bergankünften am legendären Tourmalet und in Foix Prat d'Albis untermauerte der 26 Jahre alte Ravensburger sein Weltklasse-Niveau und ließ dabei sogar zweimal Vorjahressieger Geraint Thomas stehen. "Es lief wieder sehr gut. Mit dem Ergebnis bin ich sehr zufrieden", sagte der entkräftete und völlig durchnässte Buchmann nach seiner nächsten Berg-Gala.

Zu den besten Bergfahrern der Welt zählt plötzlich wieder ein Deutscher - das erste Gesamtpodest seit Andreas Klöden 2006 wirkt mehr als realistisch. "Die Top 10 sind immer noch das Ziel. Es wäre schön, wenn es mehr wird", sagte der bescheidene Buchmann, der derzeit noch Gesamtsechster ist, aber schon ein ordentliches Polster zwischen sich und die Verfolger ab Platz sieben gelegt hat.

Im Gelben Trikot bleibt auch nach den schweren Pyrenäen-Teilstücken weiter Frankreichs Publikumsliebling Julian Alaphilippe, der plötzlich auch im Hochgebirge zur absoluten Elite zählt - am Sonntag aber auf Buchmann und weitere Top-Fahrer fast eine Minute Zeit verlor. Titelverteidiger Thomas büßte erneut Zeit ein, bleibt aber zunächst Zweiter. Dritter ist der Niederländer Steven Kruijswijk. Die Abstände von Platz zwei bis fünf bewegen sich allerdings im Sekundenrahmen. Alaphilippe liegt 2:14 Minuten vor Buchmann.

Dessen Kollegen beim oberbayerischen Rennstall Bora-hansgrohe trauen ihm sogar den größtmöglichen Coup zu. "Er hat bewiesen, auf was für einem Niveau er ist. Mit ihm kann man definitiv die Tour gewinnen. Ich denke, er ist der nächste ganz große deutsche Star", lobte sein Kollege Gregor Mühlberger das immer größer auftrumpfende Leichtgewicht, das besser klettert als die allermeisten der hochgehandelten Favoriten.

Am Sonntag hatten die Favoriten auf der 15. Etappe eine Gruppe ziehen gelassen, der neben einigen starken Bergfahrern auch der Deutsche Simon Geschke angehörte. Der 33 Jahre alte Berliner fuhr mit Tagessieger Yates bis in den Schlussanstieg, wurde dann aber abgehängt und von den Favoriten geschluckt. Die Ränge zwei und drei belegten im Nebel und Regen von Foix Prat d'Albis Tourmalet-Sieger Thibaut Pinot aus Frankreich und der Spanier Mikel Landa.

"Als Träger des Gelben Trikots hast du auch eine Verantwortung, ich habe es viele Tage verteidigt und dafür heute bezahlt. Die Alpen werden eine große Herausforderung für mich", sagte Alaphilippe, der sich nach der Etappe völlig entkräftet an einem Gitter abstützen musste.

Am Samstag war Buchmann mühelos mit der Weltelite auf den 2115 Meter hohen Tourmalet hochgefahren und hatte etwa einen Kilometer vor Schluss selbst eine Attacke gesetzt. "Das war schon ein sehr gutes Gefühl", sagte Buchmann zu seinem famosen Ritt durch die Pyrenäen. Am Sonntag war er wieder ähnlich stark, diesmal sogar stärker als Alaphilippe und Thomas.

Teamchef Ralph Denk war merklich stolz ob der Leistung seines Kapitäns. "Wenn Emanuel attackiert und Thomas fliegen geht, dann ist das ein sehr ausgeglichenes Rennen. Das ist schön für den Radsport und schön, dass er auf Augenhöhe mit den Besten fährt", sagte der Oberbayer, der Buchmann "absolute Weltspitze" nannte.

Im Gegensatz zur Sky-Dominanz aus den Vorjahren wirkt Nachfolger Ineos ohne den verletzten viermaligen Tour-Sieger Chris Froome 2019 angreifbar. Der britische Titelverteidiger Thomas ließ sich am Tourmalet von einer Buchmann-Attacke abhängen, auch Super-Talent Bernal zeigt bislang nicht die von ihm erwartete Dominanz im Hochgebirge.

Neben Buchmann muss das Ineos-Duo auch immer mehr das französische Duo Alaphilippe und Pinot fürchten. Vor den Augen des französischen Staatspräsidenten Emmanuel Macron war das Gastgeber-Tandem am Samstag zu einem Doppelerfolg geflogen. Für den Fall des ersten französischen Tour-Gesamtsieges seit 1985 versprach Macron bereits Champagner auf den Champs Élysées. Das ist nicht unwahrscheinlich, schließlich liegen beide aussichtsreich in der Gesamtwertung.

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