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Deutsche Tour-Hoffnung wahrt Podestchance

Pinot furios, Buchmann stark: Alaphilippe büßt Zeit ein

21.07.2019 17:25
Emmanuel Buchmann (r.) hat Zeit auf Julian Alaphilippe gutgemacht
© unknown
Emmanuel Buchmann (r.) hat Zeit auf Julian Alaphilippe gutgemacht

Tadellos am Tourmalet, bravourös am verregneten Hang von Foix: Radprofi Emanuel Buchmann hat das Pyrenäen-Spektakel der 106. Tour de France als einer der großen Gewinner beendet und darf nach Glanzleistungen am Berg von der ersten deutschen Podestplatzierung seit 13 Jahren träumen.

Der 26 Jahre alte Kletterspezialist vom Team Bora-hansgrohe zwang am Wochenende unter anderem Titelverteidiger Geraint Thomas gleich zweimal in die Knie - und zählt nun endgültig zur Weltspitze.

Große Euphorie herrscht auch bei den französischen Gastgebern. Julian Alaphilippe (Deceuninck-Quick Step) verteidigte das Gelbe Trikot trotz erster Schwächen erfolgreich. Zudem verewigte sich Thibaut Pinot (Groupama-FDJ) am Samstag als Etappensieger am Tourmalet, am Sonntag hängte er die Rivalen beim Tagessieg des Briten Simon Yates (Mitchelton-Scott) erneut ab und kletterte auf Rang vier der Gesamtwertung.

"Pinot war doch ein bisschen zu stark für alle anderen"

Buchmann erreichte die Bergankunft in Foix Prat d'Albis abgekämpft, aber zufrieden als hervorragender Vierter. "Es lief auch wieder sehr gut, so wie gestern. Pinot war doch ein bisschen zu stark für alle anderen, würde ich behaupten. Aber mit dem Ergebnis bin ich sehr zufrieden", sagte "Emu" in der "ARD": "Ich hab die ersten Etappen Kraft gespart, nie etwas verschwendet, bin top in Form, und es läuft halt super."

Auch Tour-Debütant Lennard Kämna (Sunweb) fuhr als Sechster ein glänzendes Ergebnis ein. Buchmann rutschte nach 15 von 21 Etappen zwar auf den sechsten Platz in der Gesamtwertung ab, verkürzte den Rückstand auf Alaphilippe aber auf 2:14 Minuten.

Mit ähnlich starken Leistungen in der Schlusswoche in den Alpen könnte Buchmann, der offiziell eine Top-10-Platzierung anpeilt, am kommenden Wochenende der erste deutsche Radprofi seit Andreas Klöden (2./2006) sein, der nach der letzten Etappe in Paris das Podium besteigt.

Nicht nur wegen Buchmanns guter Ausgangslage dürfte das Finale der Tour 2019 das spannendste der vergangenen Jahre werden. Thomas wirkte in den Pyrenäen wie das gesamte Ineos-Team verwundbar wie lange nicht, die Franzosen Alaphilippe und Pinot überzeugen mit Willensstärke und besten Beinen. Kaum mehr als zwei Minuten trennen die besten sechs Fahrer.

Buchmann ist "richtig zufrieden"

Auf der 15. Etappe eröffnete Pinot den Schlagabtausch der Favoriten. Sechs Kilometer vor dem Ziel attackierte der 29-Jährige - und brachte das Gros der Rivalen in massive Schwierigkeiten. Unter anderem Thomas und der Niederländer Steven Kruijswijk (Jumbo-Visma) verloren den Anschluss.

Nicht so Buchmann. Der Ravensburger parierte zunächst alle Tempoverschärfungen, musste Pinot und den Kolumbianer Egan Bernal (Ineos) vier Kilometer vor dem Ziel aber dann doch ziehen lassen. Letztlich erreichte Buchmann den Gipfel an der Seite Bernals, Pinot holte er nicht mehr ein.

Buchmann bestätigte den starken Eindruck, den er am Samstag am Tourmalet hinterlassen hatte. Buchmann, der international bislang weitgehend noch unter dem Radar gefahren war, hielt nicht nur mit den Besten mit, er attackierte, brachte Stars wie Thomas in große Schwierigkeiten. "Ich habe gehofft, dass es ungefähr so abläuft. Ich bin richtig zufrieden", hatte er anschließend gesagt.

"Bombenjob" am Hang von Foix

Buchmann bewertete sein Glanzstück nüchtern wie immer. Andere reagierten weitaus euphorischer. "Gewaltig. Man kann mit ihm definitiv die Tour de France gewinnen. Ich denke, er ist der nächste ganz große deutsche Star", sagte sein österreichischer Teamkollege Gregor Mühlberger. Teamchef Ralph Denk ging nicht ganz so weit, bescheinigte Buchmann aber einen "Bombenjob", sein Schützling sei "absolute Weltspitze."

Auffällig agierte am Wochenende auch der jüngste deutsche Teilnehmer. Der 22-jährige Kämna schaffte an beiden Tagen den Sprung in die Ausreißergruppe. Der Sunweb-Profi fuhr am Sonntag äußerst stark, erst am Schlussanstieg wurde eingeholt und bildete dort mit Buchmann vorübergehend eine deutsche Zweckgemeinschaft.

Zuvor hatte Kämna unter anderem der Berliner Simon Geschke (CCC Team), dessen Flucht erfolglos blieb, begleitet. Auch Klassementfahrer wie Nairo Quintana, Bauke Mollema oder Daniel Martin, die am Samstag viel Zeit verloren hatten, suchten das Weite.

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