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Neue Stars, neue Hoffnung

KFC "Hollywood" Uerdingen: Umbruch der Unberechenbaren

20.07.2019 08:32
Jan Kirchhoff (l.) und Trainer Heiko Vogel (r.) hoffen auf eine erfolgreiche Saison beim KFC Uerdingen
Jan Kirchhoff (l.) und Trainer Heiko Vogel (r.) hoffen auf eine erfolgreiche Saison beim KFC Uerdingen

Der KFC Uerdingen hat auch im zweiten Jahr große Ziele in der 3. Liga. Präsident und Investor Mikhail Ponomarev will mit den Niederrheinern aufsteigen, Anspruch und Realität liegen jedoch erneut weit auseinander. Zunächst einmal wird der Drittligist sein Image als "KFC Hollywood" etwas aufpolieren müssen. Sportlich sollen vor allem die Spieler helfen, die einst beim FC Bayern, FC Schalke 04 oder BVB Karriere machten. So oder so steht der KFC vor einer schwierigen Saison.

Umbruch à la KFC: Führungsspieler müssen gehen

Turbulent, turbulenter, KFC: Die vergangene Spielzeit war nichts für schwache Nerven. In der Hinrunde noch auf Durchmarsch-Kurs (3. Platz), verlor das Team in der Folge völlig den Faden. Nach einer katastrophalen Halbserie (nur zwei Siege, insgesamt 43 Gegentore und Schlusslicht in der Rückrundentabelle) wurden die Probleme schonungslos aufgedeckt.

In trauriger Tradition sägte der seit 2016 als Alleinherrscher auftretende KFC-Boss Mikhail Ponomarov im Sommer gleich neun Spieler ab, darunter zahlreiche Stamm- und Führungskräfte.

So wurde etwa der Vertrag mit Kapitän Mario Erb überraschend aufgelöst. Eine nachvollziehbare Begründung lieferte Ponomarev nicht, hob dafür lobend hervor: "Er hat immer alles gegeben. Ein klasse Junge."

Auch der beste Torjäger, Maximilian Beister (10 Tore), wurde abgegeben. Der ehemalige HSV- und Mainz-Profi wechselte für 250.000 Euro zum Ligakonkurrenten FC Ingolstadt.

In Johannes Dörfler (SC Paderborn), Öguzhan Kefkir (Rot-Weiss Essen), Christopher Schorch (1. FC Saarbrücken) und Connor Krempicki (MSV Duisburg) wurden weitere Leistungsträger abgegeben. Zudem wurde Torwart René Vollath mitgeteilt, dass er künftig nicht mehr die Nummer eins ist.

Reicht die neue Qualität?

Den vielen Abgängen stehen zehn teils sehr namhafte Neuzugänge gegenüber. Nach den ehemaligen Bundesliga-Profis Assani Lukimya, Dominic Maroh, Stefan Aigner, Adam Matuszczyk und nicht zuletzt BVB-Ikone Kevin Großkreutz zog es auch Jan Kirchhoff zum Drittligisten.

Der einstige Defensivspezialist von Mainz 05, FC Bayern und Schalke 04 unterschrieb für zwei Jahre, nachdem sein Arbeitspapier in Magdeburg ausgelaufen war.

Der hierzulande eher unbekannte Innenverteidiger Andreas Maxsö kam vom FC Zürich, mit dem er in der Vorsaison noch in der Europa League antrat. Hinzu kommt Lukas Königshofer (SpVgg Unterhaching) als neue Nummer eins.

Ob das Trio die Abwehrprobleme lösen kann, dürfte sich schon bald zeigen. Zum Auftakt begrüßt der KFC den Vorjahresvierten aus Halle, danach geht es zum ambitionierten Aufsteiger FC Bayern II, bei dem zahlreiche Top-Talente im Angriff wirbeln.

Eine einstige Bayern-Hoffnung sicherte sich auch der KFC: Franck Evina, zuletzt an Zweitligist Holstein Kiel verliehen, soll dem Team mit seiner "absoluten fußballerischen Klasse" (O-Ton Trainer Heiko Vogel) helfen.

Mit Jean Manuel Mbom (Werder Bremen) kam der Kapitän der deutschen U19-Nationalmannschaft auf Leihbasis nach Krefeld, mit Selim Gündüz (Darmstadt 98) zudem ein Mentalitätsspieler, der "den anderen Feuer machen soll". Die neue Qualität ist unbestritten, die große Frage aber ist: Kann Coach Vogel daraus eine homogene Mannschaft formen?

Alleinherrscher Ponomarev und die Nebenkriegsschauplätze

An Ponomarevs Tropf hängt längst die Zukunft des gesamten Vereins, mittlerweile gehören ihm gut 97 Prozent der Anteile an der Fußball GmbH. Die Unberechenbarkeit des Investors machte den Klub in den letzten Jahren zum "KFC Hollywood".

Der Geldgeber hebt und senkt im Alleingang den Daumen über den Trainer, selbst Aufstiegshelden wie Stefan Krämer oder André Pawlak waren vor den Launen des Russen nicht gefeit.

Dass der im April geholte Heiko Vogel, zuvor Trainer beim FC Basel, Bayern II und Sturm Graz, das Feld wieder räumen muss, ist Spöttern zufolge nur eine Frage der Zeit. "Wenn es uns an unser Ziel bringt, hole ich 18 Trainer. Warum nicht?", so Ponomarev vielsagend.

Zudem eröffnet der Unberechenbare immer wieder Nebenkriegsschauplätze. Im Mai startete er etwa den Twitter-Kanal "KFC_Vorstand", um dort gegen Ex-Trainer Norbert Meier zu schießen ("Der schlechteste Trainer in der KFC-Geschichte"). Kurz darauf verschwand Ponomarev wieder aus den Sozialen Medien.

Die prekäre wirtschaftliche Lage

Die finanzielle Situation des Klubs ist mehr als undurchsichtig. Wie klamm die Kassen wirklich sind, verdeutlichen die 30 Prozesse, die laut "Bild" aufgrund ausstehender Gehaltszahlungen gegen den Verein laufen. Zuletzt hatte der Berater von Ex-Coach Michael Wiesinger, Oliver Fischer, etwa einen Gerichtsvollzieher zum KFC geschickt, da seine Vermittler-Provision nie gezahlt wurde.

Berichten zufolge waren die Uerdinger in der Vorsaison auch mit Zahlungen bei der Duisburger Stadiongesellschaft in Rückstand. Zur neuen Saison zieht der KFC nach Düsseldorf um, allerdings nur unter Einhaltung eines Absicherungsvertrags. Der Drittligist darf nur spielen, wenn er in Vorkasse geht.

Bis die heimische Grotenburg modernisiert ist, dürfte es noch ein wenig dauern. Eigentlich sollte längst eine GmbH gegründet worden sein, die das Stadion für die Zukunft rüstet. Mittlerweile gilt ein Eröffnungstermin im Sommer 2021 als realistisch.

Gerrit Kleiböhmer

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