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Schwimm-Bad-Guy wegen Hammer-Affäre am Pranger

18.07.2019 11:01
Sun Yang gilt als Bösewicht des Schwimmsports
© Lintao Zhang, getty
Sun Yang gilt als "Bösewicht" des Schwimmsports

Kein anderer Schwimmer polarisiert wie Sun Yang. Auch bei der WM ist die Aufregung um den in China gefeierten Schwimmstar groß, weil ihm eine nachträgliche Dopingsperre droht.

Seit Tagen flaniert Sun Yang wie ein Tourist durch die Wettkampfstätten von Gwangju, ab Sonntag betritt Chinas Schwimm-Riese selbst die WM-Bühne - mal wieder in der Rolle des Bösewichts. "Ich war beim Wasserspringen und Duett-Synchronschwimmen", sagte der dreimalige Olympiasieger gut gelaunt: "Ich bin aufgeregt und kann meine Starts nicht abwarten."

Der Großteil der Konkurrenz wünscht sich den 27-Jährigen aber ganz weit weg. "Ich will nicht sehen, dass dieser Typ gegen meine Teamkollegen antritt, die extrem hart arbeiten, um hier zu sein", sagte Großbritanniens fünfmaliger Weltmeister Adam Peaty: "Ich bin mir ziemlich sicher, dass das auch kein anderer will."

Die Aufregung um Sun Yang, der als erster Schwimmer bei Weltmeisterschaften und Olympischen Spiele alle Disziplinen von 200 bis 1500 m Freistil gewann, hat gute Gründe. Dem wegen eines früheren positiven Tests ohnehin kritisch beäugten Weltrekordler droht aufgrund einer neuen Dopingaffäre unmittelbar nach der WM die nachträgliche Sperre und vielleicht sogar das Karriereende. Im September wird der Internationale Sportgerichtshof CAS den Fall um eine offenbar mit dem Hammer zerstörte Dopingprobe neu aufrollen.

Den Zeitpunkt bestätigte Cornel Marculescu, Generaldirektor im Schwimm-Weltverband FINA, der Nachrichtenagentur AFP. Die Situation sei "schädlich", meinte Marculescu. Denn der knapp zwei Meter große Schwimmer geht in seinen geplanten Einzelstarts über 200, 400 und 800 m Freistil als Goldkandidat ins Rennen. Über 800 m trifft er auch auf Freiwasser-Weltmeister Florian Wellbrock, der sich nicht den Kopf darüber zerbrechen möchte, ob sein Konkurrent rechtmäßig und sauber am Start ist. "Wir werden uns auf den Vergleich im Wasser konzentrieren", sagte Wellbrocks Heimcoach und Teamchef Bernd Berkhahn.

FINA-Urteil "unglaublich und inakzeptabel"

Wenn es nach der FINA gegangen wäre, hätte sich der Fall längst erledigt. Der wegen seiner Anti-Doping-Politik von Experten häufig gerügte Weltverband hatte Sun nach einer Anhörung im Januar mit der Begründung freigesprochen, dass man die ganze Wahrheit wohl "nie erfahren" werde. Gegen das Urteil hat die Welt-Anti-Doping-Agentur WADA ("unglaublich und inakzeptabel") vor dem CAS Einspruch eingelegt.

Was war passiert? Bei einem unangemeldeten Test im September 2018 in Suns Haus in der chinesischen Provinz Zhejiang soll ein Sicherheitsmann den Behälter mit Suns Blut mit einem Hammer zerstört haben. Das geht aus einem Bericht des weltweit operierenden schwedischen Anti-Doping-Dienstleisters IDTM hervor, der den Vorfall dokumentierte.

Suns Anwälte argumentieren, es habe nach Ansicht der Ausweispapiere der Kontrolleure erhebliche Zweifel an deren Authentizität gegeben. Die englische Zeitung Sunday Times machte den Fall öffentlich. Der chinesische Schwimmverband sprach von "Fake News".

In der Kritik steht die FINA auch, weil sie sich 2014 bei Suns Drei-Monats-Sperre wegen einer positiven Dopingprobe (Trimetazidin) äußerst milde gezeigt hatte. Die Konkurrenten gehen dagegen knallhart mit dem Chinesen ins Gericht. "Sun Yang pinkelt lila", sagte der französische Ex-Weltmeister Camille Lacourt bei Olympia 2016.

Um Sun gab es in der Vergangenheit immer wieder Ärger. Bei der WM 2015 soll der Chinese laut Augenzeugen im Einschwimmbecken eine brasilianische Sportlerin attackiert haben. Sein überraschender Verzicht auf das anschließende 1500-m-Finale als Titelverteidiger erklärte Sun später mit Herzproblemen.

Im November 2013 verursachte er mit einem Porsche Cayenne ohne Führerschein einen Unfall und musste sieben Tage ins Gefängnis. Die Strafe sei streng, aber zu seinem Besten, hieß es damals aus Chinas Staatsapparat. Sun solle immer "als Held des chinesischen Sports und nicht als Sünder" gelten. Viele seiner Konkurrenten denken komplett anders.

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