Anzeige

"Blackout": Biedermann erlebte Goldregen wie im Traum

12.07.2019 12:30
Paul Biedermann hat kaum noch Erinnerungen an die WM vor zehn Jahren
© Quinn Rooney, getty
Paul Biedermann hat kaum noch Erinnerungen an die WM vor zehn Jahren

Bei der diesjährigen WM in Südkorea sind die Erwartungen an die deutschen Schwimmer minimal. Vor zehn Jahren hatte es dank zweier Stars noch einen Goldregen für das deutsche Team gegeben.

Paul Biedermann hat einen Blackout, Britta Steffen überkommt Wehmut: Zehn Jahre nach ihrem Goldzug von Rom blicken die damaligen Doppel-Weltmeister unterschiedlich auf die erfolgreichen und stimmungsvollen Tage im Foro Italico zurück. Privat geht das frühere Liebespaar inzwischen zwar getrennte Wege, doch die WM 2009 wird als Verbindung für immer bleiben.

An seine Großtaten selbst kann sich Biedermann aber gar nicht mehr erinnern. Es sei alles "wie ausgelöscht", verriet der 32-Jährige im "Welt"-Interview, er habe "keine Erinnerung an die Rennen und daran, was ich danach gemacht habe - Blackout."

Er wisse zwar noch, dass er sich im Vorlauf über 400 m Freistil gut gefühlt habe, aber das anschließende Finale und sein phänomenaler Triumph über die halbe Distanz gegen Superstar Michael Phelps jeweils in Weltrekordzeit sind aus seinem Gedächtnis gelöscht. "Es war so überwältigend, und nach den Erfolgen strömte so viel auf mich ein, dass ich das anscheinend nur wie im Rausch wahrgenommen habe", sagte Biedermann.

Steffen zieht schwarz für die Schwimm-Zukunft

Die gleichen Erfahrungen hatte Steffen bei ihrem doppelten Olympia-Coup in Peking auch gemacht ("Wie ein weit entfernter Traum"), ihre zwei WM-Titel ein Jahr später über 50 und 100 m Freistil konnte sie deutlich mehr genießen.

Von dieser Erfahrung berichtet die heute 35-Jährige in unzähligen Vorträgen und Projekten, außerdem engagiert sich die Mutter eines einjährigen Sohnes für die Umwelt. Zur am Freitag beginnenden WM in Südkorea und zu Olympia 2020 in Tokio wird sie wegen der hohen Belastungen durch Flugzeuge nicht reisen.

Den deutschen Schwimmsport hat Steffen trotzdem weiter im Blick. "Es ist schon traurig, dass die Schwimmer so viel Aufwand leisten und so wenig Aufmerksamkeit bekommen", sagte Steffen dem "SID" über die fehlenden Live-Zeiten im deutschen Fernsehen. Für die Zukunft sieht sie schwarz: "Schwimmen wird wahrscheinlich nicht mehr interessant werden, es sei denn, wir haben eine Handvoll gut aussehender, patenter Leute, die die Sportart nochmal pushen. Aber ich glaube es nicht."

Biedermann und Steffen haben kaum noch Kontakt

Biedermann, der nach seinem Rücktritt nach Platz sechs bei Olympia in Rio ein Sportwissenschaft-Fernstudium begann, will sich zur Krise im Deutschen Schwimm-Verband aktuell nicht äußern. Er denkt lieber an 2009 zurück - trotz seiner Erinnerungslücken.

Eines ist bei ihm hängengeblieben: Ausgerechnet sein Rivale Phelps, der nur in Schwimmhose antrat, verteidigte Biedermann in der Debatte um die Wunderanzüge. "Ich bin ihm nach wie vor sehr dankbar, dass er nach dem Rennen öffentlich in einem Interview sagte, dass ich es war, der WM-Gold mit Weltrekord geholt hatte und nicht der Anzug", sagte Biedermann.

Nur wenige Monate nach ihren insgesamt vier Goldmedaillen von Rom wurden Biedermann und Steffen ein Paar, jahrelang zogen sie in der Szene die Blicke auf sich. Nach der Trennung 2015 gibt es nur noch wenig Kontakt zwischen den beiden. "Wir quatschen ab und an", sagt Steffen: "Aber auch wenn es krass klingt, der Spruch stimmt schon: Aus den Augen, aus dem Sinn. Jeder macht sein eigenes Ding."

Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige