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Beziehung zu Red-Bull-Star nun "stark verbessert"

Nach Verstappen-Manöver: Leclerc will Stil anpassen

11.07.2019 22:15
Charles Leclerc wird in Zukunft etwas aggressiver auftreten
© Charles Coates, getty
Charles Leclerc wird in Zukunft etwas aggressiver auftreten

In Runde 69 im Grand Prix von Österreich wurde ein neues Kapitel in der persönlichen Geschichte zwischen Ferrari-Piloten Charles Leclerc und Red-Bull-Überflieger Max Verstappen geschrieben. Der Niederländer fuhr das entscheidende Manöver in Kurve 3 auf der Innenbahn und setzte sich gegen den Ferrari durch. Leclerc freut sich mit ein wenig Abstand sogar darüber, dass sein Kontrahent nicht bestraft wurde.

"Ich habe keine Probleme damit und es war einfach für mich, weiterzumachen", stellt der Monegasse nach einer zweiwöchigen Pause am Donnerstag in Silverstone klar. Er musste mitansehen, wie ihm sein erster Formel-1-Sieg zwei Runden vor Rennende entrissen wurde.

Die mehrstündige Untersuchung der Rennkommissare kam schließlich zur Entscheidung: "No further action". Damit durfte Verstappen seinen Sieg behalten. "Ich hätte mich über ein wenig mehr Konstanz gefreut", merkt Leclerc an.

Leclerc wird seinen Fahrstil "ein bisschen ändern"

Grundsätzlich ist er glücklich mit der Entscheidung der Kommissare, da er härtere Rad-an-Rad-Duelle begrüßt. Allerdings sei in der Vergangenheit schon weniger schwerwiegendes Verhalten bestraft worden.

"Wenn wir so Rennen fahren können, dann freut mich das sehr. Das ist gut für die Formel 1. Das wollen wir Fahrer, aber wir müssen wissen, was wir erwarten können. Daher wünsche ich mir etwas mehr Konstanz in der Strafenvergabe."

Leclerc hat aus dem Manöver von Verstappen, der bergauf in Kurve 3 die Innenbahn wählte, sodass der Ferrari-Pilot über die Randsteine hinausgetragen wurde, und der Entscheidung der Kommissare seine Lehren gezogen. "Als Fahrer wollen wir die Regeln natürlich immer ausreizen."

Konkret bedeutet das für ihn: "Ich werde meinen Fahrstil definitiv ein bisschen ändern und meine Aggressivität anpassen." Denn nun sei die neue FIA-Linie durch die Verstappen-Entscheidung in Spielberg offiziell geworden.

Leclerc schließt daraus, dass die Fahrer ein wenig mehr Aggressivität auf der Strecke zeigen können. Er musste sich in Österreich schließlich abermals mit dem zweiten Platz begnügen, nachdem er 59 Rennrunden lang in Führung lag.

"Im jenem Moment war es natürlich frustrierend. Wenn ich jetzt darauf zurückblicke, bin ich glücklich, dass wir so Rennen fahren konnten", zeigt er sich nicht verbittert. Denn der Ferrari-Pilot bleibt realistisch. Auf der Strecke hatte er gegen Rennende keine Chance mehr gegen den Red Bull.

Erinnerungen an 2012: Im Kart nicht gerade beste Freunde

Verstappen kam mit neun Runden frischeren harten Reifen und deutlich schnellerer Pace am Ferrari vorbei. "Um ganz ehrlich zu sein, hatte er einen so großen Vorteil durch die Reifen, daher war es unglaublich schwierig, ihn hinter mir zu halten."

"Als ich aus dem Auto ausstieg, dachte ich noch, dass man das vielleicht bestrafen hätte können. Aber ich bin glücklich mit der Entscheidung. Wenn sie weiterhin so konstant sind, dann bin ich damit zufrieden", hält Leclerc fest.

Nicht zum ersten Mal kam es zwischen den beiden 21-Jährigen auf der Rennstrecke zu einer strittigen Szene. Nach dem Österreich-Krimi kursierte ein älteres Youtube-Video auf sozialen Plattformen, das über ein Kartrennen 2012 in Italien berichtet. Darin in den Hauptrollen zu sehen: Leclerc und Verstappen.

"Ja, das war ganz lustig! Ich habe es überall auf Social Media gesehen", muss Leclerc auf das Video angesprochen schmunzeln. "Damals war das genau die umgekehrte Situation. Ich habe gemeint, es war ein Rennunfall und er sagte, ich habe ihn von der Strecke gestoßen", erinnert sich der Monegasse zurück.

Sieben Jahre später waren die Rollen umgekehrt verteilt. Leclerc war derjenige, der sich von der Strecke gedrängt fühlte, während die Red-Bull-Seite ganz klar von Racing sprach. "Das hat mich an unseren Weg, den wir gemeinsam zurückgelegt haben, erinnert. Damals waren wir Kinder und haben davon geträumt, eines Tages Formel 1 zu fahren und jetzt kämpfen wir hier gegeneinander. Großartig."

Zu Kartzeiten habe es mehrere "heikle Momente" zwischen ihm und dem Sohn von Ex-Formel-1-Fahrer Jos Verstappen gegeben, weiß Leclerc noch. Die Beziehung der beiden Nachwuchstalente habe sich über die Jahre aber deutlich verbessert, betont er.

Beziehung zu Verstappen nun "stark verbessert"

"Ich meine, dass sich unsere Beziehung über die Jahre stark verbessert hat. Zu Kartzeiten waren wir nicht gerade beste Freunde, aber das ist normal, wenn man jung ist." Beide waren bis 2013 in Kartserien aktiv, ehe sie den Sprung in den Formelwagen gewagt haben.

Während Verstappen nur eine Saison in der Formel-3-Europameisterschaft absolvierte und bereits 2015 seine Formel-1-Chance bei Toro Rosso erhielt, brillierte Leclerc in den Nachwuchsformel und wurde Meister in der GP3 und Formel 2, ehe er 2018 sein Formel-1-Debüt mit Alfa Romeo bestritt.

Während früher der Gegner nach einer heiklen Situation sofort zum "Feind" mutierte, seien beide nun deutlich "reifer" geworden, meint Leclerc. "Die Dinge haben sich geändert, es wurde besser. Wir kommen jetzt besser als Menschen und Fahrer miteinander klar."

Trotz der gemeinsamen, teils durchwachsenen Vergangenheit hält Leclerc am Donnerstag auch fest, dass er sich gegen Verstappen auf der Rennstrecke nicht anders verhalte als gegen jeden anderen Fahrer auch. "Es ändert sich für mich nichts, egal wer im Auto vor oder hinter mir sitzt."

"Man muss natürlich lernen, wie andere Fahrer kämpfen. Max kenne ich nun bereits recht gut aus unserer Kartzeit", muss er lachen, "wir sind beide erwachsen geworden. Ich weiß, dass er ein aggressiver Fahrer ist. Man wird sich natürlich immer an seinen unmittelbaren Gegner anpassen."

Dennoch ist er auch in Österreich in das Duell gegangen "wie auch in jedes andere". Das dürfte auch für Verstappen zutreffen, der in Silverstone ebenso kein böses Wort über seinen Kontrahenten verliert. "Er ist definitiv ein guter Fahrer, sonst fährst du nicht in der Formel 1 für Ferrari."

Leclerc: Auf der Spielekonsole gegen sich selbst verloren

Der Niederländer sieht im Österreich-Duell der beiden gar einen Vorgeschmack auf die Zukunft der Formel 1. Denn: "Lewis wird dann zu alt sein", merkt er an. "Wenn man unser Alter in Betracht zieht, dann werden wir ab einem gewissen Punkt [regelmäßig] um Siege kämpfen."

Mehr von solchen spannenden Kämpfen würden sich nicht nur die Fans und Veranstalter wünschen, sondern auch die Fahrer selbst: "Das ist gut für die Show und hoffentlich wird es noch viele weitere solche Moment in Zukunft geben", hofft Leclerc.

Obwohl dem Ferrari-Nachwuchsstar nun bereits sein zweiter sicher geglaubter Formel-1-Sieg (nach Bahrain) entgangen ist, wirkt der 21-Jährige nicht angeschlagen vor dem Großbritannien-Wochenende. Mattia Binotto wusste bereits am Sonntagabend in Österreich, dass Leclerc sich davon schnell erholen würde.

"Ich denke nicht, dass wir Schwierigkeiten haben werden, ihn zu ermutigen. Er ist bereits wieder bereit für das nächste Rennen. Der heutige Tag wird ihm wohl noch einen größeren Schub geben, um seinen ersten Formel-1-Sieg einzufahren", kommentierte der Ferrari-Teamchef die Lage in Spielberg.

"Die karierte Flagge kommt immer erst am Ende des Rennens", musste Leclerc auf die harte Tour lernen. "Er schaut einfach aufs nächste Rennen und ist sehr hungrig. Ich bin sicher, dass früher oder später seine Zeit kommen wird."

Und bis dahin vertröstet sich Leclerc, wie überhaupt viele Fahrer der jungen Generation angefangen bei Verstappen und Lando Norris (McLaren), mit Simulator und Playstation spielen die Zeit. "Ich habe mir gerade erst das Spiel Formel 1 2019 gekauft. Ich habe gestern gegen mich selbst gespielt und verloren", muss er lachen. Ein gutes Omen?

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