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Vor 20 Jahren: Der Horrorcrash in Silverstone

Abflug mit 300 km/h! Schumis schlimmster Formel-1-Crash

11.07.2019 20:51
Michael Schumachers Ferrari musste aus dem Reifenstapel geborgen werden
© sport.de/gettyimages
Michael Schumachers Ferrari musste aus dem Reifenstapel geborgen werden

In seiner vierten Formel-1-Saison bei der Scuderia Ferrari wollte Superstar Michael Schumacher endlich seinen ersten Weltmeistertitel mit den Italienern feiern. Das Jahr 1999 steuerte auf ein hochspannendes Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Schumi und Mika Häkkinen im McLaren-Mercedes zu, ehe es am 11. Juli 1999 zu einem folgenschweren Crash kam.

Beim Großen Preis von Großbritannien auf der Traditionsstrecke von Silverstone erlitt der spätere Rekordweltmeister aus Kerpen den schwersten Unfall seiner Rennfahrerkarriere.

Die Weichen standen auf einen heißen Fight zwischen Schumacher und dem amtierenden Weltmeister Häkkinen. Der Finne hatte sich mit knapp vier Zehntelsekunden Vorsprung die Pole Position vor dem Deutschen gesichert, der bereits drei Rennen auf einen Sieg wartete und die WM-Führung an Häkkinen verloren hatte.

Der folgenschwere Abflug ereignete sich nur wenige Sekunden nach dem Start. Nachdem von 22 gemeldeten Piloten mit Jacques Villeneuve und Alex Zanardi gleich zwei am Start liegen blieben waren, brach die Rennleitung den Grand Prix noch in der ersten von 60 Runden ab. 

Spitzen-Quartett bekommt von Roten Flaggen nichts mit

Diese Information kam bei Schumi allerdings nicht an, obwohl die Ferrari-Box es via Funk versuchte. Stattdessen rasten die Top-Fahrer um die Silberpfeile von Mika Häkkinen und David Coulthard und die Ferraris von Eddy Irvine und Michael Schumacher mit über 300 km/h auf die Stowe Kurve zu. 

Obwohl auf Start und Ziel längst Rote Flaggen geschwenkt wurden, wollte sich Schumi nach einem verpatzten Start am Teamkollegen vorbeiquetschen und zog auf die Innenseite.

Plötzlich verlor der zum damaligen Zeitpunkt zweifache Formel-1-Champion die Kontrolle über seinen Boliden. Eine Entlüftungsschraube an den Bremsen hatte sich gelöst, sodass Schumacher nicht mehr in der Lage war, in die besagte Stowe Kurve einzulenken. 

Mit immer noch über 200 Kilometern pro Stunde pflügte der Rote Renner durch das Kiesbett, direkt auf den Reifenstapel zu.

Jahre später berichtete die Formel-1-Legende in einer "ZDF"-Sendung: "Ich war bei vollem Bewusstsein und denke: Oh, das tut jetzt gleich weh! Du kannst nicht mehr viel machen, du kannst nicht mehr lenken. Du stützt dich nur noch ab und erwartest den Moment."

Einschlag mit 107 km/h in den Reifenstapel

Und dieser Moment kam. Mit gemessenen 107 km/h schlug Schumacher in den Reifenstapel ein. Das Auto wurde im vorderen Bereich vollkommen zerstört. Schumacher hatte keine Chance und brach sich Schien- und Wadenbein. 

Die Rennfahrerlegende machte aber noch eine weitaus extremere Erfahrung, wie er erst zehn Jahre nach dem Horror-Crash von Silverstone verriet: "Ich liege da und merke, wie ich mich wieder so ein bisschen fange und beruhige und fühle meinen Herzschlag. Und fühle plötzlich wie mein Herzschlag immer weniger wird und plötzlich komplett aufhört. Lichter gehen aus. Und dann denke ich, so fühlt es sich wohl an, wenn du dann auf dem Weg nach oben bist."

Es kam zum Glück anders. Nachdem Schumacher endlich aus dem völlig demolierten Auto geborgen wurde, gelang es den Notärzten, Schumacher wieder zu stabilisieren. Dieser hatte sich neben den gebrochenen Knochen auch noch eine schwere Fersenprellung zugezogen. 

Der WM-Traum ist damit auch im vierten Jahr vorzeitig zerplatzt. Insgesamt sechs weitere Rennen fällt der Star-Pilot aus, ehe er im vorletzten Saison-Lauf in Malaysia ein großartiges Comeback feiert. Als uneigennütziger Teamplayer soll er Eddy Irvine zum Weltmeistertitel verhelfen. Der umjubelte Doppelsieg in Kuala Lumpur reicht am Ende aber nicht. Mika Häkkinen gelingt beim Saisonfinale in Suzuka der finale Erfolg zur Titelverteidigung.  

Aus dem schlimmsten Unfall seiner Motorsport-Karriere ging Michael Schumacher letztlich noch stärker und fokussierter hervor. In den folgenden fünf Jahren legte er die bis heute größte Erfolgsserie der Formel-1-Geschichte hin und gewann mit der Scuderia Ferrari fünfmal in Folge den WM-Titel.  

Mats-Yannick Roth

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