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Zieht Red Bull an Ferrari vorbei?

Fortschritte, aber kein Wendepunkt: Ferrari droht Ungemach

08.07.2019 18:02
Charles Leclerc konnte in Spielberg beide Mercedes hinter sich lassen
© Mark Thompson, getty
Charles Leclerc konnte in Spielberg beide Mercedes hinter sich lassen

Ferrari verließ Spielberg vor rund einer Woche mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Auf der einen Seite stand die Enttäuschung darüber, dass Charles Leclerc den Sieg in den letzten Runden noch an Max Verstappen verlor. Auf der anderen Seite punktete die Scuderia zum ersten Mal in der Formel-1-Saison 2019 besser als Mercedes. Doch was ist das wirklich wert?

Klar ist, dass Ferrari auf dem Red-Bull-Ring von zwei Faktoren profitierte. Zum einen kam die Charakteristik der Strecke dem SF90 ziemlich gut entgegen. Zum anderen hatte Mercedes mit den hohen Temperaturen zu kämpfen und büßte dadurch eine Menge Performance ein. Spielberg war daher kein realistischer Gradmesser für das aktuelle Kräfteverhältnis zwischen Ferrari und den Silberpfeilen.


Mehr dazu: Mercedes verrät Gründe für Österreich-Pleite


"Als Team war es ein etwas besseres Wochenende hier; ich denke, das ist größtenteils der Strecke geschuldet", räumt auch Sebastian Vettel ein, und Teamchef Mattia Binotto erklärt ebenfalls, dass die Streckencharakteristik der "Hauptfaktor" für das gute Wochenende gewesen sei. So habe man vor Le Castellet eine Woche zuvor bereits gewusst, dass es dort "ein schwieriges Wochenende" wird.

Vettel gesteht: "Es fehlt noch etwas ..."

"Bevor wir [nach Österreich] gekommen sind, wussten wir, dass wir eine bessere Chance haben könnten", verrät Binotto. Von einem Wendepunkt im Kampf gegen Mercedes kann man daher wohl nicht sprechen. "Ich glaube, wir haben schon noch viel Arbeit vor uns", räumt Vettel ein und verrät: "Das Auto hat sich am ganzen Wochenende gut angefühlt, aber es fehlt noch was."

"Man hat auch gesehen, dass wir hinten heraus mit den Reifen ein bisschen eingebrochen sind", erinnert er. Deswegen kam Vettel zwar vor Lewis Hamilton aber hinter Valtteri Bottas ins Ziel. "Jetzt haben wir noch einiges vor. Für das nächste Rennen [in Silverstone] haben wir ein paar neue Teile, die uns hoffentlich vorwärts bringen werden", kündigt der viermalige Weltmeister an.

Auch Teamkollege Leclerc glaubt nicht, dass man Mercedes ab jetzt regelmäßig herausfordern kann. "Ich erwarte noch immer, dass Mercedes in den kommenden Rennen sehr, sehr stark sein wird. Es sieht so aus, dass Red Bull auch ein sehr gutes Paket hat - besonders im Rennen", erklärt er und ergänzt: "Es liegt Arbeit vor uns. Ich glaube, dass auch wir einen Schritt gemacht haben - besonders im Qualifying."

Ferrari noch nicht auf Mercedes-Niveau

Aber: "Ich denke nicht, dass wir schon auf dem Level von Mercedes sind. Aber hoffentlich kommen wir näher", so der Monegasse. Doch wo steht Ferrari kurz vor der Sommerpause nun wirklich? Denn Spielberg hat gezeigt, dass es falsch wäre, sich nur auf Mercedes zu konzentrieren. Läuft es für die Scuderia schlecht, könnte von hinten nämlich sogar Red Bull vorbeiziehen.

In Österreich hat Max Verstappen die beiden Ferrari-Piloten bereits bezwungen. Und auch in der WM ist der Niederländer als Dritter aktuell engster Verfolger des Mercedes-Duos. Muss sich Ferrari also möglicherweise sogar nach hinten orientieren, um nicht hinter die Bullen zurückzufallen? "Wir haben zwei Poles in den vergangenen drei Rennen geholt", ist Binotto bei 'Sky' um Relativierung bemüht.

"Das zeigt einen Fortschritt", gibt er sich kämpferisch und erklärt: "Vielleicht haben die Strecken besser zu unserem Auto gepasst, [...] aber wir glauben daran, dass wir das Auto verbessern. Auch Charles verbessert sich als Fahrer. Er fühlt sich jetzt mit dem Set-up des Autos wohler. Die nächsten Rennen werden wieder anders werden, [...] aber es ist ermutigend. Wir werden nicht aufgeben und weiter pushen."

Keine Unterstützung durch 2018er-Reifen

"Werden wir allen Strecken kämpfen können? Das denke ich noch nicht", räumt aber auch er ein. "Es kommen noch Strecken, die schwieriger für uns sind. Aber hier und da werden wir auch ein paar Neuerungen mitbringen. Ich denke, wir müssen es Rennen für Rennen sehen", so Binotto. Klar ist aber auch, dass Ferrari keine extremen Updates - oder gar eine B-Version des Autos - bringen wird.

Das stellte Binotto bereits vor Wochen klar. Ferrari wird also vor allem auf kleinere Updates setzen. Diese gehen laut Binotto auch "in die richtige Richtung". Aber werden die reichen, um noch einmal einen ganz großen Schritt nach vorne zu machen? Ferraris vielleicht größte Chance wäre der Schritt zurück zu den 2018er-Reifen gewesen. Doch dieser wurde in Spielberg abgelehnt.

"Das wäre eine große Möglichkeit gewesen, das Feld zusammenzubringen", erklärt Binotto und ergänzt, dass die Formel 1 damit eine "große Chance" verpasst habe. "Ich denke, wir hätten etwas machen sollen", erklärt er. Das wäre natürlich vor allem auch im Interesse von Ferrari selbst gewesen, denn der Wechsel hätte Mercedes womöglich etwas eingebremst. Nun muss es Ferrari aus eigener Kraft schaffen.

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