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Spielberg als Ausrutscher?

Mercedes verrät Gründe für Österreich-Pleite

08.07.2019 15:42
In Silverstone müssen Hamilton und Co. keine Probleme wie in Spielberg befürchten
© Bryn Lennon, getty
In Silverstone müssen Hamilton und Co. keine Probleme wie in Spielberg befürchten

Mit den Plätzen drei und fünf erlebte Mercedes in Spielberg das mit Abstand schlechteste Wochenende der Formel-1-Saison 2019. Erstmals standen weder Lewis Hamilton noch Valtteri Bottas auf der obersten Stufe des Podiums, und erstmals in dieser Saison wurde einer der beiden nicht nur von Ferrari sondern auch von Max Verstappen im Red Bull geschlagen.

Die Ursache für die Pleite war schnell gefunden. Bei den heißen Temperaturen auf dem Red-Bull-Ring hatte der W10 Probleme mit der Kühlung. "Grundsätzlich sind die Kühler des Autos nicht groß genug", gesteht Chefingenieur Andrew Shovlin und erklärt, dass man in dieser Hinsicht bei der Entwicklung des Boliden "ein bisschen optimistisch" gewesen sei - offenbar zu optimistisch.

Denn die Kühlsysteme des W10 kühlen den Boliden laut Shovlin weniger als erhofft. Hintergrund: Aus aerodynamischen Gründen versuchen die Formel-1-Teams stets, ihre Boliden so kompakt wie möglich zu bauen. Das betrifft auch die Anordnung der Komponenten im Auto. Offenbar hat Mercedes 2019 in dieser Hinsicht ein bisschen zu hoch gepokert.

"In den sehr heißen Rennen werden wir Probleme haben, alles kühl genug zu halten", räumt Shovlin ein. Dabei geht es vor allem darum, den sensiblen Antrieb nicht durch zu viel Hitze zu beschädigen. Denn ein Motorschaden wäre gleich doppelt bitter. Zum einen, weil man dadurch aus dem Rennen ausscheiden würde. Und zum anderen, weil man dann eventuell nicht mehr mit drei Motoren durch die Saison kommen würde.

Kühlung aktuell die "Achillesverse" des W10

Das würde dann wiederum zu Gridstrafen führen. Aus diesem Grund ging Mercedes in Spielberg kein Risiko ein. So öffnete man die Kühlausgänge am W10 so weit wie möglich. "Wenn man an diesem Punkt angelangt ist, dann sind die Optionen sehr limitiert", erklärt Shovlin. Weil das alleine nämlich nicht ausreichte, mussten Hamilton und Bottas auf den Geraden zusätzlich bereits vor dem Bremspunkt vom Gas gehen.

"Lift and Coast" heißt diese Maßnahme, die dafür sorgt, dass der Motor für einige Meter nicht belastet wird und so etwas herunterkühlen kann. Natürlich verliert man dadurch aber auch Rundenzeit. In Spielberg waren die beiden Piloten laut Shovlin angewiesen, diese Maßnahme auf "ungefähr 400 Metern pro Runde" anzuwenden. Das sei eine "signifikante Limitierung" gewesen.

Kühlung vs. Performance

Zusätzlich gab es noch die Möglichkeit, den Motor selbst herunterzudrehen. "Dadurch entwickelt er nicht so viel Hitze, aber man hat auch weniger Leistung und ist langsamer auf den Geraden", erklärt Shovlin. Mit anderen Worten: Für Mercedes war es in Österreich nicht möglich, die benötigte Kühlung zu gewährleisten, ohne auf einen gewissen Teil der Performance zu verzichten.

Ganz unerwartet kam dieses Problem übrigens nicht. Shovlin verrät, dass man bereits vor Österreich an Lösungen gearbeitet hat. "Die Frage ist nicht, wie oder ob - aber wir werden reagieren. Es gibt keine andere Option", kündigt Teamchef Toto Wolff an und erklärt mit einem Augenzwinkern im Hinblick auf das kommende Rennen: "Jetzt hoffe ich auf richtig typisch britisches Wetter in Silverstone."

Denn die Kühlung sei aktuell die "Achillesverse" des W10. Laut Wolff seien die Lufttemperaturen bereits in Le Castellet am "Limit" gewesen. In Österreich wurde dieses dann überschritten. "Wir hatten keine Probleme bis hierhin", erinnert Hamilton und ergänzt: "Ich weiß nicht, welche heißen Strecken jetzt noch kommen. Budapest oder auch andere Strecken."

Hamilton: Probleme "nicht auf vielen Strecken"

"Ich denke nicht, dass wir auf vielen Strecken Probleme haben werden, aber bestimmt auf einer oder zwei weiteren, vielleicht Mexiko", grübelt der Weltmeister. Im Hinblick auf sein Heimrennen in Silverstone erklärt er: "Unser Auto sollte dort gut sein. Ich nehme an, dass es [gegen Ferrari] eng sein wird." Die gute Nachricht für ihn: Dort werden am Wochenende maximal etwas mehr als 20 Grad erwartet.

Das spricht nicht dafür, dass Mercedes dort ähnliche Probleme wie in Spielberg haben wird. Wolff erinnert zudem daran, dass die nächsten Rennen "komplett andere Layouts" haben, und dass es dort "komplett anderes Wetter" geben wird. "Ich hoffe, wir werden zu unseren Stärken zurückfinden", so der Österreicher. Doch gemäß seiner Natur bleibt Wolff trotzdem vorsichtig.

Wolff lobt Ferrari

Zwar haben die Silberpfeile die Nase in der WM auch nach Spielberg noch immer klar vorne. Doch Wolff erklärt, dass die Saison auch ganz anders hätte laufen können. "Ich glaube, dass Ferrari irgendwie das Momentum verloren hat, das sie in Bahrain hatten", erklärt er und erinnert: "Sie hatten das schnellste Auto und hätten das Rennen mit Leclerc gewinnen sollen."

Und Bahrain war nicht das einzige Rennen, in dem Ferrari unter den Erwartungen blieb. "Charles [Leclerc] war in Baku - vor seinem Crash im Qualifying - der Schnellste, und Sebastian [Vettel] hat in Montreal vor seiner Strafe geführt", merkt Wolff an. Seiner Meinung nach könnte die Situation in der WM daher komplett anders aussehen, wenn Ferrari seine Chancen besser genutzt hätte.

Die Realität spricht allerdings eine andere Sprache. In der Fahrerwertung führt Hamilton mit 197 Punkte klar vor Bottas (31 Punkte Rückstand), Max Verstappen (71) und Vettel (74). In der Konstrukteurs-WM liegt Mercedes satte 135 Punkte vor dem engsten Verfolger Ferrari. Trotz des schwierigen Rennens in Spielberg ist es nur schwer vorstellbar, dass man diesen Vorsprung noch verspielen wird.

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