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Manuelles Schalten, Funkverbot, Nachtanken

Sieben Vorschläge: Formel 1 muss wieder spannend werden

26.06.2019 17:31
Ross Brawn und Chase Carey sind gefordert, die F1 einmal auf links zu drehen
© Mark Thompson, getty
Ross Brawn und Chase Carey sind gefordert, die F1 einmal auf links zu drehen

Mercedes, Mercedes, Mercedes – Hamilton, Hamilton, Hamilton. Die Formel 1 ist momentan so langweilig, dass selbst dem Weltmeister die Silberpfeil-Dominanz auf den Geist geht.

Klar ist: In der Motorsport-Königsklasse muss sich dringend etwas ändern, die Bosse Chase Carey und Ross Brawn sind gefordert. Sieben Ideen, um wieder mehr Action auf der Strecke zu haben:

1. Kupplung und Handschaltung

Gewiss, im Stadtverkehr ist so eine Automatik-Schaltung eine feine Sache. Aber sollten die besten Rennfahrer der Welt nicht selbst kuppeln und schalten wie in den "guten, alten Zeiten"? Wahnsinn, wie früher etwa Ayrton Senna im Leitplanken-Labyrinth von Monaco zwischen den Kurven sein zitterndes Lenkrad mit der rechten Hand losließ, um fix mit einem kleinen Hebel neben dem Lenkrad hoch- und runterzuschalten.

Der Pilot war damals im Cockpit richtig gefordert, machte viel stärker als heute den Unterschied. Auch Sebastian Vettel und Lewis Hamilton haben sich schon für manuelle Kupplung und Schaltung ausgesprochen. Warum also nicht einfach auf die Fahrer hören und machen, liebe Formel-1-Bosse?!

2. Weniger Lenkrad-Hilfen

Wie es ist, wenn die bequeme Servo-Lenkung ausfällt, musste beim Frankreich-GP McLaren-Rookie Lando Norris erfahren. Nur mit ganzem Einsatz und der Kraft seiner Arme konnte er den Papaya-Renner auf der Strecke halten. So sollte es im Prinzip aber doch sein. Die Königsklasse muss wieder ein Kampf zwischen Fahrer und Auto, zwischen Dompteur und Bestie sein.   

Früher klappten Fahrer wie Nigel Mansell nach einem GP hin und wieder vor Erschöpfung zusammen. Heute spottet Hamilton, Doping in der Formel 1 sei ein Witz, weil der Sport einfach nicht anstrengend genug sei und deshalb schon 17-Jährige mitfahren könnten. Macht aus den Autos wieder (un)zähmbare Bestien, werte F1-Bosse!

3. Funk (größtenteils) verbieten

Bis auf Boxenstopp-Ansagen und akute Gefahrenhinweise gehört das Team-Radio verboten. Der Fahrer soll selbst entscheiden, was er im Rennen wann tut, detaillierte Vorgaben vom Kommandostand sind albern und entmündigen die Piloten.

Außerdem muss mit dem pausenlosen Rumgeheule der Fahrer endlich Schluss sein. Vorschlag: Sie dürfen künftig nur noch "Copy" (habe verstanden) funken und fertig!

4. Radikal vereinfachen

Hier ein Extra-Flügelchen auf dem Flügel, da ein Schlitz, Knubbel-Nasen und solche mit Nasenlöchern. Aerodynamisch ist die Formel 1 total überfrachtet. Klar, die Windkanal-Tüftler sollen auch in Zukunft mit innovativen Ideen ihren Platz haben. Trotzdem, liebe Bosse: weniger aerodynamische Komplexität ist mehr.

Das gilt auch für das Regelwerk. Sebastian Vettels Strafe beim Kanada-GP hat gezeigt: Die Regeln sind viel zu detailliert und kompliziert, kein Fan blickt mehr durch. Liebe Bosse: Sicherheit ja, Paragraphen-Reiterei nein!

5. Reifenfenster einmotten

Zu komplex. Das gilt auch für die Reifen. Die Gummis spielen eine viel zu wichtige Rolle, entscheiden zurzeit gefühlt immer über Wohl und Wehe eines Rennens oder Qualifyings. Dass die Aufwärm-Runde für eine schnelle Runde mittlerweile wichtiger ist, als der Run an sich, sagt eigentlich alles. Wer die Walzen nicht ins ominöse Temperatur-Fenster kriegt, ist verflucht. Das darf nicht sein.

Unser Vorschlag: Zwei für die Fahrer und Ingenieure leicht verständliche Mischungen - weich und hart. Das muss reichen.

6. Tankstutzen raus

Was waren das früher für Strategieschlachten, als Nachtanken noch erlaubt war. Underdogs konnten den Top-Teams dank weniger Sprit an Bord in die Suppe spucken und den Rennplan verhageln. Spannung war garantiert. Auch die Boxenstopps waren noch wichtiger. Reifenwechsel plus nachtanken – nur wer beides perfekt beherrschte, war top. Auch das leidige Thema Sprit sparen wäre vom Tisch. Holt den Tankstutzen wieder raus!

7. Kürzer und weniger, mehr Europa

Der Fahrer soll im Cockpit wieder schuften, das hatten wir ja schon. Dafür könnte die Renndauer von rund eineinhalb durchaus auf eine Stunde verkürzt werden. Und: Lieber die umweltfreundlicheren Hybrid-Triebwerke abschaffen und dafür mit kreischenden Verbrennungsmotoren weniger Rennrunden fahren.

Ihre ökologische Bilanz kann die Formel 1 sowieso an ganz anderer Stelle aufbessern. 21 Rennen pro Saison sind zu viel. Unser Vorschlag: Weniger Rennen pro Jahr und dafür mehr Grands Prix auf den Traditionsstrecken in Europa. Der alte Kontinent beheimatet nicht nur super Pisten. Die Teams haben in Europa auch ihre Werke, An- und Abreisen wären wesentlich kürzer und einfacher. Weniger Rennen + weniger Übersee-GPs = weniger CO2-Ausstoß.

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