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DFB-Frauen hadern: Wäre schöner, Gegner schon zu kennen

20.06.2019 15:54
Die Nationalspielerinnen Verena Schweers (l.) und Svenja Huth bei der DFB-Pressekonferenz in Grenoble
© Sebastian Gollnow
Die Nationalspielerinnen Verena Schweers (l.) und Svenja Huth bei der DFB-Pressekonferenz in Grenoble

Die Hängepartie um den WM-Achtelfinalgegner erschwerte die Vorbereitung der DFB-Frauen. Die Einstellung auf die nächste Hürde kann erst einen Tag vor dem Spiel erfolgen.

Kniffeln, Wassertreten, WM-Spiele schauen: Aus der nervigen Warterei auf ihren Achtelfinalgegner machten die deutschen Fußballerinnen neben dem Training das Beste. "Natürlich wäre es schön, wenn man wüsste, gegen welchen Gruppendritten man spielt", sagte Vize-Kapitänin Svenja Huth, "nichtsdestotrotz sind wir total fokussiert und wollen uns sowieso mehr auf uns konzentrieren."

Schuld an der tagelangen Hängepartie war der unübersichtliche WM-Modus mit 24 Teams, von denen auch die vier besten Dritten der sechs Vierergruppen in die Runde der letzten 16 einzogen. Weil zwei davon erst nach Abschluss der Vorrunde am späten Donnerstagabend feststanden, hat das DFB-Team in Grenoble nur einen Tag zur gezielten Vorbereitung auf seinen Gegner in der ersten K.o.-Runde am Samstag (17:30 Uhr).

FIFA-Sprecher erklärt umstrittenen Turnier-Modus

Ein Sprecher des Weltverbandes FIFA begründete das komplexe Verfahren mit den vielen verschiedenen Konstellationen laut "Bild"-Zeitung folgendermaßen: "Es soll sichergestellt sein, dass Mannschaften, die in der Vorrunde gegeneinander gespielt haben, erst wieder im Endspiel aufeinandertreffen können."

Immerhin hat der zweimalige Weltmeister Deutschland als Gruppensieger einen Vorteil: Für den Kontrahenten gestaltet sich die WM-unwürdige Situation noch schwieriger - denn die Anreise der wartenden Gruppendritten nach Grenoble kann ja erst kurzfristig erfolgen. Doch auch das deutsche Scouting-Team und der Stab um Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg müssen unter Hochdruck arbeiten, damit die Gegneranalyse gelingt.

Angesichts der nagenden Ungewissheit verbrachten die Spielerinnen neben Gesellschaftsspielen und Abkühlung im kühlen Nass im Kurort Uriage-les-Bains viel Zeit vor dem TV. "Wir schauen bei den anderen Spielen genau hin, achten auf Stärken und Schwächen", sagte Huth. Die Flügelflitzerin ist in dieser schwierigen Situation zudem als WG-Partnerin in besonderer Funktion gefragt.

Im Grand Hotel teilt sie sich nämlich ein Zimmer mit der verletzten Spielmacherin Dszenifer Marozsan, mit der sie seit Jahren eng befreundet ist. "Es geht ihr gut, sie ist kämpferisch. Wir versuchen alle, Dzseni zu helfen, und sie versucht alles, um wieder fit zu werden", sagte die 28-Jährige, die zur kommenden Saison von Turbine Potsdam zum VfL Wolfsburg wechselt.

Kellermann kritisiert hohe Fehlpassquote

Nach der im Auftaktspiel gegen China (1:0) erlittenen Fraktur der linken Mittelzehe ist ein Einsatz von Marozsan im Achtelfinale aber höchst unwahrscheinlich. So muss der Olympiasieger voraussichtlich ohne seine unbestritten beste Fußballerin den nächsten Schritt schaffen.

Gegnerunabhängig bleibt das Zwischenfazit, dass sich die DFB-Auswahl dazu steigern muss. "Es sind immer noch zu viele überflüssige Fehlpässe im Spiel - und diese oft ohne richtigen Druck des Gegners", befand auch Ralf Kellermann, sportlicher Leiter der Frauen-Abteilung des VfL Wolfsburg, in seiner kicker-Kolumne: "Das muss die Mannschaft in der K.o.-Phase noch abstellen, wenn sie weit kommen und Großes erreichen will."

Dieses Urteil unterschreibt auch die Mannschaft. "Wir hatten einen Umbruch mit einer neuen Trainerin", sagte Verteidigerin Verena Schweers: "Vor dem Turnier wussten wir nicht genau, wo wir stehen." In der Gruppenphase habe man sich aber von Spiel zu Spiel gesteigert: "Wir wissen alle, dass wir noch mehr können. Deshalb pushen wir uns in jeder Einheit."

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